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Wertlehre.

Ricardo durchaus auf dem Standpunkt des Kapitalisten und Unter-
nehmers; "sicht diese als die eigentlichen Stützen des Volkswohlstandes
an und“ “ertritt nachdrücklichst ihre Interessen, vielfach mit größter
Rücksichtslosigkeit, Nicht mit Unrecht ist ihm Ungenauigkeit im
Ausdruck vorgeworfen, wodurch er zu manchem Mißverständnis An-
laß gegeben hat. Im ganzen aber hat man es mit einem bedeuten-
den Denker zu tun, dem die Wissenschaft einen entschiedenen Fort-
schritt verdankt, wenn auch viele seiner Lehren erheblicher Modifi-
kationen bedurften,

Drei Schriften sind es insbesondere, die eine nachhaltige Bedeu-
tung gewonnen haben. 1. High price of bullion, a proof of the de-
preciation of banknotes, London 1810. 2. An essay on the influence
of a low price of corn on the profits of stock, showing the incon-
veniency of restrictions on importation, with remarks on Mr. Malthus’
two last publications. 1815, 3. On the principles of political economy
and taxation, London 1817, deutsch 1837 von Baumstark, 1905 von

iele,

Die erste Schrift war eine Untersuchung, wie die entwerteten
Banknoten auf die normale Höhe gehoben werden könnten, und Ri-
cardos Ausführungen sind wesentlich bestimmend für die spätere
Aufnahme der Barzahlung seitens der Bank von England gewesen.
In der zweiten Schrift macht er energische Opposition gegen die Be-
strebungen, durch hohe Getreidezölle die Erträge des Grund und
Bodens hoch zu halten, indem er auf die Last hinweist, die damit
der Industrie aufgebürdet werde, da sie eine Steigerung der Löhne
notwendig mache, und er tritt darin noch schärfer als Adam Smith
für den Freihandel ein. Beschäftigten sich diese beiden Schriften
anmittelbar mit praktischen Tagesiragen, so vertiefte er sich in dem
größeren, zuletzt genannten Werke in mehr grundlegende Probleme.

Die größte Bedeutung hat seine Lehre von den Ursachen des
Wertes erlangt, indem sie den Anlaß zu der mißverständlichen Auf-
fassung Lassalle’s und Marx’ gegeben hat. Der Begriff des
Wertes wird zunächst von ihm ganz im Anschluß an Adam Smith
aufgefaßt. Er sagt dann weiter: „Diejenigen Dinge, welche Nutzen
gewähren, erhalten ihren Tauschwert aus zwei lee, aus ihrer”
Seltenheit und aus der Quantität Arbeit, die erforderlich ist, um sie,
Au. Srhälten, Es gibt Dinge, deren‘ Wert einzig von ihrer Seltenheit
abhängt, ihre Quantität kann nicht durch Arbeit vergrößert werden,
daher kann ihr Wert nicht durch ihre wachsende Menge verringert
werden.“ „Ihr Wert, gänzlich unabhängig von der Quantität Arbeit,
die zu ihrer Hervorbringung nötig war, richtet sich einzig nach
dem Geschmack und der Liebhaberei derer, die nach ihrem Besitz
streben. Diese Klasse von Dingen macht indessen nur einen kleinen
Teil derjenigen aus, welche täglich umgesetzt werden. Bei weitem
der größte Teil der Güter, die man zu besitzen wünscht, wird durch
Arbeit hervorgebracht, nicht in einem Lande allein, sondern in meh-
reren kann man sie vervielfältigen.“ „Wenn wir daher von Waren
sprechen, von ihrem Tauschwert und den Grundsätzen, die ihren re-
lativen Preis bestimmen, meinen wir stets solche Waren, die in Menge
durch menschliche Arbeit hervorgebracht und unter Konkurrenz ohne
Hindernis vervielfältigt werden können. In der Kindheit des wirt-
schaftlichen Zustandes hängt der Tauschwert der Dinge oder die
Regel, welche bestimmt, wieviel von der einen Sache für eine andere