50 Erstes Buch. Land, Leute und Technik. liebenden Kaffern als Knechte oder Arbeiter, bis sie so viel verdienen, ein Weib zu kaufen. Sie haben einen siark entwickelten Sinn für Besitz, man könnie sie habgierig nennen; Raubzüge, hauptsfächlich Viehraubzüge, sind im Innern sehr verbreitet. Was die wirtschaftliche Kultur so niederhält, ist die geringe Stetigkeit und Festigkeit aller Verhältnisse, die Unfähigkeit fast aller Neger, mit Ausnahme der Kru, das Wasser zur Schiffahrt, meist auch zum Fischfang zu nützen, der Wege- und Brückenmangel, die Abgeschlossenheit der einzelnen kleinen Stämme untereinander. Zu einer Schrist haben es die Neger nirgends gebracht, den Pflug ersetzt die Hacke, die Drehscheibe ist so unbekannt wie die eigentliche Gerberei, wohl aber ist die Kunst des Eisenschmelzens und die Eisenverarbeitung ziemlich allgemein. Die kriegerischen Stämme unter ihnen sind die mit hamitisch-semitischer Blutmischung, obwohl auch Kaffernstämme, vornehmlich die Zulus und muhamedanische Stämme im Innern es zu einer festen militärischen Organisation gebracht haben. Ihr Familienleben steht fast nirgends mehr auf dem tiefsten Standpunkte; die väterliche Gewalt ist meist stark entwickelt, das Mutterrecht beseitigt. Die Mutterliebe ist eine sehr starke, zahlreiche Kinder sind erwünscht. Zu einem höher entwickelten Staatsleben und einer Baukunst wie die amerikanischen Halb— kulturvölker in Peru und Mexiko hat es kein Negerstamm gebracht. In einem günstigeren Erdteile würde wahrscheinlich ihre gesamte Kultur eine höhere sein; die schwierigsten Anfänge des technischen und socialen Lebens hat diese Rafse immerhin überwunden. 63. Ethnographische Einzelbeschreibung: die Mongolen. Die gelben, schwarzhaarigen, rundköpfigen Menschen der mongoloiden Rasse gehören zu den krästigsten und leistungsfähigsten der ganzen Erde. Von den Finnen, Magyaren und Türken, welch' letztere beide sehr viel arisches Blut in sich aufgenommen haben, reichen sie über die mittelafiatischen Nomadenstämme der Turkmenen, Mongolen und Tibetaner bis zu den alten Halbkulturvölkern der Chinesen und Japaner; wahrscheinlich gehören auch die sämtlichen amerikanischen Stämme zu ihnen und die Malayen sowie viele Elemente Indiens und der indischen Inselwelt; die Hyperboreer enthalten ebenfalls mongolisches Blut. Allein die Chinesen sind auf gegen 400 Millionen zu beziffern; die mongoloiden Völker zusammen auf, etwa 5 — 600 Millionen. Mit ihrem eingedrückten Nasenbein, ihren vortretenden Backenknochen und geschlitzten Augen sind sie trotß ihrer verschiedenen Entwickelung und weiten Verbreitung doch überall wiederzuerkennen; fast überali zeigen sie auch dieselbe Körperkraft, dieselbe Unempfindlichkeit und die scharsen Sinne, denselben realistischen, zähen Nützlichkeitssinn, den Mangel an Idealismus und Individualismus, an geistigem Schwung und Tieffinn, wie ihn die Indogermanen besitzen. Ihre Kultur— leistungen find aber nicht gering. Ihre abgehärteten mittelasiatischen Nomadenstämme haben die kräftigsten und kühnsten Menschen und Eroberer erzeugt. Auf den malayischen Inseln, in Ostafien und Centralamerika sind von ihnen despotisch-kriegerische und fried— lichem Hackbau ergebene große Reiche mit patriarchalisch-socialistischer Verfaffung gebildet worden; diese haben aus sich einen Grad der wirtschaftlichen Kultur geschaffen, der zeitweise der abendländischen überlegen war. Auch der Jesuitenstaat von Varaguay gehört hieher. Hartes Kastenwesen und Vernichtung aller individuellen Freiheit der zroßen Masse entsprach dem Rafsentypus, der in den warmen Flußniederungen bis zur schlauen und weichlichen Friedfertigkeit herabsank, aber auch erstaunliche Friedenswerke don größerer Dauer schuf als die meisten anderen Rassen. Die Chinesen, vielleicht in Urzeiten mit der indischen oder babylonisch-afsyrischen Kultur in Berührung, haben nicht mit Eroberung sondern mit Kolonisation, freilich in einem fast wie eine Festung geschützten und isolierten Lande, eine binnenländische, in sich geschlossene Volkswirtschaft zeschaffen, deren Erfolge die europäischen Philosophen des 18. Jahrhunderts als Muster priesen. Die Chinesen sind das sparsamsie, nüchternste, geduldigste, unermüdlichste, biegsamste, zäheste und, größte Volk der Erde; harmlos und hutmütig, ausdauernd und scharffinnig, im Familienleben und in Verbanden aller Art ganz aufgehend, ohne moderne Unternehmung und ohne Lohnproletariat, haben sie Landbau und Gartenkultur, Straßen- und Brückenbau, Wasserverkehr im Innern, Handel und Verkehr schon vor Jahrhunderten und Jahrtausenden entwickelt. Nuf dem kleinsten Fleck Erde kommt der