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schaftliche Leben nicht überschätzen darf, weder in positiver noch
auch in negativer Hinsicht. Eine energisch aufstrebende Bevölkerung
weiß sich über eine hemmende Gesetzgebung hinfortzusetzen, eine
schlaffe dagegen weiß freiheitliche Institutionen nicht zu verwerten
und folgt nicht der gebotenen Anregung.

8 97.
„Die Pessimisten. ..
a) Robert Malthus.
Handwörterbuch d. Staatsw. Art. Bevölkerungswesen v. L. Kilster,
Dietzel, Der Streit um Malthus’ Lehre. (Festgabe für Ad Wagner.) Leipzig 1905.
Brentano, Die Malthussche Lehre und die Bevölkerungsbewegung der letzten
Dezennien. München 1909.

Das Malthus
sche Bevöl-
kerungsygesetz

Die Adam Smithsche Beurteilung der Kulturentwicklung war
eine wesentlich optimistische gewesen für den Fall, daß man zur
wirtschaftlichen Freiheit überging. Man hatte diese in der Haupt-
sache in England Ende des 18. Jahrhunderts erreicht. Handel und
Gewerbe waren in noch nie dagewesener Weise gestiegen, gleichwohl
zeigte sich, wie erwähnt, in der großen Masse der unteren Bevölkerung
Not und Elend, und wenn dasselbe sich Auch nicht vergrößert haben
mochte, so trat es in den wachsenden Städten sichtlicher zutage, und
der. (Gegensatz. zU.dem..steigenden..Reichtum, der Unternehmerklasse
war erheblich verschärft, Infolge dieser Beobachtung” ünternahm &8
ein Geistlicher, Thomas Robert Malth AS. (11061830), die Ur-
sachen dieser Erschemung zu ererüunden, und er legte seine Anschau-
ungen in einer Schrift nieder: „An essay on the principle of population
as its effects on the future improvement of society. London 1798“.
Da die darin sehr schroff ausgesprochenen Anschauungen nur eine
kurze und unvollkommene Begründung erfahren hatten und deshalb
vielseitige scharfe Anfeindungen hervorriefen, sah sich der Verfasser
veranlaßt, einige Jahre darauf eine wesentlich erweiterte Ausgabe zu
veranstalten, unter dem Titel: „An essay on the principle of population
or a view of its past and present effects on human happiness ete. 1803“
in zwei Bänden (übers. v. Hegewisch und Ausgabe von Waentig,
2 Bde. Jena 1905). Dieses ist die maßgebend gewordene Schrift, die
bis zum heutigen Tage ihre Bedeutung behalten hat.

Sowohl von den Merkantilisten wie den Physiokraten war den
Zeitverhältnissen entsprechend eine starke Beyölkerung als die Grund-
lage für Macht.und, Wohlstand. angesehen, und deshalb die Förderung
der Volksvermehrung als im wesentlichen wünschenswert hingestellt.
Auch Adam Smith mußte diesen Standpunkt als gerechtfertigt an-
erkennen, wenn er auch mit mehreren der Physiokraten künstliche
Maßregeln der Staatsgewalt, wie sie die Merkantilisten forderten,
verwarf, Vielmehr setzte er als selbstverständlich voraus, daß die
Volkszunahme von selbst pusreichende En ipuen annehmen würde.
Malthus,.stellte sich auf einen anderen Standpunkt, indem er, be-
REES daß in, der Bevölkerung nach „Tem Naterpesctze fortdaueernd
die Tendenz vörliege, Sich In einem stärkeren Maße zu vermehreh,
als”es" rar” qie wirtschaftlichen‘ Verhältnisse angemessen Sei, und da-
durch stets “916 Gelahr einer ve BervVOlkerung vörliege. ES“ Ist de
Auffassung welche CHATIES Darwin HE ee erbst erklärt hat,