Die Entstehung der Gewerbe. Die handwerksmäßige Arbeitsteilung. 349 83 ist, daß sie sie von Fremden lernten und durch sie als tapfere Krieger empor— tiegen. In den homerischen Gesängen tritt zum Schmied und zum Holzarbeiter der Töpfer und der Lederbearbeiter, der lederne Schläuche, Riemen, Gürtel, Helmbänder fertigt; das Gerben war Sache der Hauswirtschaft, wie bei uns bis tief ins Mittelalter hinein. So sind bei allen Völkern, die im Begriff stehen, zu höherer wirtschaftlicher Kultur uͤberzugehen, nur einige wenige Arten von Gewerbetreibenden vorhanden, die meist noch ähnlich leben wie die anderen Stammesgenossen, aber nebenher für andere um Entgelt haͤufig im Umherziehen thätig sind, sofern sie nicht als Sklaven arbeiten; sie sind nicht Verkäufer von Waren, sondern von Arbeit, sie sind Lohnwerker. Sie erscheinen je nach der Schätzung ihrer Kunst teils als gewöhnliche Bürger, teils als Vornehme, wie die erwähnten germanischen Schmiede oder die geistlichen Baumeister, Glockengießer und Glasmaler des älteren Mittelalters. Auch als Gemeindebeamte treten sie auf, wie in Indien oder im ältesten Griechenland. J Eine breitere Ausbildung von arbeitsteiligen Gewerbetreibenden, wie wir sie in Agypten schon von 2000 v. Chr., in Indien von 700 -800 v. Chr., in Griechenland vom 6. Jahrhundert an, in Rom in der späteren Zeit der Republik, in Deutschland vom 12. und 18. Jahrhundert an beobachten, setzt die Werkzeugtechnik seßhafter Völker, die Anfänge städtischen Wesens, der Baukunst, der Metallverwendung, der Markteinrich⸗ tungen voraus (vergl. S. 208 -205). Fast überall wiederholen sich dieselben Haupt— handwerke: die Bäcker, die Schmiede, die Goldarbeiter, die Zimmerleute, die Wagner, die Kürschner, die Gerber und Schuhmacher, die Sattler und Riemer, die Tischler, die Toͤpfer, die Maurer, die Färber, die Walker, die Kupferschmiede, bald auch die Maler und Metallgießer, die Metzger und die Weber. Wie 8 Handwerksarten schon unter König Numänerwähnt werden, so treffen wir mit der Ausbildung städtischer Kultur fast uberall die 10—20 Handwerksberufe, die für Jahrhunderte die breitbesetzten bleiben. Im 13.— 15. Jahrhundert haben nur wenige Städte über 1220 anerkannte gewerb— uͤche Innungen gehabt (Basel 15, Straßburg 20, Magdeburg 12, Danzig 16, Leipzig und Köln 26, Frankfurt a. M. 1355 12, 1387 20, 1500 28, 1614 40, nur Wien 1288 50, 1463 66, Lubeck 1174 80, Bruügge 1868 650, 1562 72). Freilich umfaßten einzelne dieser Innungen bereits verschiedene Gewerbe. Wenn man auch die gewerb⸗ lichen Beruse besonders zählt, die nur einzelne Vertreter in einer Stadt und kein Junungsrecht hatten, einschließlich aller Arten perfönlicher Gewerbe, wie Barbiere, Musiker, Tänzer, Lastträger, Messer ꝛc., so ist 200-6500 Jahre nach den Anfüngen städtischer Arbeitsteilung die Zahl der zu unterscheidenden Berufe schon nach Hunderten zu schätzen. Für das spätere Agypten und Griecchenland ist uns das ebenso bezeugt wie für Rom in der Kaiserzeit. Der im Codex Theodosianus aufgeführten aristokratischen Handwerke, die von den sordidis muneribus 837 n. Chr. befreit werden, sind es allein 838. Für Wien im Jahre 1463 hat Feil schon gegen 100, für Frankfurt 1387 Bücher 148, 1440 191, bis gegen 1500 gegen 800 Arten, für Rostock 1694 Paasche 180 Arten von überwiegend gewerblichen Berufen nachgewiesen. Nach Geering sind in Basel (14. —15. Jahrhundert) in der Safranzunft allein gegen 100 verschiedene Berufs- arten. Und in der Renaissancezeit sowie im 17. und 18. Jahrhundert steigt diese Zahl noch. Bratring zählt für die brandenburgischen Städte 1801 467 verschiedene Berufs⸗ arten, von denen drei Viertel etwa gewerbliche sind, während für China die Zahl der Gewerbszweige neuerdings von kundiger Seite auf etwa 850 geschätzt wird. Für die kleine bayerische Stadt Landsberg hat Krallinger nachgewiesen, daß sie 1648 42, 1702 60, 1792 70, 1888 100 Arten von Gewerbetreibenden hatte. Die Zahl der zünftigen Gewerbe hat in den einzelnen deutschen Städten und Ländern im 18. Jahrhundert zwischen 25 und 80—100 geschwankt, so daß überall daneben eine große Zahl un— zünftiger freilich viel weniger besetzter vorhanden war. Für Paris weist Savary 1760 120 eigentliche Gewerbekorporationen nach. Wir können die ganze gewerbliche Arbeitsteilung dieser Zeit als die Epoche der handwerksmäßigen Berufs- und Produktsonsteilung bezeichnen. Sind