Die vier Formen gesellschaftlicher Ordnung der Arbeitsteilung. 361 ausgebildet; der Individualismus stand nicht hindernd im Wege. Heute ist diese Art der Organisation wohl in der Familie noch leicht zu ermöglichen, aber wo sie über dieselbe hinausreicht, ist die Durchführung nur mit schärfster Disciplin möglich. Die zunehmende Abneigung der modernen Menschen, sich von oben nicht bloß die Arbeit und die Hausordnung, sondern auch Kleidung, Essen und Trinken und jede Bewegung vorschreiben zu lassen, erschwert die Bildung solcher Verbände. Und wir sehen daher, daß diese Form, zumal seit dem Siege der Geldwirtschaft, immer mehr verlassen wird. Die nötige Unterordnung unter eine strenge Arbeits- und Hausordnung wird heute wohl noch von der Jugend in Erziehungshäusern und Kasernen, von frommen Mönchen in Klöstern, von Armen in Armenhäusern, von Verbrechern in Zuchthäusern ertragen, im übrigen können nur utopische Schwärmer davon träumen, die ganze Volkswirtschaft unter Aufhebung des Geldverkehrs aus solchen Verbänden aufzubauen oder gar ein Volk von Millionen wieder in einen einzigen solchen naturalwirtschaftlichen Verband zu verwandeln. J b) Wo Gemeinde, Stamm und Staat mit der Seßhaftigkeit, der Priester- und Kriegerversassung und einem geordneten Ackerbau mit Sklaven und Hörigen zu einer festen, geordneten Organisation, zur Sammlung von Vorräten, zur Erhebung von Zehnien und Derartigem gelangen, da wird es möglich, aristokratische Familien mit dand und abhängigen Arbeitern, sowie mit Zehnten zu dotieren, auch Beamte, unter Umständen Handwerker mit periodisch zu erhebenden Naturalabgaben auszustatten. Ein erheblicher Teil der älteren Arbeitsteilung und Klassenordnung ruht auf einem solchen Systeme, das in seiner Entstehung stets voraussetzt, daß die so Ausgestatteten ihre Kräfte dein Ganzen widmen. Aber es sehlt in der Regel die Kontrolle der Veistungen, und daher tritt so leicht die Entartung zu einer Aristokratie des Besitzes ein, die nur ver— zehren und genießen, höchstens herrschen, aber nicht mehr arbeiten will. c) In dem Maße, wie die Geldwirtschaft vordringt, hört nicht bloß der Natural— tausch auf, sondern werden auch die eben erwähnten Formen der herrschaftlichen Organi— sation und der Dotierung mit Land und Naturalabgaben nach und nach beseitigt. Der Staat und die Korporationen sammeln nun Vermögen oder legen Steuern um und erhalten so die Geldmittel, um für bestimmte specialistserte Berufe Leute fest anzustellen und zu besolden: Geistliche, Beamte, Offiziere, Soldaten, Lehrer, oft auch Arzte und andere Personen verpflichten sich, gegen feste Jahresgehalte bestimmte arbeitsteilige Thätigkeiten zu übernehmen; neuerdings stellen auch Privatunternehmungen und Altien⸗ gesellschaften Hunderte und Tausende so an. Im ganzen findet diese Form mehr in den oberen Schichten der Gesellschaft ihre Anwendung. Immer ist heute bereits ein sehr großer Teil der arbeitsteilig thätigen Gesellschaft in dieser Weise eingegliedert in den Zusammenhang der Volkswirtschaft. Die Bezahlung durch Jahresgehalte setzt ein gleichmäßiges Bedürfnis nach den Leistungen, durch Sitte und Recht geordnete Carrieren und eine stete Beaufsichtigung der Leistungen voraus. Da die Kontrollen aber stets sehr schwierig sind, so wird das System leicht zu Faulheit und Schlendrian Anlaß geben; es wird in den unteren Klassen der Gesellschaft ohne eiserne Disciplin nicht leicht bestehen können; für die mittleren und oberen kann diese wenigstens teilweise ersetzt werden durch ein hochgespanntes Ehr- und Pflichtgefühl, durch das Bewußtsein größerer Verantwortung und steter Kontrolle durch die Hffentlichkeit. Das System hat vor der naturalwirtschaͤftlichen Eingliederung in einen Herrschaftsverband den Vorzug, die weit— gehendste Arbeitsteilung möglich zu machen bei größter Freiheit des Familien— und des individuellen Lebens in den dienstfreien Stunden. Vor der Bezahlung der einzelnen Ware oder Leistung hat es den Vorzug, den Angestellten vor den täglichen Schwan— kungen des Marktes zu bewahren, aber den Nachteil, weniger zu Fleiß und Anstrengung anzuspornen, Leistung und Belohnung unvollkommener einander anzupassen. d4) Der Hauplierfolg der Geldwirtschast aber ist die Verwandlung des Tausch-— verkehrs in das Kauf- und Verkaufsgeschäft, der älteren gebundenen Arbeitsverhältnisse in das jederzeit lösbare Geldlohnverhältnis: die Produktion der Waren für den Markt und der daran sich schließende Warenhandel, sowie die freien Arbeitsverträge über die