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handels befreit hat und selbst ein Industrieland geworden ist, welches
seinerseits seine Uebermacht die anderen Länder fühlen läßt, gegen
die sie sich schützen müssen. Damit ist Carey in die Fußstapfen
Alexander Hamiltons getreten und ein Genosse Friedrich
Lists geworden. Er geht aber über beide hinaus durch die Forderung
eines Ausfuhrverbotes für Getreide, um der amerikanischen Land-
wirtschaft ihre Vollkraft zu erhalten. Zwar nicht in dieser letzten Hin-
sicht, wohl aber in betreff eines Schutzzollsystems haben die Lehren
Careys in seiner Heimat allgemeinen Anklang gefunden und praktische
Bedeutung gewonnen.
8 101.
Heinrich yon Thünen.
Schuhmacher, Johann Heinrich von Thünen, Ein Forscherleben. Rostock 1868.
Helferich, H. v. Thünen. Tübinger Zeitschrift für Staatswissenschaft 1852.
Bisher hatten wir auf die deutsche Literatur näher einzugehen MN
keine Veranlassung. Nicht daß es an Männern gefehlt hätte, welche Smithschen
auf diesem Gebiete gearbeitet und auch etwas geleistet hätten, aber peremand
es fehlte ihnen durchaus an Originalität. Für Verbreitung der physio-
kratischen Anschauungen war Johann August Schlettwein
(1731—1802) mit umfangreichen Schriften eingetreten, ebenso Schmalz
(1760—1831) und andere, ferner der Schweizer Iselin, ohne indessen
eine nachhaltige Bedeutung zu gewinnen. An dem Ausbau der Ad.
Smithschen Lehre und vor allem ihrer Verbreitung arbeiteten
Christian Jakob Kraus (1753-1807), Johann Friedrich
Eusebius Lotz (1771—1838), besonders in seiner Schrift über den
Begriff der Polizei und den Umfang der Staatspolizeigewalt 1807,
Graf Julius von Soden (1754—1831), Ludwig Heinrich von
Jakob (1759—1827), der lange Zeit in Halle eine Professur be-
kleidete, J. G. Hoffmann (1765—1847), lange Zeit Direktor des sta-
tistischen Bureaus zu Berlin und Professor an der Universität, der
sich namentlich durch seine Schriften über „das Geld“ und über
„die Steuern“ eine dauernde Stellung in unserer Wissenschaft erworben
hat. Es gehört hierher auch noch Karl Heinrich Rau (1792 bis
1870), lange Zeit und bis zu seinem Tode Professor in Heidelberg,
der besonders für die Systematisierung unserer Wissenschaft für
Deutschland eine durchgreifende Bedeutung gewonnen hat. Wenn
sie auch von ihm nicht zuerst ausgesprochen ist, so hat er doch
durch seine systematischen Handbücher eine Scheidung der reinen
Volkswirtschaftslehre von der in Deutschland ganz verbreiteten Wirt-
schaftspolizei durchgeführt, und schon 1826 trennte er scharf sein
großes Lehrbuch in die drei Teile: der Volkswirtschaftslehre, der
Volkswirtschaftspolitik und Finanzwissenschaft, eine Einteilung, die
seitdem sehr allgemein beibehalten ist.

Als ein strenger Schüler Smiths ist auch Fr. B. W. Hermann hier
zu nennen (1795—1868), Professor der Staatswirtschaft in München und
seit 1839 bis zu seinem Tode Vorstand des statistischen Bureaus. In
seinem hauptsächlichsten Werke „Staatswirtschaftliche Untersuchun-
gen“, 1832 und 1870, hat er Wesentliches zur Ausbildung und Präzi-
sierung der Begriffsdefinitionen geleistet, so daß in dieser Hinsicht sein
Werk für Deutschland als grundlegend und noch heutigen Tages als
unentbehrlich bezeichnet werden muß K Fr. Nebenius (1784—1857).