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tlonsmittel war, ist von Liebknecht auf dem sozialdemokratischen
Kongreß in Erfurt ausdrücklich als unhaltbar anerkannt.

8 113.
Der sogenannte wissenschaftliche Sozialismus.
Rodbertus-Jagetzow.
Kozak, Rodbertus-Jagetzows sozialökonomische Ansichten. Jena 1882.
LERG BE, Karl Rodbertus, Darstellung seines Lebens und seiner Lehre. Jena
8

„eben und
Rchriften.

Sehr allgemein wird von den nun zu besprechenden Männern eine
neue Phase der Entwicklung des Sozialismus datiert in der Annahme,
daß es sich bei ihnen zuerst um eine systematische, wissenschaftliche
Begründung sozialistischer Anschauungen handle, die sich den übrigen
nationalökonomischen Systemen angemessen zur Seite stellen könne.
Indessen scheint uns dies auf einer Unterschätzung der Vorläufer,
z. B. Fichtes, zu beruhen, andererseits auf einer Ueberschätzung
der Vertreter der neueren Richtung. Auch einem Fichte wird
Wissenschaftlichkeit nicht abzusprechen sein, während man in der
neueren Zeit zum Glück doch immer mehr an der Wissenschaftlich-
keit von Rodbertus und namentlich Marx zu zweifeln und Un-
wissenschaftlichkeit in ihren Ausführungen zu erkennen beginnt.

Karl Johann Rodbertus wurde 1805 in Greifswald als Sohn
eines juristischen Professors geboren, studierte selbst Jura und
widmete sich eine Zeitlang dem Staatsdienste, ging dann auf Reisen
und wirtschaftete seit 1836 bis zu seinem Tode 6. Dez. 1875 auf
dem Pommerschen Gute Jagetzow. Das Vertrauen seiner Mit-
bürger berief ihn in verschiedene Standes- und Provinzialämter, in
denen er Gelegenheit fand, seine Kenntnisse des praktischen Lebens
zu erweitern, so namentlich in seiner Stellung als Generallandschafts-
rat des Pommerschen landwirtschaftlichen Kreditinstituts. Ebenso
wurde er Mitglied des zweiten vereinigten Landtages und dann der
ersten Kammer. Im Jahre 1849 schied er aber gänzlich aus dem
politischen Leben aus und widmete sich bis zu seinem 1875 erfolgten
Tode mit Eifer der schriftstellerischen "Tätigkeit. Unter seinen
Schriften nehmen die erste Stelle ein: „Soziale Briefe an von Kirch-
mann“, die zuerst in Berlin 1850 und 1851 erschienen, in denen er
seine sozialistischen Grundanschauungen niederlegte. Sein umfang-
reichstes Werk ist; „Zur Erklärung und Abhilfe der heutigen Kredit-
not des Grundbesitzes“, Jena 1868/69, worin er seine berühmt ge-
wordene Grundrententheorie aufstellte und ausführlich begründete,
Wiederum nach ganz anderer Richtung gelegen sind seine in den
Jahrbüchern für Nationalökonomie in den Jahrgängen 1864, 1865,
1867, 1870 und 1878 publizierten Untersuchungen über die agrarische
Entwicklung Roms, den Sachwert des Geldes im Altertum und die
Natur der Mediastini, welche seinerzeit auch in philologischen Kreisen
in hohem Maße Beachtung gefunden haben. Wir gehen auf diese
letzteren beiden schriftstellerischen Leistungen hier nicht ein. Seine
Aufstellungen sind neuerdings in erheblichen Punkten modifiziert
worden. Die Rodbertusschen Anschauungen über den landwirtschaft-
lichen Kredit haben wir in dem zweiten Teile des Grundrisses 8 21
näher beleuchtet. Uns interessieren hier nur seine soziologischen