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        <title>Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft</title>
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            <forname>Gustav von</forname>
            <surname>Schmoller</surname>
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      <div>382 Zweites Buch. Die gefellschaftliche Verfassung der Volkswirxtschaft.

Geschäft die ganze Gesellschaft gleichmäßig die Ursache, die Ordnerin des Betriebes sei;
es ist dort ein Meister, hier ein Kaufmann oder Techniker, ein Kapitalist oder eine
Gruppe von solchen; der Geselle hat dort, die Arbeiter haben hier, so bedeutsam ihre
Intelligenz, ihr technisches Können auch ist, doch mehr nur eine passive Rolle, sie führen
die Gedanken anderer aus. Und so weit es wahr ist, daß in den immer gröoͤßer
werdenden Geschäften und ihren Formen ein eigentlich gesellschaftlicher Prozeß sich uns
offenbare, insoweit ist auch der Verteilungsprozeß ein gesellschaftlich geordneter und wird
es täglich mehr. Daß er heute noch vielfach unvollkommen sei, die Spuren veralteter
Einrichtungen oder des Übergangs in eine neue Zeit an sich trage, durch Sitte und
Recht, durch gerechtere Einkommens- und Vermögensverteilung vollkommener zu gestalten
sei, leugnen wir nicht nur nicht, sondern betonen wir mit aller Energie. Wir leugnen
nur, daß durch diese Mißstände die Unhaltbarkeit alles privaten Kapitaleigentums
bewiesen sei. Wir behaupten, daß es bis jetzt von niemandem nachgewiesen sei, wie
ohne dasselbe die Menschen heute zu Fleiß und Anstrengung, zu Sparsamkeit und
Kapitalbildung, zu kühnen Versuchen der Produktionsverbesserung veranlaßt würden.
Wenn heute die großen Vermögen in erster Linie in den Händen glücklich
operierender Händler und Großunternehmer, Bankiers und Gründer sich sammeln, so
ist eben die Frage, ob ihre großen Gewinne mehr Folge außerordentlicher Talente und
seltener Leistungen oder Folge von Zufällen und Konjunkturen, von künstlichen oder
thatsächlichen Monopolen oder gar von unredlichen Mitteln sind. Und glatt, allgemein
läßt sich hierauf weder mit ja, noch mit nein antworten. An die erstere Alternative
glaubt die Geschäftswelt, zu letzterer neigen die socialistischen Schriftsteller, oft auch das
große Publikum. Die Wahrheit wird in der Mitte liegen. Es wird jede Einschräukung
der Möglichkeit unreellen Erwerbes ein sittlicher und socialer Fortschritt fein, während
das größere Eigentum für das größere Talent und die höhere Leistung doch, soweit fie
ehrlich und anständig verfahren, von keinem Vernünftigen ernstlich beanstandet werden
kann. Nur darum kann es sich handeln, die Wege zu finden, um den maßlosen
Monopolgewinn einzuschränken oder zu beseitigen, die Erwerbsarten nach Seite des Rechts
und der Geschäftssitten, eventuell durch bestimmte Schranken des Gelderwerbs so zu
gestalten, daß nicht zu viel rohe Emporkömmlinge und Protzen, nicht zu viele unanständige
Wucherer und gewissenlose Spekulanten sich als die maßgebenden Spitzen der Gesellschaft
ühlen oder gar Gemeinde und Staat beherrschen können.
Jedenfalls aber lassen sich zwei Reihen von Thatsachen und Überlegungen an—
führen, die für den historisch Denkenden jede Wahrscheinlichkeit beseitigen, daß das private
Eigentum am Erwerbskapital im socialistischen Sinne überwiegend oder ganz beseitigt
werden könnte. Es handelt sich einerseits um die psychologisch-sittengeschichtlichen Vor—
gänge, die heute unser Erwerbsleben begleiten, andererseils um die Rechisformen, in
denen das Kapitaleigentum heute mehr und mehr auftritt.
In ersterer Beziehung möchten wir betonen, daß die unteren Klassen nur in dem
Maße sich wirtschaftlich heben können, wie sie selbst diejenigen wirtschaftlichen Eigen—
schaften des Fleißes, des Sparens, der Kindererziehung, des Zurücklegens für die Kinder
sich erwerben, wie sie heute als Folge des Eigentums, des Darlehens, der Geld- und
Kreditwirtschaft die höheren und mittleren Klafsen auszeichnen. Nur indem der Arbeiter,
der Handwerker, der Bauer rechnen, buchführen, kalkulieren lernt, alle Preise kennt und
verfolgt, kurz in gewissem Sinne ein Geschäftsmann wird, kann er dem Druck der Über—
legenheit der heutigen Kaufleute und Unternehmer sich entziehen. Nur Menschen, die
fähig geworden sind, EKigentum sich zu erarbeiten, es richtig zu verwalten und ihren
Kindern entsprechende Gewohnheiten einzuimpfen, sind auch fähig, Eigentumsanteile an
einem genossenschaftlichen, gemeindeartigen oder staatlich gemeinsamen Besitz richtig zu
gebrauchen, sofern und soweit die weitere Entwickelung Derartiges bringt. Vom Drucke
der Besitzlosigkeit läßt sich der heutige und zukünftige städtische und gewerbliche Arbeiter
nur vereinzelt noch durch ein eigenes Häuschen oder ein eigenes Garten- und Ackerstück,
aber ziemlich allgemein bei rechter Erziehung und Entwickelung durch einen Anteil, eine</div>
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