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rungswesens ist dort ein Sozialist. Dadurch ist viel Verwirrung
herbeigeführt, und Leute, die jene Länder nicht aus eigener An-
schauung kennen, lassen sich daher durch Schriften, namentlich
Zeitungen verleiten, dort eine so große Verbreitung sozialistischer
Ideen anzunehmen, wie sie tatsächlich nicht existiert. Nach unserem
Sprachgebrauche, der hier durchaus korrekt ist, wird erst der als
Sozialist anzusehen sein, welcher das Kollektiveigentum als die
Regel, Privateigentum nur als Ausnahme verlangt, während der,
welcher eine Erweiterung des Staats- und Gemeindebesitzes verlangt,
soweit derselbe nur eine Ausnahme bleibt, um bestimmte Zwecke
besser erreichen zu können, den individualistischen Boden nicht ver-
läßt; sonst kommt man eben dazu, Jeden als Sozialisten zu be-
zeichnen und ihn eventuell damit zu diskreditieren, der irgendeine
Veränderung unseres KErbrechts oder unserer Besitzverhältnisse
anstrebt.

Hier sind wir aber bereits zu dem Punkte gelangt, wo wir den Kommunismus
Ausdruck „Kommunismus“ von dem des „Sozialismus“ scheiden müssen,
denn wir können in keiner Weise die Behauptung Georg Adlers
AH. W. d. St.) und Grünbergs (Wörterb. der Volkswirtschaft) als
eichtig anerkennen, daß in dem gegenwärtigen Sprachgebrauch beide
Ausdrücke als völlig gleichbedeutend angenommen werden, wenn auch
zuzugeben ist, daß früher eine solche Scheidung gewöhnlich nicht ge-
macht wurde. Niemand bezeichnet heutigen Tages M arx, Lassalle
usw. mehr als Kommunisten; jeder nennt sie dagegen Sozialisten,
Eisenhart hält allerdings die Ausdrücke nicht genügend aus-
einander. Mit vollem Rechte spricht R. Stammler von einer kom-
munistischen Richtung im Anarchismus, während ein sozialistischer
Anarchismus ein Unsinn ist. Der Sozialismus setzt einen fest or-
ganisierten Staat voraus, der Anarchismus dagegen negiert denselben.
Kommunismus aber kann ohne staatliche Regelung bestehen. Es
muß deshalb hier ein ganz bestimmter Unterschied vorliegen, und er
scheint uns nicht schwer zu finden. Kommunismus ist nichts anderes
als Gütergemeinschaft; eine Gesellschaft, in der völlige Gütergemein-
schaft herrscht, ist eine kommunistische. Die Gütergemeinschaft kann
aber eine vollständige oder eine unvollständige sein. Sie kann sich
auf bestimmte Güterkategorien beschränken. HEin sozialistischer Staat
kann Kommunismus an den Produktionsgütern durchführen, wie das
allerdings erstrebt wird. Es kann andererseits bekanntlich kom-
munistischer Gemeindebesitz bestehen, während daneben beschränktes
Staatseigentum und ausgedehntes Privateigentum die Grundlage in
der Eigentumsverteilung bildet und daher von einem sozialistischen
Staate gar nicht die Rede ist. Der neuere sogenannte wissenschaft-
liche Sozialismus erstrebt nur Verstaatlichung der Produktionsmittel,
nicht aber der Konsumtionsmittel. Wenn aber auch die letzteren
zur Kollektivierung gezogen werden, so bildet sich allerdings ein
vollständiger Kommunismus aus, der also das äußerste Extrem des
Sozialismus nach dieser einen Richtung ausmacht. .

Es scheint uns aber nicht die Behandlung des Eigentums allein Vergesellschat
als Maßstab für die Anwendbarkeit des Begriffes Sozialismus ange- "schaftlichen
sehen werden zu können. Ganz allgemein tritt in der sozialistischen Betriebes,
Richtung das Streben hervor, den privatwirtschaftlichen Betrieb
äurch den staatlichen oder gesellschaftlichen zu ersetzen, um die
freie Konkurrenz einzuschränken oder zu beseitigen. Die Art der