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Industrielle
TeEservVeAarmMeEE.

Gegensatzes zwischen‘ beherrschten und herrschenden Klassen zum
Durchbruch kommt, der zu einem intensiven Klassenkampfe führt,
als Grundlage für eine allmähliche höhere Entwicklung.

Die Aufgabe, die er sich hauptsächlich gestellt hatte, ist nun, die
Entwicklungsgesetze zu finden, nach denen die Geschichte sich bisher
vollzogen hat, und die Anhalte, welche sich zur Beurteilung der
Weiterentwicklung bieten, wenn er selbst sich auch mit der Zukunft
verhältnismäßig wenig beschäftigt. Er stellt es aber als möglich hin,
laß, wie in der Urzeit ein Klassenkampf nicht vorhanden gewesen
ist, er auf der höchsten Stufe wieder beseitigt werden kann. Und
einer solchen Epoche dränge unsere Zeit entgegen, die zu unhaltbaren
Zuständen geführt habe. Die Klassengegensätze seien durch die
Ausbildung des Privateigentums herbeigeführt, welches die Menschheit
in Besitzende und Besitzlose scheide, wobei die letzteren durch die
ersteren ausgebeutet würden. In dem Mittelalter sei allerdings bei
allgemeinem Kleinbetriebe sowohl der Bauern wie der Handwerker die
Ausbeutung noch eine geringe gewesen, da der Besitz unbedeutend,
lie Produktion hauptsächlich auf die Befriedigung der eigenen Be-
dürfnisse gerichtet war; erst als unter Ausbildung der Arbeitsteilung die
Produktion mehr kapitalistischen Charakter annahm, änderte sich
lieses. Durch. die mannigfaltigen Erfindungen werden immer mehr
Maschinen zu Hilfe gezogen, welche die Arbeiter teils verdrängen,
teils in eine gedrücktere Lage herabsetzen, indem sie in einzelnen
großen Unternehmungen zusammengedrängt und von einzelnen Unter-
aehmern abhängig werden. An die Stelle der selbständigen Hand-
werker treten die Maschinenarbeiter. „Wenn die Einführung und
Vermehrung der Maschinerie Verdrängung von Millionen von Hand-
arbeitern durch wenige Maschinenarbeiter bedeutet, so bedeutet Ver-
besserung der Maschinerie Verdrängung von mehr und mehr Maschinen-
arbeitern selbst, und in letzter Instanz Erzeugung einer das durch-
schnittliche Beschäftigungsbedürfnis des Kapitals überschreitenden
Anzahl disponibler Lohuarbeiter, einer vollständigen industriellen
Reservearmee.“

Gestalten sich die Verhältnisse auch günstiger, mehrt sich die
Nachfrage nach Arbeitskräften, so kommt dieses der Gesamtheit der
Arbeiter nicht zugute, weil die Reservearmee ihre Kräfte zur Verfügung
stellt und dadurch die Löhne so niedrig erhält, als sie zur Fristung
des Lebens notwendig sind. Auf der anderen Seite ermöglicht es
der Großbetrieb mit Maschinen, fortdauernd die Produktion über den
Bedarf hinaus zu forcieren, und da der einzelne Unternehmer arbeitet,
ohne die Gesamtproduktion und den Gesamtbedarf zu übersehen, eine
jede Organisation fehlt, und nur ein wüster Konkurrenzkampf herrscht,
in dem Jeder durch möglichst billige und massenhafte Produktion
Gewinn zu erzielen trachtet, so kehren fortdauernd Absatzstockungen,
wirtschaftliche Krisen wieder, welche periodisch das Elend der Arbeiter
noch erheblich vergrößern. Hierfür ist nicht der Einzelne verant-
wortlich zu machen, auch nicht der Staat, es vollzieht sich dieses
mit Notwendigkeit, solange die gegenwärtige freie Konkurrenz und
der Kapitalismus herrschen. Bei Betrachtung der Lage der Arbeiter-
klasse stützt er sich auf die Ergebnisse der parlamentarischen En-
quete Anfang der dreißiger Jahre in England, die allerdings sehr
traurige, aber auch exzeptionelle Verhältnisse darstellen, wie sie schon
in den siebziger Jahren dort nicht mehr zu finden waren.