10 Einleitung. Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Litteratur und Methode. Rechnen und Buchführen, die Vergleichung des Aufwandes mit dem Erfolg in Geldwerten, die Aufzeichnung jeder Ausgabe und jeder Einnahme ist nötig, wo sie sich einstellen und ausbilden soll. Die sittliche Zucht, welche das Leben als ein geordnetes Ganzes auf— faßt, niemals aus dem Stegreif, nach Launen handelt, unverhältnismäßigen Genüssen nach— geht, den Versuchungen der Verschwendung, der Putzsucht, der Eitelkeit widersteht, ist für die Ausbildung dieses wirtschaftlichen Sinnes das Wichtigfte. Er ist die wirtschaftliche Tugend der großen Masse des Volkes, vor allem des Mitlelstandes. Daß die Wirtschaft- lichkteit in den untersten Klassen noch so vielfach fehlt, ist ein wichtiger Umstand für ihre wirtschaftliche Lage. Die Frauen müsfen sie vor allem haben, weil, mit haushälterischem Sinne ausgegeben, der Thaler doppelt und dreifach so weit reicht. Mit dem Erwerbs— triebe verwandt, fällt sie doch nicht ganz mit ihm zusammen, noch ist sie nur eine Folge desselben. Taufende, die gar keinen Erwerbssinn haben, zeichnen sich durch große Wirl— schaftlichkeit aus. Der Erwerbstrieb ist mehr die Eigenschaft einzelner, die Wirtschaft— lichkeit ist oder sollte die aller sein. Die Wirtschaftlichkeit schließt den Fleiß, die Ordnungsliebe, die Geduld, die Be— harrlichkeit, vor allem aber die Sparsamkeit ein. Die Sparsamkeit beginnt in der Haushaltung, im Verbrauch; sie ist dem Wilden fremd; er ist immer der größte Verschwender, der den Baum fällt, um eine einzige Frucht zu ergreifen, der an einem Tag verzehrt und verjubelt, was ihn wochenlang ernähren könnte. Die Erziehung zur Mäßigung, die steigende Herrschaft höherer Gefühle uüͤber die niedrigen, der Sieg der Vorstellungen über künftige Genüsse und Erfolge über die des Momentes sind not— wendig, damit die Sparsamkeit beginne. Alle Sparsamkeit ist momentane Selbst— verleugnung. Wer sie üben soll, muß die Aussicht auf einen künftigen Vorteil haben. Dieser künstige Vorteil erscheint fraglich, wenn das ersparte Gut durch Willkürherrschaft oder Gewalt bedroht ist, wenn es dem Sparenden keine anderen Freuden bringt, als sie der nicht Sparende ebenfalls genießt, wenn ersparte Vorräte, z. B. solche von Lebens— mitteln, doch rasch verderben. Die Geldwirtschaft ist daher eines der wichtigsten Beförderungs— mittel der Sparsamkeit; die Freude, einen Schatz an Geldstücken zu sammeln, wird baäld ein Beweggrund für viele; solche Schätze sind am leichtesten zu verbergen, sie behalten für Jahre und Jahrzehnte ihren Wert. Es kann nun auch der sparen, der das Er— sparte nicht in seinem Hause, im vergrößerten Viehstand, in Geräten und Linnenzeug anlegen kann. Noch wichtiger aber war die Ausbildung der Kreditwirtschaft, haupt sächlich derjenigen Formen des Kapitalanlegens und Zinsengebens, welche dem kleinen Mann zugänglich sind, wie die Einrichtung der Sparkassen, Genossenschaften, der Ver— sicherungskaffen, der Baugesellschaften. Wo derartige Institutionen zumal in Ländern mit vollständiger Rechtssicherheit allgemein werden, da kann erst die Sparsamkeit aus einer Tugend der höheren Klassen eine allgemeine Eigenschaft werden. Immer aber muß sie wieder jedem einzelnen Kinde anerzogen werden, immer arbeiten Leichtsinn, Gedanken— losigkeit, Genußsucht ihr entgegen. In dem Alter von 16—80 Jahren, wo unverheiratete Arbeiter am meisten sparen könnten, oft doppelt soviel verdienen, wie sie brauchen, geben sie für Getränke und Feste, für Kleider und andere Genüsse allzuviel aus. Auch später unterliegen sie zu leicht der Versuchung unnützer Ausgaben, wenn sie nicht von einer tüchtigen Hausfrau beeinflußt werden, wenn ihre Lohnzahlung zu Stunden und an Orten erfolgt, welche Gelegenheit zu unnötigen Ausgaben bieten. Die Sparsamkeit wächst mit der Wirtschaftlichkeit, mit dem guten Familienleben, mit dem Sinn für Besitz, für Sicherung der Zukunft, mit dem Wunsch des gesellschaft— lichen Aufsteigens; sie ist vor allem aber ein Ergebnis sittlicher Energie und Spannkraft und intellektueller Weitsichtigkeit. Wie die Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit, der Fleiß und die Arbeitsamkeit mit dem Erwerbstriebe zusammenhängen, ohne sich mit ihm zu decken, ohne eine bloße Folge desselben zu sein, so verhält es sich auch ähnlich mit dem Handels- und Unten, nehmungsgeist, auf den wir zuletzt einen Blick werfen. Er entspringt mit den Möglichkeiten des Tausch- und Handelsgewinnes, nimmt in dem Maße zu, wie in bestimmten Klassen infolge der Arbeitsteilung und des Markt—