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und dann die Verallgemeinerung der Eisenbahnen, die das Land am
besten erschließen und befruchten.

Mit diesen Lehren ist der Smithianismus für alle Zeiten aus dem
Felde geschlagen und ein endgültiger Fortschritt in unserer Wissen-
schaft erzielt.

$ 105.
Das Wesen des Sozialismus, Kommunismus und
Anarchismus.
Schäffle, Quintessenz des Sozialismus. Gotha 1875, 14. Aufl. 1906.

&. Cohn, Was ist Sozialismus? Berlin 1885,

Art. „Socialisme“ im „Nouveau Dietionnaire de l’&conomie politique“, Bd. IL,
Paris 1892,

Rud. Stammler, Die Theorie des Anarchismus. Leipzig 1898,

Eitzbacher, Der Anarchismus. Berlin 1900.

a Menger, Das Recht auf den vollen Arbeitsertrag. 4. Aufl, Stutt-
zart 1910.
sach K, Diehl, Ueber Sozialismus, Kommunismus u. Anarchismus. 2. Aufl. Jena 1911.

In den letzten Paragraphen haben wir die Schriftsteller be-
sprochen, welche Gegner der Adam Smithschen Lehre waren, sich
aber voll und ganz auf den Boden des modernen Staats und der
modernen Gesellschaftsorganisation stellten und mit den Mitteln, die
diese an die Hand geben, die vorliegenden Verhältnisse zu bessern
trachteten. Wir haben nun dagegen einer Richtung näher zu treten,
die nicht wie die bisherigen reformierend, sondern revolutionierend
vorgehen will, oder eine völlige Revolutionierung der gegenwärtigen
Zustände als sich von selbst vollziehend annimmt. Sie sieht die
gegenwärtige Organisation von Staat und Gesellschaft als unhaltbar
an, weil dem Gerechtigkeitsgefühl nicht entsprechend, gleichviel ob
angenommen wird, daß die gegenwärtige Ordnung willkürlich durch
die herrschende Klasse zu ihren Gunsten so gestaltet ist oder sich
naturnotwendig im Laufe der Zeit historisch so entwickelt hat. In
dem ersteren Fall wird dann konsequenterweise die Beseitigung der
Klassenherrschaft durch die große, bisher benachteiligte Masse der
Bevölkerung angestrebt, in dem letzteren wird die Umgestaltung von
der weiteren Entwicklung von selbst mit Bestimmtheit erwartet, Es
ist, klar, daß dabei außerordentlich viele Abstufungen in der Anuf-
fassung möglich und daher auch bei den Schriftstellern zu finden
sind. Man hat dieselben in drei Gruppen geteilt, die soziali-
stische, die kommunistische und die anarchistische.
Ueber die Begriffsbestimmung herrschen aber noch die größten
Meinungsverschiedenheiten, ja man muß sagen, es herrscht darüber
noch die größte Verwirrung. Wir werden uns deshalb zunächst mil
der Begriffsbestimmung zu beschäftigen haben.

‚Das Wort Sozialismus kommt bekanntlich von dem lateinischen
Socius — Genosse, socialis — genossenschaftlich her. Die Ueber-
tragung in die modernen Sprachen fand in den dreißiger Jahren statt,
wo in England ein Teil der Anhänger Robert Owens den Namen
„Socialism“ für ihre Lehre akzeptierten (Grün berg Art. „Sozialismus“
im W. d. V.), und etwas später erklärte Pierre Leroux, man
müsse dem modernen Individualismus den Sozialismus gegenüber-
stellen. Louis Reybaud akzeptierte den Ausdruck 1840 in seiner
Schrift: „Etudes sur les reformateurs ou socialistes modernes“.

Sozialiamus