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im Tausche gegeben werden soll, einzig von der verhältnismäßigen
Quantität Arbeit ab, die auf die Hervorbringung einer jeden ver-
wandt wurde.“ „Daß hierin die wirkliche Grundlage des Tausch-
werts aller Dinge besteht, ausgenommen diejenigen, welche
durch menschliche Arbeit nicht willkürlich vervielfältigt werden
können, ist in der politischen Oekonomie ein Satz von der größten
Wichtigkeit.“ Aus dem Angeführten geht hervor, daß Ricardo
der Seltenheit des Gutes einen bedeutenden Einfluß beimißt und sie
keineswegs übersieht, wie das später von den Sozialisten geschehen
ist. Dagegen zieht er dieses Moment nur bei einer beschränkten
Zahl von Gegenständen hinzu und ignoriert es bei den weiteren Er-
örterungen, wodurch er dem späteren Mißbrauche seiner Lehre einen
Anhalt gegeben hat. Auch bei der Wertbestimmung des Goldes und
Silbers hebt er den Einfluß neuer Entdeckungen von Minen ausdrück-
lich hervor, nur mit dem Zusatz, daß diese Entdeckungen selten und
ihre Wirkungen nur vorübergehend seien.

Nachdrücklich polemisiert er gegen die Adam Smithsche Auf-
fassung, daß der Wert eines Gegenstandes bestimmt werde durch
die Arbeit, welche man gegen den Gegenstand eintauschen Könne,
und daß der Wert der Arbeit unveränderlich sei. Vielmehr sei der
Wert der Arbeit vielen Schwankungen unterworfen, schon die Her-
vorbringung desselben Gegenstandes erfordere fortdauernd eine andere
Quantität Arbeit, und die Schwierigkeit der Vergleichung infolge
der Verschiedenheit der Arten von Arbeit und der Bestimmung der
aufgewendeten Arbeit selbst sei außerordentlich groß. Freilich weicht
gr selbst schon bald darauf von den aufgestellten Grundsätzen ab
und setzt sich über die Schwierigkeiten hinfort. Im Eingang macht
er ausdrücklich die Einschränkung, daß jener Satz nur im Beginne
der wirtschaftlichen Kultur maßgebend sei. Später indessen ignoriert
er ihn. Er stellt fortdauernd Behauptungen auf, führt willkürlich
herausgegriffene Beispiele ins Feld, ohne einen eigentlichen Beweis
zu liefern. Niemand wird leugnen, daß die aufgewendete Arbeit
häufig bestimmend für den Preis ist; nur auf Grund von Tatsachen
kann klargelegt werden, welche Rolle die Seltenheit spielt, wo und
wie weit sie bei der Wertbestimmung ausscheidet, und es unterliegt
keinem Zweifel, daß ihr Ricardo einen zu geringen Einfluß in
der ganzen Volkswirtschaft beimißt. Er verschließt sich der Beob-
achtung nicht, daß in einzelnen Fällen Abweichungen von der Regel
stattfinden, doch hilft er sich darüber hinfort, indem er sagt, das
seien vorübergehende Preisverschiebungen, während der durch-
schnittliche Wert dadurch nicht beeinflußt werde. So heißt es im
Kapitel IV: „Im gewöhnlichen Lauf der Dinge gibt es keine Sache,
die lange Zeit hindurch in gleicher Reichhaltigkeit und den Bedürf-
nissen und Wünschen der Menschen genügend, herbeigeschafft werden
könnte; und folglich keine, die nicht zufälligen und temporären Ver-
änderungen des Preises unterworfen wäre.“ Ricardo greift damit
auf die Unterscheidung zwischen „natürlichem“ und „Marktpreis“
zurück, wie sie Adam Smith aufgestellt hat, und will seine Regel
nur für den ersteren gelten lassen. Die Bedeutung des letzteren aber
wird von ihm unterschätzt, wie die Unterscheidung überhaupt eine
völlig willkürliche ist.

Nicht in den bisher herangezogenen beiden Kapiteln I und IV,
sondern im zweiten über die Grundrente berücksichtigt er die Ver-

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