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        <title>Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft</title>
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            <forname>Gustav von</forname>
            <surname>Schmoller</surname>
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Erstes Buch. Land, Leute und Technik.

eine große Rolle spielt, wie in Agypten und anderwärts; da wird der Ackerbau zu
einer ganze Stämme und Staaten einheitlich verbindenden Einrichtung. Die Ausbildung
der Feldmeßkunst, die Versteinung der Felder wird bei jeder definitiven Landzuteilung
und allem geregelten Ackerbau eine wichtige genossenschaftliche oder Staatsaufgabe.
Man hat gesagt, der Hackbau erzeuge Dörfer, der Ackerbau Städte. Jedenfalls
ging Ackerbau und Stadtbau vielfach im Altertum Hand in Hand, was wir in dem
Kapitel über Siedelung noch sehen werden; die Ackerbauern der fruchtbaren Stromländer
schufen große Verteidigungswerke, in welche ganze Völkerschaften sich retten konnten.
Das Friedensbedürfnis der Ackerbauer ist ein viel größeres als das der Hackbauern
und der Nomaden und wächst mit dem Obst- und Weinbau, mit dem steigenden Wert
aller Anlagen. Der Krieg mit den Nachbarn wurde ein anderer. Neben dem möglichen
Schutz durch Mauern, Wasser, Kanäle sucht der Ackerbauer durch Schutzwaffen, Leder—
und Metallkleidung, Schilde und Helme, aber auch durch bessere und kompliziertere
Kriegsverfassung sich gegen seine Feinde zu sichern.
Das ganze geordnete gesellschaftliche Leben der Kulturvölker steht mit dem Ackerbau
in Zusammenhang. Die Alten, sagt Roscher, haben der Landbaugöttin Demeter die
Einführung der Ehe und der Gesetze beigelegt. Schäffle thut den Ausspruch: „die
Einzel- und die Volksseele kam erst mit dem Übergang zum Ackerbau zu böherer Ber—
nunftsentwickelung.“
Man hat neuerdings darauf hingewiesen, daß man oft die wirtschaftlichen, socialen
und geistigen Folgen des Ackerbaues überschätzt habe, daß nur eine gewisse Entwickelung
des Ackerbaues, nämlich die mit Seßhaftigkeit, Hausbau ?⁊c. verknüpfte, diese Folgen
habe. Das ist richtig. Wir haben dem teilweise durch die Scheidung von Hackbau und
Ackerbau Rechnung getragen. Im übrigen könnten wir nur durch eine eingehende
wirtschaftsgeschichtliche Scheidung der verschiedenen Stufen des Ackerbaues genauer
feststellen, wann und wo diese günstigen Folgen eintraten. Dazu ist hier nicht der Raum.
Nur die wichtigsten Phasen des agrarischen Entwickelungsprozesses, wie er sich in Europa
abspielte, seien hier zum Schlusse angedeutet.
Die Weidewirtschaft oder wilde Feldgraswirtschaft benutzt den Wald
und die Weiden nur zur Viehernährung, bricht an geeigneter Stelle kleine Stücke der
Weide zur Beackerung auf, baut da Buchweizen, Hirse, Gerste, Roggen zwei oder drei
Jahre hintereinander ohne Düngung, bis der Boden erschöpft ist; oft genügt als Saat,
was bei der Ernte ausfällt. Der erschöpfte Boden wird verlafsen, fliegt wieder als
Weide oder Wald an, anderer wird in Angriff genommen.
An eine solche Wirtschaft haben wir auch für die ungetrennten Indogermanen zu
denken, die Gerste bauten, Joch oder Pflug und feste Holzhäuser hatten. Auf der
Wanderung trat dann die Viehwirtschaft mehr in den Vordergrund, aber der Ackerbau
hörte nicht auf; wir treffen sogar bei dem europäischen Zweige der Indogermanen den
Weizen- und Spelzbau, bei den Germanen den Pflug mit eiserner Schar, was nicht
ausschließt, daß die Sueben zu Cäsars Zeit, in Vorwärlsbewegung begriffen, keine festen
Wohnsitze hatten, erst in den nun folgenden Jahrhunderten zur definitiven Seßhaftigkeit,
zu der Dorf-, Hufen- und Gewannenverfafsung übergingen.
So entstanden hier aus der wilden Feldgraswirtschaft und Brennwirtschaft nach
und nach die Feldsysteme mit ewiger Weide. Unter der Brennwirtschaft
verstehen wir eine solche, welche einzelne Stücke Moor oder Wald zum Zwecke des
Anbaues niederbrennt und eine Anzahl Jahre bebaut. Eine solche war in Deutschland,
Skandinavien, Frankreich bis ins Mittelalter weit verbreitet, erforderte wegen der Brand—
gefahren Vorsicht und gesellschaftliche Ordnung und Überwachung. Im Gegensatz zu
diesem Herumgehen des Baulandes in der Flur, im Gut, in der Gegend steht die Ein,
Zwei-, Dreifelderwirtschaft, welche als ewiges Ackerland in der Nähe der Wohnungen
ursprünglich 10 — 20 Prozente der Flur aussondert, den Rest als Wald und ewige
Weide benützt. Die Einfelderwirtschaft bebaut jährlich mit Düngung dieselben Flächen,
die Zwei- und Dreifelderwirtschaft bebaut abwechselnd jährlich die Haͤlfte, ein oder zwei
Drittel des Ackerlandes und läßt das übrige als Brache ausruhen und als Viehweide</div>
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