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selben harmonischen Gesetzen untergeordnet. Die Harmonie aber ist
dem Menschen verloren gegangen; sie muß ihm wieder verschafft
werden; das wird nur möglich sein, wenn man den Menschen Be-
friedigung gewährt. Die Naturtriebe im Menschen sind ihm von Gott
beigelegt, sie müssen deshalb als gut und berechtigt anerkannt werden.
Das Christentum verkannte dies, versagte dem Menschen die natür-
liche Befriedigung seiner Bedürfnisse und verwies ihn mit seinem
Streben nach Glück auf das Jenseits. Dadurch mußte die Harmonie
gestört werden. Alles Böse entsteht aus der Nichtbefriedigung, die
gegen die Harmonie der Natur ist. Fourier erstrebte daher eine
Organisation der Gesellschaft, die auf den Genuß basiert ist. Er
sucht eine materielle Ordnung herzustellen, in der „die Harmonie
der Leidenschaften zur Basis der Arbeit gemacht wird“. Jeder solle
Gelegenheit haben und darauf hingeleitet werden, nur das zu tun
and die Tätigkeit zu übernehmen, die ihm besonders Freude macht,
am die Arbeit selbst zum Genusse zu machen. Der Fleiß ergäbe sich
dann von selbst; zu Verbrechen sei kein Anlaß, die Produktivität
könne damit auf das höchste gesteigert werden. Er hofft dieses zu
erreichen durch die Organisation eines Staatswesens nach der Art
der Utopie des Thomas Morus. Die Gesamtheit soll in Gemeinden
von 1500—2000 Personen auf einem Terrain von je einer französischen
Quadratmeile geteilt werden (Phalanges), sie wohnen in Kasernen
‚Phalansteres) und gruppieren sich in freien Serien zur landwirt-
schaftlichen und gewerblichen Produktion. Das nötige Kapital wird
durch Aktien zusammengebracht; Grund und Boden, Werkzeuge usw.
sind Gemeineigentum. Der Arbeitsertrag wird zu ”,, als Kapitals-
dividende, zu */,, als Arbeits-, zu %,, als Talentanteil zur Verteilung
gebracht; die Konsumtion ist infolgedessen keineswegs eine gleiche.
Der Betrieb ist als Großbetrieb gedacht, weil dadurch ein größerer
Erfolg erzielt werden kann. Gemeinsame Erziehung der Kinder,
völlige Gleichstellung der Frau mit dem Mann sind die weiteren
praktischen Konsequenzen. Seine Hauptschriften sind „Theorie des
quatre mouyements“ 1808, „Traite de Vassociation domestiaue agri-
sole“ 1822,

Auch Fourier bedurfte eines Helfers zur klareren Ausführung
and Ergänzung seiner Anschauungen. Er fand ihn in Victor
Considerant, in dessen Schrift „Destinee sociale“, 3 Bde,, Paris
1836 und 1838, die Fourierschen Lehren in klarster Form zur
Darstellung gelängt sind. Er suchte außerdem das Phalangensystem in
Texas von 1854—1863 zur praktischen Verwirklichung zu bringen,
hatte damit aber ebensowenig Erfolg wie eine Anzahl ähnlicher Ver-
suche in Frankreich. Algier und noeh an einigen Stellen Amerikas.

Praktische
Vorschläree.

ae

F Considerant

$ 110.
RPaoahert Owen
Lioyd Jones, The life, times and labours of Robert Owen. London 1891,
„Owen, The life of Robert Owen written by himself, with selection from his
writings and correspondence, vol. I und Ia. London 1857/58.
Helene Simon, Rob. Owen. Jena 1905. ;
M, Beer, Geschichte des Sozialismus in England. Stuttgart 1913.
Den Lehren Fouriers in vieler Hinsicht ähnlich sind die des
Engländers Robert Owen, nur frei von den Phantastereien des

Leben und
Schriften.