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Irundrente.

„6hre vom ab-
nehmenden
Reinertrag.

hältnisse unter verschiedenen Arbeitsbedingungen, indem er sagt: „Der
Tauschwert aller Dinge, mögen sie Produkte von Manufakturen, von
Minen oder vom Boden sein, bestimmt sich niemals nach der geringeren
Quantität Arbeit, die unter günstigen Umständen zu ihrer Produktion
hinreicht, z. B. bei besonderer Geschicklichkeit der Arbeiter, sondern
nach der größeren, zu ihrer Produktion erforderlichen Quantität Arbeit,
welche von Menschen verrichtet wird, die nicht alle außerordentliche
Fähigkeiten besitzen und die selbst die ungünstigen Umstände oft
zu bekämpfen haben, nämlich solche, die es höchstens erschweren,
die gewünschte Quantität Produkte zu erhalten.“ Wir geben hier
ausnahmsweise wiederholt die wörtlichen Zitate, da gerade die
Ricardoschen Ausführungen so oft mißverstanden sind. Er gibt selbst
die Abweichungen von den aufgestellten Gesetzen an, ohne aus ihnen
lie nötigen Konsequenzen zu ziehen, und seine Nachfolger haben sie
dann völlig beiseite gelassen.

Die zweite Lehre, durch welche Ricardo das Smithsche System
verbessert und wodurch sein Name wohl am bekanntesten geworden
ist, ist die von der Grundrente. Dieselbe ist übrigens nicht originell,
3ie war schon vor ihm von Anderson und Malthus aufgestellt,
wenn auch nicht so klar formuliert. Adam Smith hatte angenommen,
daß in neuerer Zeit ein jeder Boden -Grundrente abwürfe, weshalb
sie stets einen Teil des Preises bilde; Ricardo zeigte, daß, solange
yuter Boden im Ueberfluß vorhanden sei, die landwirtschaftlichen
Produkte in ihrem Preise nur einen Ersatz für aufgewendete Arbeit
liefern, da Niemand für dieselben mehr geben würde, als ihm die
Erzeugung von Getreide auf dem disponiblen Boden koste. Erst
wenn die Bevölkerung sich mehrt, der gute Boden knapp wird und
man genötigt ist, zur Deckung des Bedarfs geringere Bodenqualitäten
heranzuziehen, müsse der Preis der Ackerfrüchte so hoch steigen,
daß auch die Kosten der Bearbeitung des schlechteren Bodens auf-
yebracht würden. Da nun der bessere Boden denselben Aufwand
höher lohnt, so erlange der Kigentümer in dem gesteigerten Preise
einen Ueberschuß über den Arbeitslohn, und dieser Ueberschuß
repräsentiere die Grundrente. Seine Grundrentenlehre führt ihn zu
einem scharfen Gegensatz der Interessen des Grundbesitzers und der
übrigen Bevölkerung, der in den Forderungen einer Erhöhung der
Getreidezölle damals auf das schärfste zutage trat. Indem er zeigt,
daß die Grundrente nicht durch Arbeit erzielt wird, sondern ohne
Verdienst des Grundbesitzers ihm durch die allgemeine Entwicklung
zufällt, sucht er das Unberechtigte der Forderung hauptsächlich in
ler oben erwähnten Schrift nachzuweisen.

In der gleichen Weise, wie die Verschiedenheit der Bodengüte
zu einer Grundrente führt, kann nach Ricardo eine solche auch
lurch verschiedene Aufwendung von Arbeit und Kapital erzielt werden.
Jede weitere Aufwendung nach der gleichen Richtung liefert .einen
etwas geringeren Ertrag und besonders einen geringeren Reinertrag
als die frühere; das zuerst angewendete Kapital erzielt eine höhere
Rente, als das später verwendete, und auch hier ergibt die Differenz
eine Grundrente zugunsten des ersteren. Eben diese Abnahme der
Produktivität jedes weiteren Aufwandes zwingt bei zunehmender
Bevölkerung dazu, allmählich weitere Strecken Landes auch geringerer
Qualität in Angriff zu nehmen, weil dies immer noch billiger ist, als
dieselbe Arbeit auf den alten Boden zu konzentrieren. Mit Recht