Wesen der Technik; ihre volkswirtschaftliche Betrachtung. 189 The eévolution of modern capitalism: à study of machine production. 1894. — Quandt, Die Niederlaufitzer Schafwollindustrie in ihrer Entwickelung zum, Großbetriebe und zur modernen Technik. 1895. — Bensing, Der Einfluß der eedde Maschinen auf Volks- und Privat—⸗ wirischaft. 1897. — E. von Halle, Grundriß zu Vorlesungen über die volkswirtschaftliche Be— deutung der Maschine. 1898. — Lux, Die wirtschastliche Bedeulung der Gas- und Elektricitätswerke in Deutschland. 1898. — Kautsky, Die Agrarfrage. 1809. — Sering, Die Agrarfrage und der Socialismus. J. f. G.V. 1899. — (Zahn) Gewerbe und Handel im deulschen Reiche. Slatistik des Deutschen Reiches, N. F. 119, 1899. 76. Aufgabe des Abschnittes. Einteilung und allgemeinste Ur— sachen der technischen Entwickelung. Haben wir in dem Abschnitte über die Raffen und Völker die allgemeinen, typisch-vererblichen Eigenschaften derselben, in dem über Bevölkerung ihre Größenverhältnisse erörtert, so bleibt uns jetzt übrig, ihr tech— nisches Können ins Auge zu fassen. Die jeweiligen technischen Eigenschaften der Stämme und Völker bestimmen zu einem großen Teile den Grad des volkswirtschaftlichen Wohl— standes, die Art und die Farbe der wirtschaftlichen Zustände. Die Technik ist das ausführende Mittel aller wirtschaftlichen, wir könnten fast sagen aller menschlichen Thätigkeit. Wie es eine Technik des Ackerbaues, der Gewerbe, des Verkehres giebt, so sprechen wir von einer Technik des Krieges, der Künste, der Verwaltung, der Wissen— schaft, des Schreibwesens. Wir verstehen dabei unter der Technik stets die angewandten Methoden und die herangezogenen äußeren Hülfsmittel, mit denen wir die verschiedenen Aufgaben bemeistern; wir denken, wenn wir von den technisch- wirtschaftlichen Eigen— schasten reden, an das Maß von Geschicklichkeit, Kenntnissen und Fertigkeiten, womit die Menschen die äußere Natur ihren Zwecken dienstbar machen. Die Stoffe und Kräfte derselben sind ewig nach ihren eigenen Gesetzen thätig; sie dienen zu einem erheblichen Teile von selbst dem Menschen; ohne sie hätten Menschen, Tiere und Pflanzen nie existieren können; Wärme und Licht, die Hauptquellen alles Lebens, haben vor Millionen Jahren wie heute dem Menschen gedient, ihm durch ihre Bewegung Stoffe und Kräfte geliefert. Aber ebenso klar isi, daß die sich selbst überlassenen Stoffe und Kräfte zu einem erheblichen Teile das wirtschaftliche Leben hindern, schädigen, ja zerstören; hier muß die menschliche Technik eingreifen, die Hindernisse wegräumen, die schädlichen Kräfte ablenken, die günstigen durch Hand und Arm, durch Werkzeuge und Maschinen fso ordnen und leiten, daß endlich eine immer weitergehende, zielbewußtere Beherrschung der Natur gelingt. Unser Wissen in Bezug auf die heutige wirtschaftliche Technik ist auf dem Boden der fortschreitenden Naturerkenntnis zu einem Systeme praktischer Wissenschaften (Land— und Forstiwissenschaft, chemische und mechanische Technologie, Maschinenkunde, die Wissen⸗ schaften vom Bauwesen, vom Bergbau ꝛc.) geworden, die ihren Schwerpunkt in der Unterweisung fürs praktische Leben haben. Wir können nicht versuchen, aus ihnen auch nur auszugsweise das Wichtigste mitzuteilen. Was uns hier interessiert, ist der nach Zeiten und Völkern verschiedene allgemeine Stand der Technik und seine Wirkung auf die Volkswirtschaft. Wir müssen uns eiue Vorstellung darüber verschaffen, wie die Technik und ihre Methoden, wie die Werkzeuge und Maschinen sich historisch entwickelt und geographisch verbreitet und das wirtschaftliche Leben beeinflußt haben. Es ist das nicht leicht, so vielerlei neuerdings an historischem und geographisch-technischem Material zu Tage getreten ist. Unsere wissenschaftlichen Techniker haben sich meist um diese Zu⸗ sjammenhänge nicht viel gekümmert; unsere Geographen, Historiker und Nationalskonomen sind meist technisch nicht genug geschult. Immer muß hier ein Überblick unserer Erkenntnis auf diesem Gebiete versucht werden. Es giebt kaum ein interessanteres und wichtigeres Kapitel der Volkswirtschaftslehre und dabei kein vernachlässigteres und von Dilettanten mißhandelteres. Die Schwierigkeit einer Darlegung, und vollends einer kurzen, liegt auf der Hand. Wir wollen eine Entwickelung von wahrscheinlich über 100 000 Jahren verstehen, wenn Lyell recht hat, daß die ältesten gefundenen Steinhämmer so weit zurückreichen. Über die erfien 90000 derselben wissen wir sehr wenig; wir schließen nur aus der Technik der heutigen rohsten Stämme und aus einigen archäologischen Resten auf sie zurück; über