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        <title>Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft</title>
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            <forname>Gustav von</forname>
            <surname>Schmoller</surname>
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      <div>Die große Scheidung von Landwirtschaft und Gewerbe. 347 
Bäckern 520/0 einen Nebenberuf. Beinahe 5 Mill. Fälle von Nebenberufen überhaupt 
wurden 1895 ermittelt, wovon 8,6 Mill. auf die Landwirtschaft entfallen. 
Die Scheidung zwischen Landwirtschaft und anderen Berufen vollzieht sich aber 
auch deshalb vielfach nicht, weil alle Versorgung durch den Markt leicht ein Element 
der Verteuerung und der Unsicherheit in sich enthält; der Tagelöhner, der Schullehrer, 
der Handwerker des platten Landes, der kleinen Stadt spart, wenn er Kartoffeln und 
Gemuͤse selbst baut, er giebt damit Frau und Kindern eine heilsame, gegen übertriebene 
berufliche Arbeitsspecialifierung schüßende Thätigkeit. Es giebt einsichtige sociale Re⸗ 
former, die für alle Lohnarbeiter Derartiges wünschen. Ein großer Teil der socia⸗ 
listischen Schriftsteller hält eine Gesundung unserer Zustände nur möglich unter der 
Bedingung allgemeiner Verbindung anderer Berufsarbeit mit Garten- und Ackerbau. 
Endlich hat die Loslösung der alten Bestandteile der agrarisch universalen Wirt⸗ 
ichaft auch gewifse technische und organisatorische Hindernifse. Forstwirtschaft, Bergbau, 
Ziegelei, Steinbrüche sind heute meist nicht mehr mit den landwirtschaftlichen Betrieben 
derbunden; aber vielfach erscheint die Verbindung doch noch vorteilhaft wegen der Lage der 
Forsten und Gruben, wegen der Einteilung der Arbeiten, der Holznutzung ꝛc. Neuerdings 
derbindet man den Rübenbau mit der Zuckerindustrie, den Kartoffelbau mit der Spiritus— 
brennerei, um sich die Rohstoffe zu sichern, Wege zu sparen, gewisse Nebenprodukte (wie 
die Schlempe) als Viehfutter zu verwenden. 
All' dies sind heilsame und natürliche Ausnahmen des großen Scheidungsprozesses. 
Auch wo sie, wie bei manchen ländlichen Hausindustrien, bei manchen Kleinbauern und 
ländlichen Handwerkern die Folge haben, daß die agrarische und gewerbliche Technik 
nicht so leicht fortschreitet, kann die Verbindung noch angezeigt sein, wenn die ander— 
veiten Vorteile für die Hauswirtschaft, die Wohnweise, das Familienleben, die Moral 
schwerwiegender sind als die etwaige technische Unvollkommenheit. 
Immer haben diese Ausnahmen und Schranken die große Thatsache nicht gehin⸗ 
dert, daß die Landwirtschaft unserer Kulturländer heute im ganzen etwas anderes, Speciali⸗ 
fierteres ist als früher, daß die meisten Gewerbe sich von ihr losgelöst haben. In 
edem Dorf sind heute zahlreiche Handwerker; jeder Guts— und Bauernbetrieb kauft 
heute dieses und jenes vom Hausierer, läßt vom wandernden Lohnwerker Schuhe und 
leider machen, kauft Wagen, Werkzeuge, Pflug und andere Ackergeräte, läßt sich sein 
Haus von Maurern und Zimmerern bauen. 
Aber im übrigen bleibt dem landwirtschaftlichen Betriebe doch stets eine größere 
Vielseitigkeit als den Gewerben. Der Viehzüchter im Gebirge baut zugleich Hafer und 
artoffeln; der Ackerbauer in der Ebene hält Vieh, weil er Spannkräfte und Düngung 
zraucht, seine Wiesen und Weiden nutzen muß; er muß mit verschiedenen Früchten 
wechseln, weil er sonst seinen Boden erschöpft. Die meisten landwirtschaftlichen Arbeiten 
find an bestimmte Tages- und Jahreszeiten geknüpft, können nicht dauernd geübt, nicht 
ausschließlich denselben Kräften übertragen werden; wer morgens und abends die Kühe 
melkt, wer im Frühjahr pflügt, im Sommer die Ernte schneidet, muß zu anderer Zeit 
anderes thun. Für alle land- und forstwirtschaftlichen Betriebe handelt es sich um die 
ichwierige Kunst, die verschiedensten Thätigkeiten an dieselben Leute im Jahre so zu 
verteilen, daß man auch in der Zeit der staͤrksten Arbeit nicht so sehr viel mehr Kräfte 
zraucht als im Winter. 
Daneben aber hat die neuere Ausbildung des Abfatzes und die Entstehung größerer 
Gutswirtschaften doch mancherlei Ansätze zur Arbeitsteilung gebracht. Je mehr der 
dandwirt anfing, für den Markt zu produzieren, desto mehr mußte er suchen, das Ein— 
träglichste in seinem Betriebe in den Vordergrund zu rücken. Er legte sich vorzugsweise 
auf Getreidebau oder Viehzucht, auf Mästerei oder Wollproduktion. Er begann mehr 
als bisher je nach Bodenverhältnissen, Größe des Gutes, Arbeitskräften und Kapital— 
besitz seinen Betrieb zu specialisieren; der kleine Landwirt warf sich auf Hopfen, Tabak, 
Bemüse, der große auf Rübenbau, Pferdezucht und Ahnliches. Und innerhalb eines 
größeren Betriebes versuchte man specialisierte gelernte Arbeitskräfte, wie Schäfer,</div>
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