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statten wollen. Daß Haller bei dem geringen Verständnis für
die neue Zeit keinen tiefen Eindruck machen konnte, liegt auf
der Hand.

$ 104.
c) Friedrich List.
Lowis Katzenstein, Fr. List, Berlin 1896.

Ludw. Häusser in der Vorrede zur Gesamtausgabe von Lists Werken.
Tübingen 1850.

K. Th. Eheberg, Histor,-krit. Einl. z. 7. Aufl. Fr. Lists Nationales System der
polit., Oekonomie, Stuttgart 1883,

Sammlung sozialwissenschaftlicher Meister, herausg. von Prof. Dr. Waentig.
Fr. List, Das nationale System der polit. Oekonomie. Jena 1905. Köhler, Pro-
blematisches zu Fr. List. Leipzig 1909.

Stellung zu
A. Smith.

Lebensbild.

Die beiden soeben besprochenen Gegner Smiths standen zu
sehr auf veraltetem Standpunkte, um positiv einen Fortschritt in
unserer Wissenschaft zu erzielen und anders als durch ihre Kritik
zu wirken. Ganz anders steht der jetzt zu betrachtende Mann da,
der mit klarem, praktischem Blick die neuere Zeit richtig erfaßt und
zugleich die Einseitigkeit des Smithianismus erkannt hat. Er wollte
nicht das moderne Zeitalter zürückschrauben, sondern trat begeistert
für dasselbe ein und untersuchte, wie die modernen Förderungs-
mittel am besten zu verwerten seien. Auch er trat dem Smith-
schen Kosmopolitismus entgegen und verlangte den Ausbau der ein-
zelnen Nationen zu selbständigen Organismen mit eigener Geschichte
und besonderer Eigentümlichkeit. Daher hat man das von ihm auf-
gestellte System das „nationale“ genannt. Er sah aber in dem Staat
nicht wie Ad. Müller den Selbstzweck, sondern nur das Mittel, um
dem Einzelnen gerecht zu werden. Er entfernte sich damit nicht
von Ad. Smith, wurde aber dadurch sein Gegner, daß er dem
Staate ganz andere wirtschaftliche Aufgaben stellte. Hatte Smith
den Wohlstand hauptsächlich in den Befriedigungsmitteln gesehen,
so List in den Produktionskräften des Landes, die allseitig zu ent-
falten und in ihrer nachhaltigen Leistungsfähigkeit zu erhalten, die
Aufgabe des Staates sei, welche die Einzelnen nicht genügend durch-
zuführen vermöchten, Auch er erkennt, daß die Smithsche Lehre
hauptsächlich für englische Verhältnisse geschaffen und aus Beob-
achtungen auf englischem Boden erwachsen ist, aber er sieht sie
auch für verwertbar an, um zu beurteilen, wie die Volkswirtschaft
des Kontinents entwickelt werden müsse, um der englischen Supre-
matie entgegenzuwirken. Zugleich vermochte er seine ganzen Lehren
in ein geschlossenes System zu bringen, das nicht frei von Einseitig-
keiten ist, aber bis auf die Gegenwart hin in der Hauptsache seine
Bedeutung bewahrt hat.

Es ist nun von besonderem Interesse, zu verfolgen, wie er auf
rein empirischem Wege und als Autodidakt zu seinen Anschauungen
gekommen ist, und man muß seine Persönlichkeit und seinen Lebens-
gang genau kennen, um seinen Schriften gerecht zu werden. Wir
treten deshalb der Schilderung seiner Persönlichkeit etwas näher.
Fr. List wurde am 16. August 1789 in der damaligen freien Reichs-
stadt Reutlingen in Württemberg als Sohn eines Handwerkers ge-
boren. Bis zum 14. Jahre besuchte er die lateinische Schule seiner