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Ed, Bernstein, Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der
Sozialdemokratie. Stuttgart 1899,

KRud. Stammler, Wirtschaft und Recht nach der materialistischen Geschichts-
auffassung. 3. Aufl. Leipzig 1912.

- TE Hm Die Krisis der Sozialdemokratie. Jahrb. f. Nat.-Oek. 1899,

Hammacher, Das philosophisch-ökonomische System des Marxismus. Leipzig 1909

J. Spargo, Karl Marx’ Leben und Werke, Leipzig 1912.

nr Karl Marx wurde 1818 zu Trier als Sohn eines jüdischen
= Advokaten geboren. Er studierte in Bonn und Berlin Jurisprudenz
und Philosophie und promovierte 1841. Er beabsichtigte anfangs
sich in Bonn zu habilitieren, gab es aber auf, weil er schon damals
eine radikale Richtung eingeschlagen hatte, die mit dieser Stellung
unvereinbar war. Er widmete sich darauf der journalistischen Tätig-
keit und redigierte eine Zeitlang die „Rheinische Zeitung“, aber so
oppositionell, daß dieselbe bald unterdrückt wurde; 1843 ging er
nach Paris, 1845 nach Brüssel. Schon in Paris befreundete er sich
mit Friedrich Engels, mit dem er dann fortan beständig zusammen
gearbeitet hat, und der nach seinem Tode sein Kommentator geworden
ist. Auch aus Belgien ausgewiesen, ging er zunächst wieder nach
Frankreich und siedelte 1849 nach-London über, wo er bis zu seinem
Lebensende 1883 geblieben ist. Sein Hauptwerk ist unter dem
Titel „Das Kapital, Kritik der politischen Oekonomie“ in drei Bänden
in Hamburg erschienen. Der erste Band erschien 1867, der zweite
and dritte sind aus dem Nachlaß 1894 von Engels herausgegeben.
Außerdem nennen wir „Misere de la philosophie, reponse & la philo-
sophie de la misere de M. Proudhon“. Brüssel und Paris 1847, deutsch
2, Auflage Stuttgart 1892.

Marx ist unzweifelhaft durch Begabung, Energie und Dauer der
Wirksamkeit die bedeutendste Persönlichkeit der sozialistischen
Literatur, welche den nachhaltigsten und durchgreifendsten Einfluß
auf die Ideen und die Bewegung der Arbeiterklasse ausgeübt hat.
Die scharfe Denkkraft, mit der er sein System logisch durchgeführt
hat, muß einem Jeden imponieren, hingegen die Gehässigkeit, mit
der er alle Zeitverhältnisse begeifert, die Einseitigkeit, mit der er
die Schattenseiten ausschließlich hervorhebt und durch gewaltige,
Sskrupellose Uebertreibungen zugunsten seiner Auffassung verschiebt,
um nicht zu sagen karrikiert, die Willkür, mit der er Behauptungen
aufstellt, ohne sie zu begründen, aber durch die Sicherheit des Auf-
tretens dem Leser zu suggerieren weiß, machten ihn zu dem gefähr-
lichsten Agitator seiner Zeit, der namentlich in Deutschland in der
wissenschaftlichen Diskussion eine weit größere Rolle gespielt hat.
als er es verdient.

Sein Hauptverdienst liegt, wie in der ganzen sozialistischen Lite-
ratur, in dem scharfen Hinweis auf die Schäden der Zeit und in der
Kritik der nationalökonomischen Lehren. Als dauernde Errungen-
schaft für die Nationalökonomie wird schließlich von ihm wenig übrig
bleiben, und man wird ihn mehr und mehr hinter Rodbertus zurück-
stellen. In dem sozialistischen Lager selbst hat man bereits begonnen,
ihm mit Kritik entgegenzutreten und erhebliche Stücke seiner Lehre
abzubröckeln. Die erste philosophische Schulung gewann er durch
Hegel, dessen Einfluß er niemals ganz zu verleugnen vermocht hat.
Die Männer, die ihn in die sozialistische Richtung leiteten, waren
Feuerbach und Proudhon, von denen er sich allerdings im