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        <title>Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft</title>
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            <forname>Gustav von</forname>
            <surname>Schmoller</surname>
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      <div>272 Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft. 
Ohne Bedenken und große Schattenseiten, auf die wir zurückkommen, ist sie auch heute 
nicht. Die Umbildung und die Wanderungen erzeugen Kämpfe und Schwierigkeiten 
aller Art. Bücher sagt mit Recht: der Zug nach der Stadt versetze zahlreiche Menschen 
fast plötzlich aus einer natural- in eine geld- und kreditwirtschaftliche Lebenssphäre, und 
die socialen Gewohnheiten seien dadurch in einer Weise bedroht, welche den Menschen⸗ 
freund mit schweren Sorgen erfülle. Aber er fügt bei, man überschätze heute doch oft 
die Mobilisierung der Gesellschaft sehr; der heutige Arbeiter wandere weniger als früher 
der Geselle; die Mehrzahl der Wanderungen suche ihr Ziel in der Nähe, oft nur im 
nächsten Dorfse. Und im ganzen entspreche die Wanderung eben der durch den neuen 
Verkehr nötig gewordenen Verlegung aller Standorte der Industrie und der Land— 
wirtschaft, der Umbildung aus den Zuständen der Stadt- und Territorial- in die der 
National- und Weltwirtschaft. 
Das ist alles richtig im ganzen; aber ob im einzelnen die Wogen nicht zu weit 
gehen, nach falschen Zielen hinfluten, ob nicht neben berechtigten wirtfchaftlichen Motiven 
andere nicht wirtschaftliche, sittlich zweifelhafte mitspielen, ungünstige Nebenfolgen ein— 
treten, das sind offene Fragen, die freilich nicht generell zu beantworten sind. 
99. Eine Zufammenfassung der Ergebnisse unserer vorstehenden histo⸗ 
rischen Ausführungen wird etwa dahin lauten: 
a) Die Menschen haben nicht bloß das notwendige Bedürfnis, in Familiengruppen 
von 4-10, sondern auch in größeren Gruppen von 20, 50, 100, 1000 und mehr 
Menschen so zusfammen zu leben, daß die Nachbarn zum Verschiedensten zusammenwirken, 
sich täglich sehen können. Für gewisse Zwecke reicht es freilich, wenn die aufeinander 
Angewiesenen sich jährlich ein- oder ein paar Mal oder auch monatlich oder wöchentlich 
sehen oder versammeln können: so z. B. für Gerichts- und Verwaltungs-, Markt- und 
einzelne Kulturzwecke. Aber das sind die beschränkteren Aufgaben, und sie leiden, je größer 
die Wege werden. Im übrigen liegt die Notwendigkeit des nachbarlichen Wohnens in 
den gesamten Zwecken, welche die Menschen aus irgend welchen Ursachen besser gemeinsam, 
in nachbarlichem Austausch und Kontakt verfolgen. Es kommt das Verschiedenartigste da 
in Betracht; scheiden wir mal die nicht wirtschaftlichen und die wirtschaftlichen Zwecke; 
von den nicht wirtschaftlichen stehen voran: das Bedürfnis der Geselligkeit, der Unter— 
haltung, des gegenseitigen Schutzes gegen Feinde, bei höherer Kultur das der Schule, des 
Kirchbesuches. Von den wirtschaftlichen Zwecken können die primitivsten auch von einzelnen 
isoliert wohnenden Familien bis auf einen gewissen Grad verfolgt werden: z. B. die 
Fischerei, die Jagd, der Hack- und Ackerbau. Aber wir sahen schon, daß die Biehzucht, 
die Feldgemeinschaft, der Hausbau und Schiffsbau selbst auf niedriger Stufe doch besser 
von Genossenschaften in die Hand genommen wird. Vollends jede Arbeitsteilung, die 
gewerbliche Thätigkeit, der Handel ist bei dem zerstreuten Wohnen zwar nicht unmöglich — 
man denke an den Hausierer, den gewerblichen Wanderarbeiter auf der Stör —, aber 
jehr erschwert. Jede höhere Entwickelung der Staatsverwaltung, der Kirche, gewisser 
aristokratischer Kreise mit großen Scharen von Dienern, der Geld- und Kreditwirtschaft, 
des geistigen Lebens setzt gedrängteres Wohnen wenigstens für einen Teil der Bevölkerung 
voraus. Aber ein solches hat seine engen Grenzen; wo 500, 1000 und mehr Ackerbau— 
familien als Nachbarn zusammen wohnen wollen, werden die Wege zum Ackerfelde zu 
lang und zu zeitraubend. Thünen, hat berechnet, daß ein großer Teil unserer von Dorf 
oder Hof zu entfernt liegenden Acker deshalb keinen Reinertrag geben. Das enge 
Wohnen macht die Orte ungesund; mehr als einige Stockwerke können nicht übereinander 
getürmt werden; wo statt ein und zwei Familien zwanzig bis fünfzig in einem Hause 
wohnen, wird das Familienleben und die Sittlichkeit bedroht oder ist nur durch kom— 
plizierte Ordnungen in Reinheit zu erhalten; wo zu viel Menschen einander Luft, Licht, 
Raum nehmen, da steigern sich alle Reibungen und Konflikte, wird auch alles wirt— 
schaftliche Leben schwieriger, in vieler Hinsicht teurer. 
So entstehen für alle socialen Gruppen und Individuen, für jede Zeit, auf jedem 
Boden eine Summe von teils sich gegenseitig steigernden, teils sich begrenzenden und 
widersprechenden Motiven, welche hier auf konzentrierteres, dort wieder auf gerstreuteres</div>
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