die in einer solchen Weise auch Ricardo ferngelegen hat. Auf
diese Behauptung aber stützt sich die Auffassung vom Mehrwert
und von der Profitrate, von der Ausbeutung des Arbeiters und der
ungerechten Bereicherung des Unternehmers. Akzeptiert man die
Marxsche Werttheorie nicht, so fällt das ganze sozialistische Karten-
haus in sich zusammen; und zu der Annahme derselben liegt, wie
wir nachzuweisen suchten, eine Veranlassung absolut nicht vor.
$ 115.
Die Revisionisten und Bodenreformer.
Unter den Sozialisten ist schon viele Kritik an der Marxschen
Lehre geübt und eine Revision des Sozialismus verlangt. So verwarf
Schönlank die Ansicht einer zunehmenden Verelendung, Schippel
trat zum Schutze der Bauern für Vieh- und Fleischzölle ein. Dr. David
(Der Sozialismus und die Landwirtschaft) und Arthur Schulz
(Oekonomische und politische Entwicklungstendenzen in Deutschland)
erklärten die bäuerliche Wirtschaft nicht nur für existenzfähig, sondern
auch in mancher Hinsicht dem Gutsbetrieb überlegen, also keineswegs
auf dem Aussterbeetat stehend. Die sich mit außerordentlichem Kır-
folg entwickelnden „freien Gewerkschaften“, geleitet von Ad. von Elm,
vertreten von Legien, Kaufmann und anderen, treten der einseitig
politisch tätigen Partei gegenüber, indem sie hauptsächlich die Hebung
der materiellen Lage der Arbeiter ins Auge fassen und die genossen-
schaftliche Organisation in Konsumvereinen, Produktivassoziationen
usw. zu fördern trachten, während die Parteileiter fürchten, daß da-
durch das Interesse für die politische Bewegung abgeschwächt werden
könnte und Geldrücksichten in den Vordergrund treten würden. Die
Bewegung hat aber unzweifelhaft Eduard Bernstein in Gang
gebracht durch seine oben erwähnte Schrift: die Voraussetzungen des
Sozialismus, Dem Verf. ist ein längerer Aufenthalt in England zugute
gekommen, wonach er die dort gewonnenen Eindrücke mit den
deutschen vergleichen konnte. Er wendet sich zunächst gegen die
materialistische Geschichtsauffassung, indem er der Arbeiterschaft
bestimmte Ziele und zwar im Interesse der Gesamtheit und aus
Gerechtigkeitsrücksichten also in idealer Weise aufweist. Er steht der
Grenznutzentheorie näher als der Marxschen Wertlehre und verwirft
ferner die Verelendungstheorie und die Behauptung eines Verschwindens
des Mittelstandes und der wachsenden Konzentrierung des Kapitals
in wenigen Händen, unter anderen mit dem Hinweis auf die ständig
zunehmende Bedeutung der Aktiengesellschaften, bei denen trotz der
Vereinigung gewaltiger Kapitalien in einzelnen Unternehmungen der
Ertrag sich sehr verteilt. Im Gegensatz zu Marx sieht er in der
neueren Zeit die wirtschaftlichen Krisen sich nicht verschärfen, sondern
mildern und erkennt an, daß die Kartelle mit dazu beitragen, da sie
einer Ueberproduktion entgegenarbeiten. Als das Ziel der sozialisti-
schen Bewegung bezeichnet er die Herstellung einer genossenschaft-
lichen Gesellschaftsordnung, während er die Verstaatlichung der Be-
triebe als undurchführbar und verkehrt ansieht und die Kommuna-
lisierung nur in beschränktem Maße als zulässig annimmt. Bern-
stein ist Demokrat und Sozialreformer und dabei Ideologe. Seine
Ausführungen haben durchaus. wissenschaftlichen Charakter.

Zu beachten ist noch Anton Menger., ein angesehener Professor Anton Menger.

Revisionisten.