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J1auntlehren.

Dann wurde er Literat und suchte sich allmählich eine höhere, nament-
lich philosophische Bildung zu verschaffen. 1840 erschien, veranlaßt
durch eine Preisaufgabe der Akademie seiner Vaterstadt, seine erste
Schrift „Qu’'est-ce que la propriete&? Recherches sur le principe du
droit et du gouvernement“, worin er das Privateigentum bekämpfte
und den berühmten Satz aufstellte „La propriete c’est le vol“. 1846
erschien sein Hauptwerk „Systeme des contradictions 6conomiques“,
Aus der großen Zahl der späteren Schriften, in denen er zum Teil
nicht unbedeutende Modifikationen seiner früheren Ausführungen ein-
treten läßt, erwähnen wir nur „Idees generales de la Revolution“,
1852, worin er besonders seine anarchistischen. Anschauungen ausein-
andersetzt; und das 1852 erschienene Werk „Du prineipe federatif“,
worin er wieder von den vorliegenden Verhältnissen ausgeht und
Reformvorschläge macht. Im Jahre 1848 wurde Proudhon in die
Nationalversammlung gewählt, hatte aber in seiner parlamentarischen
Tätigkeit nur außerordentlich wenig Erfolg. 1849 gelang es ihm, mit
Hilfe seiner Anhänger eine Volksbank einzurichten, in welcher er durch
Naturaltausch und Anweisung auf Waren das Geld zu ersetzen suchte.
Da er aber nach kurzer Zeit ins Gefängnis wandern und damit die
Leitung aufgeben mußte, ging sie nach zwei Monaten wieder ein,
nachdem die Vorbereitungen der Geschäftstätigkeit kaum beendet
waren. Er starb in Paris 1865.

Auch Proudhon geht davon aus, daß Werte nur durch Arbeit
erzeugt werden können, und der Wert der Dinge sich allein nach der
aufgewendeten Arbeit richtet. Er greift die bisherigen nationalöko-
nomischen Lehren an, weil sie diesen Grundsatz nicht genügend ver-
wertet und auf der anderen Seite den Gegensatz zwischen Gebrauchs-
und Tauschwert nicht beachtet haben, indem sich überall herausstellt,
daß die Entwicklung der Gesellschaft und ihres Wohlstandes auf einer
fortdauernden Ermäßigung der Herstellungskosten beruht, während
auf der anderen Seite die erzielten Produkte eine wachsende Be-
deutung in dem menschlichen Leben gewinnen. In dem Zustande
wirtschaftlicher Freiheit sei in der Hauptsache die Seltenheit ent-
scheidend für den Wert, das heißt, der Wert richte sich nach dem
Verhältnis von Angebot und Nachfrage, nicht aber, wie es das Natürliche
sei, nach dem Aufwand von Arbeit. Hierdurch würden alle Uebel her-
beigeführt, die durch Arbeitsteilung, Anwendung von Maschinen zu Un-
gunsten des Arbeiters verschärft würden. Die Hauptursache allen
Uebels sieht er im Gelde und im Zinse, welche den natürlichen Aus-
tausch und Darlehensverkehr stören, einem Teile der Bevölkerung das
Uebergewicht verschaffen und auf Kosten des anderen zu Reichtum
verhelfen. Dazu kommt das Geldlohnsystem, durch welches der Ar-
beiter mit zu geringem Betrage abgefunden werde, was wieder den
Unternehmer schädige durch die Verminderung der Kaufkraft der
Arbeiter. Er suchte deshalb, wie erwähnt, durch die Einrichtung einer
Tausch- oder Volksbank unter Beseitigung des Geldes und Zinses die
natürliche Zirkulation wieder herzustellen. Jedem Produzenten sollte
offenstehen, seine Produkte gegen Tauschbons einzutauschen, z. B.
ein Schuster liefert Stiefel und erhält dafür einen Tauschbon im Be-
trage des Preises der Stiefel; für diesen Tauschbon kann er in der
Bank irgendwelchen anderen Gegenstand im selben Preise erhalten.
Bei der Festsetzung der Preise sollen die Produzenten gegenseitig
die auf die Waren verwendete Arbeitszeit und die Auslagen in ÄAn-