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        <title>Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft</title>
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            <forname>Gustav von</forname>
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      <div>260 Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft. 
die ersteren find wir noch weniger unterrichtet als über die letzteren. Ehe wir darauf 
eingehen, seien zwei Vorbemerkungen gestattet, eine über die germanische Staatenbildung, 
die andere über das Dorf- und Hofsystem. 
Die kleinen germanischen Völkerschaften, noch nach Sippen gegliedert, hauptsfächlich 
für Viehweide und kriegerische Zwecke nach Hundertschaften geordnet, gingen aus dem 
langen Kampfe mit Rom als große Völkerbünde mit einem bereits starken Königtum 
hervor. Es gelang ihnen so relativ rasch, große agrarische Flächenstaaten mit starker 
striegs- und einer der römischen nachgebildeten Staatsverfassung zu schaffen; die Ver— 
waltung der römischen Kirche, der große Grundbesitz des Königs und der weltlichen 
wie geistlichen Aristokratie schufen in wenigen Jahrhunderten ein Rückgrat für die neuen 
Staatsgebilde, so daß in den gegenüber den Mittelmeerländern ärmeren, kälteren, viel— 
fach gebirgigen Landen auch ohne Städte ein geordneter, relativ befestigter Staats- und 
Wirtschaftszustand in der Zeit von 800 bis 1100 n. Chr. eingetreten ist. 
Für die Frage, ob, wie frühe, in welcher Art neben der Wohnweise im Dorfe die 
Einzelsiedelung, die Hofverfaffung entstanden sei, scheint es nötig, neben der wirtschaftlich— 
technischen Seite der Frage wesentlich auf zwei wichtige mitwirkende Umstände hinzu— 
weisen. Der Einzelhof, der inmitten seiner Grundstücke wirtschaftet, kürzt die Wege, 
spart an Kosten, stellt einen geschlosseneren Wirtschaftskörper dar als die Bauernwirt— 
schaft im Dorfe. Aber das sind Vorzüge, die nicht so leicht bei niedriger Kultur er— 
kannt werden und wirken können, und denen andere Nachteile für die verschiedensten 
Lebenszwecke entgegenstehen. Das isolierte Wohnen raubt primitiven Menschen die ge— 
wohnte gesellige Umgebung, oft auch den Schutz; sie entschließen sich meist nur dazu, 
wo es durch besondere natürliche Umstände oder durch die Not des Lebens geboten ist. 
Aber zweierlei kann den Übergang erleichtern. Einmal wenn es sich nicht um eine ein⸗ 
zelne kleine Familie handelt, sondern um eine große patriarchalische mit einigen Dutzend 
Menschen, wenn ein Herrenhof, ein Kloster mit 12-24 Brüdern, kurz etwas stärkere, 
geschlossenere sociale Gebilde, die Einzelsiedelung vollziehen. Solche Organe haben auch 
am frühesten Sinn für die wirtschaftlichen Vorteile der Sondersiedelung; sie verfügen 
über große Viehherden, die isoliert leichter zu erhalten und zu nützen sind. Und dann 
scheint es uns denkbar, daß ein anderer Umstand die Einzelsiedelung früher fördern kann, 
wenn nämlich die Familien in fest organisierten herrschaftlichen oder genossenschaftlichen 
Verbänden herkömmlich leben und an ihnen einen gewissen festen Rückhalt auch auf dem 
Hofe behalten. Unter diesen Voraussetzungen können einzelne Kreise und Völker früher 
zum Hoffystem kommen als sonst. 
Haben wir damit schon die Kompliziertheit des Problems berührt, so werden wir 
auch begreifen, daß bis heute eine volle Klarheit und unbestrittene wissenschaftliche 
Überzeugung über den agrarischen Siedelungsprozeß der neueren europäischen Völker nicht 
besteht. Wir haben die wichtigsten der voneinander abweichenden Theorien kurz vor— 
zuführen. 
Möser und Kindlinger hatten im Geiste des 18. Jahrhunderts Einzelhöfe als das 
Ursprüngliche hingestellt, aus denen erst viel später im Interesse des Schutzes Dörfer 
und Städte entstanden seien. So sehr diese Annahme allem widerspricht, was wir heute 
wissen, so ist doch zuzugeben, daß aus römischen Villen, auf früher romanischem Boden, 
auch aus Fronhöfen und vereinzelten grundherrlichen und freien Bauernhöfen in späterer 
Zeit mannigfach Dörfer hervorgingen, daß vom 11.-15. Jahrhundert oftmals Höfe, 
Weiler und kleine Dörfer zu größeren Orten des Schutzes wegen zusammengelegt wurden, 
wie auch die Städtebildung da und dort mit solcher Vereinigung verbunden war. 
Nachdem die neuere Forschung die Feldgemeinschaft und das Dorfsystem ziemlich 
allgemein als primitive Form des agrarischen Lebens der Kulturvölker aufgefunden hatte, 
konnte Roscher den Möserschen Satz umkehren: das Hofsystem ist auf niederer Kultur— 
stufe Ausnahme; wo man es fand, suchte man es wesentlich auf natürliche örtliche Ur— 
sachen zurückzuführen; im Gebirgsthal, wo für Dörfer kein Platz ist, auf unfruchtbarem 
Boden — so hieß es — entstanden die Höfe und die Weiler in späterer Zeit als die</div>
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