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Unternehmer endgültig mit dem Lohne ab und werfe ihn auf die
Straße, wenn er ihn nicht mehr zur Erhöhung seines Reichtums
verwerten könne. Aufgabe des Staates sei es, hier einzutreten und
den Schwächeren zu schützen; nicht durch mittelalterliche Einrich-
tungen, durch Preis- und Lohntaxen usw., sondern durch Einrich-
tungen, welche den Unternehmer ' zwingen, den dauernden, voll-
ständigen Unterhalt nicht nur des einzelnen für ihn Arbeitenden,
sondern der Arbeiterklasse zu übernehmen. Wo, wie in England, die
Armenkasse eintritt, sollten wenigstens die Fabrikanten allein zu
derselben beisteuern.

Die Hauptschwierigkeit einer Besserung sieht er als strenger Au-
hänger der Malthusschen Lehre in der rapiden Volkszunahme. Im
Mittelalter durfte der Bauer erst heiraten, wenn er in einen Bauernhof
einrückte, der Handwerker, wenn er Meister wurde. Die Volkszunahme
war daher beschränkt. In dem Zustande wirtschaftlicher Freiheit
ist dagegen die Zunahme des Proletariats unbehindert und greift in
erschreckender Weise um sich. Daraus folgt die wachsende Zahl
der Arbeitslosen, die wieder den Lohn herabdrückt. Dem allem ab-
zuhelfen sieht er sich selbst nicht imstande. Das Hauptübel scheint
ihm in dem Gegensatze zwischen dem besitzenden Unternehmer und
dem besitzlosen Arbeiter zu liegen. Er hält es deshalb für eine
Hauptaufgabe, wieder die Verbindung des Besitzes mit der Arbeits-
kraft herbeizuführen und findet sein Ideal in dem bäuerlichen Klein-
betriebe auf eigenem Grund und Boden. Daß die städtische Industrie
nicht wieder auf den kleinen, handwerksmäßigen Betrieb zurück-
geschraubt werden kann, sieht er ein, so sehr er dies bedauert. So
muß man, sagt er, wenigstens danach streben, eine Art Solidarität
zwischen Unternehmer und Arbeitern zu schaffen unter unbedingter
Wahrung der individuellen Freiheit und des Privateigentums. Auch
ist das Besitzmonopol zu beschränken und dem Arbeiter ein wach-
sender Anteil an dem Wirtschaftsertrage zu sichern.

Das Wesentlichste in seiner Lehre ist, daß er dem Staate neue
wirtschaftliche Aufgaben zuteilt, vor allem den Arbeiter nicht
schutzlos sich selbst überlassen und als einfache Ware behandelt
sehen, sondern ihn unter die besondere Obhut des Staates stellen
will, um damit nicht nur die Produktion, sondern vor allem die
geistige Kultur und das Wohlbehagen der Gesamtheit zu fördern.
Er verfolgte bereits mit scharfem Blick die Gegensätze zwischen
Pelval- und Gesamtinteresse, welche die Smithsche Schule nicht

annte.

4, Müller.

8 103.
b) Die romantische Schule der Nationalökonomie:
Adam Müller, K. L. von Haller.

Fr. Lenz, Agrarlehre und Agrarpolitik der deutschen Romantik. Berlin 1912.

In Deutschland hat der extreme Smithianismus nur bei ver-
hältnismäßig Wenigen vollen Anklang gefunden und ist vor allem
auf deutschen Kathedern niemals unkritisch vertreten worden. Viel-
mehr sind früh bedeutende Theoretiker und Staatsmänner demselben
entgegengetreten. Der geistvollste unter ihnen war Adam Müller,
apäter Ritter von Nittendorf. 1779 in Berlin geboren, hat er