24 Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft. Fähigkeit der Bergbehörden den Bergbau zunächst hob und zur Blüte brachte, auch nach Schaffung eines durch Bergschulen vorgebildeten höheren Bergbeamtentums von 1750 zis 1850 nochmals eine Hebung desselben erzeugte. Die Reform hatte zugleich einen privilegierten, korporativ organisierten, tüchtigen Bergarbeiterstand geschaffen, aber sie endete doch zuletzt in bureaukratischer Routine. Die große neue Technik des 19. Jahr— hunderts, die jetzt eröffneten Absatzmöglichkeiten forderten viel größere, maschinell ein— gerichtete, kaufmännische Betriebe; die alten Gewerkschaften unter bureaukratischer Vor— mundschaft konnten dem nicht genügen; sie brachten auch die großen Kapitalmittel nicht auf. Die Losung der Zeit von 1840—70 war: freie, private, spekulative Unternehmung, eine neue unabhängige Form der Gewerkschaft, Aktienbetrieb, Freierklärung des Berg— baues, Verzicht des Staates auf seine Regalrechte und die Oberleitung der Betriebe. Die Richtung dieser Bergwerksreform war notwendig und heilsam; der große Aufschwung des deutschen Bergbaues ging aus ihr und den freien modernisierten Betrieben hervor. NRur hätte der Staat seine bisherigen finanziellen Rechte, sowie die Aufsicht über die sociale Seite der Bergwerke besser wahren sollen; er hätte von den großen Monopol— gewinnen aus den unterirdischen Schätzen der Gesamtheit, dem Staate einen erheblichen Teil vorbehalten sollen. 141. Die Hausindustrie (das Verlagssystem). Haben wir im bis— — DD Bebilde, mit Hülfe von staatlicher Intervention, die Produktion über den alten Rahmen der Familienwirtschaft hinauszuheben, und wurden wir uns dabei der Schwierigkeiten klar, größere wirtschaftliche Gebilde und Unternehmungen überhaupt zu schaffen, so haben wir jetzt einen Weg zu betrachten, der zeitlich parallel mit diesen Versuchen betreten vpurde: die Hausindustrie, d. h. die Tendenz, die gewerbliche Überschußproduktion des Familienhauses und der Meisterwerkstatt auf größere Märkte durch das Zwischenglied des Handels zu führen. Wir werden sehen, daß es sich auch hiebei noch nicht um 'eine vollkommene Lösung des Unternehmungsproblems handelte, aber um eine historisch not— wendige Zwischenform, die zuerst mehr von günstigen, später überwiegend von ungünstigen Folgen begleitet war. Gewisse leicht transportabele, eigentümliche und allgemein begehrte Produkte des häuslichen Fleißes und des Handwerks sind schon in frühen Zeiten, vollends zur Blüte— zeit griechischer und römischer Kultur teils von Händlern, teils von größeren Produzenten ielbst auf fremde Märkte gebracht worden. Im Mittelalter beginnt dasselbe in Italien vom 12. und 18. Jahrhundert an, aber erst vom 15. und 16. an erreicht die lokale Arbeitsteilung und der Verkehr nördlich der Alpen eine solche Ausdehnung, daß daraus die Hausindustrie als besondere Betriebsform hervorgehen konnte. Sie bildet im 17. und 18. Jahrhundert die Hauptform der für den Absatz im Großen thätigen Industrie. Ihre Entstehung und ihre Blüte ist damals das Hauptzeichen der fortschreitenden volks— wirtschaftlichen Entwickelung und des Wohlstandes gewesen. Auch in unserem Jahr— hundert entsteht fie überall noch neu, wo die häusliche und handwerksmäßige Thätigkeit zu einem großen Absatz in der Nähe oder in der Ferne übergeht, und hat sich, wo sie früher bestand, noch da und dort in breiter Ausdehnung erhalten. Aber vielfach ist sie nuch schon von den höheren Formen des Betriebes, den Manusakturen und Fabriken verdrängt worden, stellt nicht mehr so wie früher einen Fortschritt sondern eher ein für den Verleger bequemes, aber socialpolitisch unerwünschtes Auskunftsmittel dar. Wir fassen dabei unter dem Begriff der Hausindustrie die Art der Produktion und des Absatzes zusammen, welche die im Hause, in der Familie, in der handwerksmäßigen Werkstatt mit einfacher Technik hergestellten Produkte nicht mehr einem Kunden, sondern zinem Händler, einer Zwischenperson übergiebt, um sie in den Handel zu bringen. Die Thätigkeit ländlicher Spinner und Weber, armer Gebirgsbewohner, die Holz schnitzen und Spitzen klöppeln, die der russischen und anderen osteuropäischen Bauern, die alles Mögliche nebenher produzieren, wie die aller städtischen Handwerke, neuerdings die von Tausenden von Frauen und Männern, die für städtische Magazine und Exportfirmen zu Bbaufe arbeiten, gehören hierher, so verschieden ihre Lage sonst sein mag. Ob man die