Die niedersten Rassen, die Neger. — 149 Der Intellekt solcher Menschen ist bedingt durch die engen Grenzen ihrer Beob— achtung; sie fafsen das Nächste lebendig und gut auf, haben Augen und Ohren von anglaublicher Schärfe; ihre Anschauungen sind stark und haften fest; Leute, welche nicht ünf zählen können, bemerken unter einer großen Herde Rindvieh jedes fehlende Ochsfen— gesicht. Aber alle Beobachtung ist auf das Sinnliche eingeschränkt; allgemeine Thatsachen fassen sie nicht; allgemeinere Ideen wie Ursache und Wirkung begreifen sie nur dunkel; das Gleichförmige im Vielfältigen können sie nicht fassen, mit schlechten Zeitmaßen aus— gestattet, Entferntes nicht klar voraussehen; mangelnder Unterscheidungssinn läßt sie stützliches und Unnützliches oft nicht richtig erfassen. Erinnerung, Scharfsinn, Auf— 'assung haben sie für Anekdoten und Fabeln, aber nicht für das Wesentliche der Dinge. Bei großer Fähigkeit nachzuahmen, fehlt ihnen jede produktive Einbildungskraft, daher sie Jahrtausende hindurch mit denselben Werkzeugen arbeiten, dieselben Hütten bauen. Jedes fragende Gespräch, wie jedes Nachdenken ermüdet sie. Die pfychologischen und religiösen Vorstellungen der niedrigsten Rassen hängen nit der geringen Fähigkeit, Lebloses vom Belebten, Wachen vom Traum, Leben vom Tod zu unterscheiden, zusammen. Die Seele erscheint als ein Schatten, der den Körper zeitweise verlasse, in ihn zurückkehre, sich aber auch, besonders nach dem Tode, anderswo festsetzen könne. Im einzelnen weichen nun die verschiedenen niederen Rafssen von diesem Durch— ischnittsbild mannigfach ab. Der Malaye ist ernst, bedachtsam, verschlossen, während der Papug heiter, geschwätzig und ausgelafssen erscheint. Manche der Naturvölker zeigen schon eine erhebliche Entwickelung über einen derartigen Zustand hinaus. Die Malayo— Polynesier haben Handel und Eigentum, sie besitzen Häuptlinge, deren Gewalt auf Krast und Kunst der Rede beruht; sie haben höhere religiöse Vorstellungen, feiern in diedern und Sagen ihre großen Männer. Höher als alle anderen Naturvölker stehen einzelne der nordamerikanischen Indianerstämme, die ja auch zu einer nicht unerheblichen Gesittung gelangt sind. Sie haben es zu einem erstaunlichen Maß sittlicher Selbst— beherrschung durch kriegerische Zucht gebracht, so daß sie alle Todesqualen und Martern mit Hohnlächeln ertragen, ohne Streben nach individuellem Besitz ihre ganze Kraft in den Dienst des Stammes oder der Stammesbündnisse stellen. 62. Ethnographische Einzelbeschreibung: die Neger und ver— wandten Stämme. Die Negerstämme Afrikas, die ihr Centrum im Sudan und in den Bantustämmen haben, nach Nordosten mit hamitisch-semitischen Elementen gemischt sind, von daher auch die Elemente eines höheren Wirtschaftslebens erhalten haben, wurden früher vielfach unterschätzt. Es ist eine Rasse, die allein neben den höherstehenden es zu einer Bevölkerung von gegen 200 Millionen in Afrika, 20 Millionen in Amerika gebracht hat, die fast durchgängig zu einem leidlich geordneten Bodenbau und Hirten— leben gekommen ist. Es fehlt ihnen der Sinn für das Ideale wie für die Wahrheit, sie sind arm an eigener Erfindung; aber es sind Stämme mit starken Muskeln, naiv iinnlicher, kräftiger Empfindung; große Gutmütigkeit und natürliche Sanftmut stehen einer ungezügelten Phantasie und Roheit gegenüber; eitel, ausgelassen wie die Kinder in ihrer Freude, fressen sie Menschenfleisch und töten in der Leidenschaft ohne Gewissens— bisse; sie sterben vor Heimweh, aber jede Pfeife verführt sie zum Tanz. Der Übergang von der leichtfertigsten Lustigkeit zu düsterer Verzweiflung kommt kaum bei anderen Völkern so vor; umständliche Geschwätzigkeit liebt der Neger über alle Maßen; im Handel ist er zudringlich, unermüdlich, bald schmeichelnd, bald jammernd, besucht Märkte fast mehr der Unterhaltung als des Gewinnes wegen, überlistet den Europäer dabei sehr häufig. Die Kinder lernen leicht bis zum 12. Jahre, haben ein erstaunliches Gedächtnis, mit dem 14. bis 20. Jahrt tritt vollständiger geistiger Stillstand ein. Ihre Trägheit und Sorglosigkeit hat man oft übertrieben; ihre Kornspeicher sprechen für eine gewisse Sorglichkeit; ihre physische Kraft und Gewandtheit ist dem Europäer überlegen; der Neger und jedenfalls die Negerin arbeiten, soweit die Bedürfnisse sie dazu nötigen; niemals freilich aus Freude an der Arbeit. Sie arbeiten auch als freie Leute mit Energie, wenn sie ein lockendes Ziel vor sich sehen, so z. B. die die Unabhängigkeit