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        <title>Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft</title>
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            <forname>Gustav von</forname>
            <surname>Schmoller</surname>
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            <idno>1887156429</idno>
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      <div>108 Einleitung. Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Litteratur und Methode.

Untersuchung bewußt sind, nicht einheitlichen Ursachen, sondern einer Reihe von Ursachen⸗
komplexen gegenüber zu stehen, deren jede ihre eigene Natur hat, besondere wissenschait—
liche Behandlung verlangt.
Die Thatsachen der äußeren Natur, welche die Volkswirtschaft beherrschen und
beeinflussen, find nur durch die Methoden naturwissenschaftlicher Forschung zugänglich;
sie geben für die Möglichkeiten der volkswirtschaftlichen Entwickelung gewisse Minimal⸗
und Maximalgrenzen, ähnlich wie alle rein äußeren materiellen, wirtschaftlichen Ursachen,
3. B. auch Bevölkerungsdichtigkeit, Kapitalreichtum, Stand der Technik notwendig eine
gewisse Gestaltung der ganzen Volkswirtschaft nach sich ziehen, die aber in ihrem wich—
ügsten Detail doch ganz verschieden sein kann, jie nach den viychischen und sittlichen
Eigenschaften der Menschen.
Die Thatsachen der menschlichen Rassen- und Völkerkunde unterliegen naturwissen—
schaftlicher, historischer und psychologischer Untersuchung, die in ihrem Gesamtergebnis
wesentlich mit die abweichende wirtschaftliche Kultur der einzelnen Nationen bestimmen
und daher immer ergänzend heranzuziehen sind zu den generellen pfychologischen Schlüssen
aus der allgemeinen Menschennatur.
Die Thatsachen der elementaren Bevölkerungsbewegung sind biologischen und
psychischen Charakters; bei einer gewissen Kultur und in bestimmtem Klima muß ihr
gewoöhnlicher Gang ein gleichmäßiger sein; die Erklärung der Elementarerscheinungen ist
Junächst physiologischen Charakters. Die Massenerscheinungen der Bevölkerung wie die
Preiserscheinungen des Marktes in relativ ruhig sich entwickelnden Gemeinwesen sind
statistisch erfaßt einer Art mechanisch-mathematischer Behandlung zugänglich, wobei
dann eine Konstanz der wesentlichen Ursachen vorausgefetzt wird. Die Erklärung der
Abweichungen und Schwankungen der Bepvölkerungsstatistik wie der ganzen Moral—⸗
statistik erfordert eine pfychologische, historische, völkerveraleichende und wirtschaftliche
Untersuchung.
Die allgemeinen psychischen Elemente, welche das volkswirtschaftliche Leben
beeinflussen und beherrschen, äußern sich teils in elementarer, direkter Weise gleichsam
als Ursachen erster Ordnung, wobei von einer pfychischen Trieblehre und einer Theorie
der sittlichen Charakterbildung auszugehen ist, dann aber als komplizierte Ergebnisse
eines höheren Kulturlebens, als Sprache, Sitte, Recht, als Institutionen wirtschaftlicher
und rechtlicher Art. Das ergiebt ein Netz psychischer Verursachung höherer Ordnung.
Für ersteres kommt die individuelle und vergleichende Pfychologie, für diese hauptsächlich
die historische Untersuchung, die vergleichende Sitten- und Rechtsgeschichte in Betracht.
Es bildet einen der größten Fortschritte der neueren Volkswirtschaftslehre, daß sie auf
die Erkenntnis dieser geistigen Zwischenglieder zwischen Natur und Psyche einerseits und
volkswirtschaftlichen und socialen Erscheinungen andererseits den rechten Nachdruck gelegt
hat, daß sie nicht mehr versucht, bloß aus Natur- und Größenverhältnissen und den
rohsten pfychologischen Axiomen, sondern vor allem aus der Geschichte der volkswirt⸗
schaftlichen Institutionen heraus zu argumentieren.
46. Gesetze, induktive und deduktive Methode. Das Ergebnis ist so
das allerdings für den Anfänger erschreckende: zu wissenschaftlich allseitigen Untersuchungen
auf volkswirtschaftlichem Gebiete gehören Methoden der verschiedensten Art, Kenntniffe
aus den verschiedensten Wissensgebieten. Die Ergebnisse sind nirgends vollständige, sie
liegen nach Methode und Gegenstand oft so getrennt nebeneinander, daß ihre synthetische
Verbindung die größte Schwierigkeit bereitet und nur auf wenigen Gebieten bis jetzt
eine vollendete Erkenntnis gewährt. Und doch ist schon unendlich viel gewonnen gegen
früher. Die einfacheren Vorgänge des Markt- und Verkehrswesens, der Bevölkerung,
den Hauptgang der volkswirtschastlichen Entwickelung übersehen wir ziemlich genau; wir
wissen, daß gewisse elementare volkswirtschaftliche Vorgünge und sociale Einrichtungen
so ziemlich überall gleichmäßig bei gewisser Kulturhöhe eintreten. Wir haben in den
unteren Etagen des Gebäudes die Fähigkeit einer gewissen Voraussage erreicht, die nicht
zu verachten ist. Wir sprechen, während wir gestehen, historische Gesetze nicht zu kennen,
don volkswirtschaftlichen und statiftischen Geseßen. Wir meinen damit freilich teilweife</div>
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