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fordert gleichfalls unbedingte wirtschaftliche Freiheit, um das Privat-
interesse frei walten zu lassen, welches zu einer allgemeinen Harmonie
führe, da ein Gegensatz zwischen Privat- und Gesamtinteresse nicht
vorliege.

Auch er geht von der Untersuchung aus, wodurch der Wert der
Güter bedingt werde. Mit Ricardo behauptet er, daß Werte nur
durch menschliche Arbeit erzeugt werden können. Der Wert wird
nach ihm bestimmt durch die Arbeit, die man dem Anderen durch
Ueberlassung des Gutes erspart. In dem Verkehre handelt es sich
am einen Austausch von Dienstleistungen; nach diesen gewährten,
resp. ersparten Dienstleistungen messe Jeder die Güter, die er ein-
tauschen will. Wir verwerten das bereits an anderer Stelle heran-
gezogene Beispiel von ihm auch hier: das von einem Fuhrmann in
die Stadt gefahrene Wasser erhält nach ihm nicht, wie Ricardo
annimmt, den Wert nach der Arbeit, die der Fuhrmann darauf ver-
wendet hat, sondern allein den, der der Mühe entspricht, die den
Städtern dadurch erspart wird, sich selbst das Wasser zu holen. Je
mehr durch den Fortschritt der Kultur die Beschaffung der Dinge
erleichtert wird, je mehr Maschinen zu Hilfe gezogen werden, um so
mehr wird der Gesamtheit Arbeit erspart und das Wohlbefinden
Aller gefördert. Als Ergänzung tritt bei ihm hinzu, und dies ist
eine bemerkenswerte Konzession an den Sozialismus, welche nach-
haltigen Einfluß ausgeübt hat: da Werte nur durch Arbeit erzeugt
werden, ist auch das Eigentum nur auf Grund der Arbeit zu er-
klären und zu rechtfertigen. Jeder hat Anspruch auf das, was er
erarbeitet hat und nur auf das. Die Naturkräfte hat kein Mensch
hervorgebracht, Niemand hat darauf Anspruch, sie müssen zur freien
Verfügung der Gesamtheit stehen. Bastiat liegt es übrigens ferne,
lie kommunistischen Konsequenzen aus seiner Lehre zu ziehen.

Er erklärt, daß auch in unserer Zeit die menschliche Arbeit der
alleinige Maßstab des Wertes der Dinge sei, er bekämpft deshalb
die Ricardosche Grundrentenlehre. Es seien nicht die unzerstör-
baren Kräfte im Boden, die nach Ricardo dem Grundbesitzer ver-
möge seines Monopoles eine Rente ohne Arbeit zuwiesen. Was der
Boden liefere, sei ihm nur durch die Arbeit des Landwirts abge-
rungen, der Preis des Getreides reiche überhaupt nur hin, diese zu
bezahlen, und biete nichts darüber hinaus. Was der Boden geliefert
habe, falle dem Menschen ohne Entgelt zu. Es bestehe tatsächlich
ein Kommunismus an den Gaben der Natur. Was der Arbeiter
seinerseits fordere, den vollen Ersatz für seine Arbeitsleistung, werde
ihm tatsächlich gewährt. Der Rentier habe in seinem Kapital nur
Produkt von Arbeit, der Grundbesitzer in seinem Acker dem Wert
nach nur dasselbe, sie: seien deshalb durchaus berechtigt, der Erstere
einen Zins, der Zweite Pacht zu fordern. Mit der Entwicklung der
Kultur aber sinke durch das Steigen des Kapitalvorrates der Zinsfuß,
während der Arbeiter einen wachsenden Anteil am Ertrage gewinne.
Von selbst verbessert sich daher nach Bastiat die Lage des Ar-
beiters und er erhält, was ihm zukommt, Vorausgesetzt, daß man die
Konkurrenz frei walten läßt und alle Hemmnisse aus der Welt schafft.
Eine soziale Frage existiert nicht.

Ebenso wie Ricardo geht Bastiat vollständig von der Adam
Smithschen Lehre aus, gelangt aber von der gleichen Basis an
einem ganz anderen Ziele an, allerdings mit noch mehr Willkür als