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        <title>Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft</title>
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            <forname>Gustav von</forname>
            <surname>Schmoller</surname>
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      <div>Die Zunahme der städtischen Bevölkerung. 271

Eine genauere Statistik, wie sich die gesamte Bevölkerung nach der abgestuften
Bröße der Wohnorte verteile, ist nur vereinzelt, z. B. in Hsterreich 1880, erhoben.
Ich teile aus dieser Statistik folgendes mit: Es lebten in Ortschaften bis 500 Ein—
wohner von je 1000 Menschen 822,7 (in Kärnten 767, in Oberösterreich 690, in
Niederösterreich 238), in solchen von 5300 —- 1000 Einwohnern 2085,6, in solchen von
1000 -2000 175,4, in solchen von 2000—5000 127,1 in solchen von 5000 - 10 000
41,2, in solchen von über 10000 128,0. In Deutschland hat die Reichsstatistik seit
1861 1. Großstädte mit über 100000, 2. Mittelstädte mit 20 -100 000, 3. Kleinstädte
mit 5000 -20 000, 4. Landstädte mit 2000 -5000 und b. plattes Land unter 2000 Seelen
unterschieden. Die Ergebnisse stellten sich:

—1871 — 1880 o/0 1890 — 1895 —
5 8 1.,96 Mill. 4,8 14 3,27 Mill. 7,2 6,553 Mill. 183,2 28 7,28 Mill. 13,9
2. 75 3,14 ⸗ 7,6 102 4,02 ⸗ 89 4,93 ⸗ 10,09 150 5,588 ⸗1090,7
3. 520 158 118 641 367 185 636. 139 796 70513
4. 1716 5,005- 12432,4 1950 5,74 -⸗ 123,7 5,81 ⸗ 11,7 2068 6,16— 11,8
3. 26,216339 2651 858,6 285,81 52,2 26,22 ⸗ 50,1
Man hat hauptsächlich die Wirkung der Eisenbahnen 1867—80 auf diese Größenklassen
untersucht und fand, daß die Groß- und Mittelstädte alle solche Verbindung hatten und
um 2,9 und 2,4/0, von den Kleinstädten die mit Bahn um 1,4—-1,80/0, die ohne Bahn
um 2,80/60, die Landstädte mit und ohne Bahn etwa gleich 10/0 zunahmen. Eine ältere
preußische Berechnung für 1840 —585 hatte ergeben, daß der Staat um 14,4, das Land
um 12,1, die Städte unter 30000 Seelen um 19,6, die darüber um 32,4 0/0 zu—
genommen hatten.
Die Großstädte mit über 100 000 Seelen betrugen nach den letzten Zählungen des
Decenniums 1890 — 1900 in den Vereinigten Staaten 18,6, in Frankreich 12,4, in
Deutschland 16,2, in Italien 6, in Großbritannien 29,00/0 der Bevölkerung. Es gab
solche Städte: in Deutschland 88, in Großbritannien und Irland 30, in Frankreich 12,
in Rußland 19, in Hstexrxreich 5, in den Vereinigten Staaten von Amerika 88, zusammen in
diesen 6 Ländern 137. Über eine Million hatten in Europa 1890 5 Städte: London 4,2,
Paris 2,4, Berlin 1,5, Wien 1,8, Petersburg 1,08. Die Bevölkerung in Orten über
2000 Seelen war 1875 in Rußland 10, in Bayern 26, in den meisten deutschen Staaten
33—42, in Frankreich 42, in Belgien 67, in Holland 290/0; in Preußen 1817 21,
1880 420/0. England und Wales hatte 1891 62 Städte mit über 50000 Einwohnern,
gleich 40,60/0 der Bevölkerung, die gesamte städtische Bevölkerung war 719/0. Von
1000 Einwohnern lebten 1890 in Großstädten von über 100 000 Seelen in Groß—
britannien-Jrland 285, in der europäischen Türkei 218, in den Niederlanden und
Belgien 179 und 169, in Deutschland 135, in Frankreich 119, in Italien 100.
Das prozentuale jährliche Wachstum war in Preußen 1885 —90 in den Städten
21,350/00, in den Landgemeinden 85,940/00, in den Gutsbezirken 1,810/00; in 10 Jahren
(1881 und 1882 bis 1880 und 1891) nahmen zu: Paris 8,8, London 10,4, Leipzig 20,5,
Berlin 40,2, Rom 458,20/0, also sehr verschieden. Auch zeitlich ist das Anwachsen der
Städte ein sehr schwankendes. Man konnte 1890 vielfach den Eindruck haben, sie seien
jetzt gesfättigt, aber teilweise stieg die Zunahme wieder 1895—1900.
Daß das große Wachstum wesentlich auf Zuwanderung beruht, nicht auf eigener
Vermehrung, ist selbstverständlich. Nicht ebenso bekannt war lange, daß die Zuwande—
rung meist aus der Nähe stammt, und daß auch das platte Land einen so sehr starken
Bevölkerungsaustausch, eine bedeutende zugewanderte Bevölkerung hat. In Bayern
waren 1871
in den Städten. .. 507381 Ortsgeborene, 519 499 Zugewanderte,
Landgemeinden . 2467768 ⸗ 1357 981
Nur die große Zuwanderung nach den alexandrinischen und spätrömischen Städten
kann dem Umfange nach mit der heutigen verglichen werden; die mittelalterliche war
nicht so groß. Gesunder als die antike ist die heutige sicher, weil sie mehr auf
derechtigten wirtschaftlichen Motiven beruht, das Land nicht so entvölkert wie damals.</div>
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