30 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. [488 kaufmännische Korporationen und Handelskammern ins Leben gerufen und in ihrer Verfaffung geordnet worden. Mehr und mehr siegt allerwärts das Princip kaufmännisch⸗ berufsmäßiger Selbstverwaltung unter Staatsaufficht und im Rahmen einer normierenden Staatsgesetzgebung. Das volkswirtschaftlich Wichtigste ist, daß durch die Börsen einmal für den großen Kapital- und Wertpapierverkehr, dann für den in den wichtigsten fungiblen Waren des Weltmarktes, Getreide, Kaffee, Baumwolle große eentralifierie, täglich funktionierende Märkte sich gebildet haben, auf denen Angebot und Nachfrage der einzelnen Gebiete und Länder sich mit denen des ganzen Weltmarkts in Berührung und Ausgleich setzen. Indem hier neben das tägliche Bargeschäft das für Wochen und Mongte laufende Termingeschäft tritt, werden die Umsaͤtze gesteigert, wird sofortiger Ein- und Verkauf der größten Posten möglich, wird der Scharffinn für Beobachtung der Ursachen künftiger Preise gesteigert. Vorräte und Preise gleichen sich mehr aus, der Bedarf ver einzelnen Gegenden und Länder wird besser gedeckt; die selineren und größeren Preiswechsel ver—⸗ wandeln sich in kleinere, täglich stattfindende. Wir kommen uͤnken auf das Wesen und die Schattenfeiten der Spekulation und des Terminhandels zurück. Sie sind sicherlich sehr groß und müffen bekämpft werden, nur nicht durch plumpe Verbote des Termin? handels, welche auch das legitime Geschäft vernichten. Die Bekümpfung der Börsenmißbräuche wird durch die Verfafsung der Börfe selbst an die Hand gegeben: sie ist ein genossenschaftlich oder obrigkeitlich geordneter Markt, mit mehr oder weniger Offentlichkeit, mit seften Sittlen und Gepflogenheiten; fie giebt sich oder erhält Statuten, stellt Geschäftsformen im Gesamtinteresse fest, deren jeder Teilnehmer sich bedienen muß. So findet mehr oder weniger eine Ordnung des Geschäfts⸗ lebens, eine Konkurrenzregulierung statt, die freilich unvollkommen, durch die egoistische Macht einzelner beherrscht, aber auch durch vernünftige Gerechtigkeit und die Gesamt⸗— interessen beeinflußt sein kann. Durch das Aufnahmerecht, oft auch durch die Zahl der Stände, die Art ihrer Erwerbung wird bestimmt, wer an der Börse teilnehmen kann. Die eine Börse läßt demokratisch, ohne Prüfung jeden, auch den Laien zu; die andere nimmt nur gut empfohlene Geschaftsleute auf Grund eines prüfenden Aufnahme⸗ — — Besucher, ohne daß die letztere entsprechend größere Geschäfte machte. Durch ihre Disciplin, ihre Ehrengerichte bestimmt die Börse das Maß von Anstand, Ehrlichkeit, lohaler und illoyaler Konkurrenz, das an ihr, oft auch das überhaupt an dem Platze herrscht. Durch die Art, — veröffentlicht, trägt sie zu richtiger oder falscher Preisbildung bei; durch die Art, wie sie die Vertreter der Presse behandelt und kontrolliert, hat sie einen Einfluß darauf, ob bestochene oder ehrliche Berichte in der kaufmännischen Prejse überwiegen. Die Organe der Börse bestimmen die Waren und Effekten, die an der Börse gehandelt und die Geschäftsformen, in denen gehandelt wird; indem sie zum Handel und fur Kursnotierung nur Effekten zulassen, die ein Börsenkommissariat geprüft hat, üben sie eine gewisse Auswahl und Censur, hindern sie die gröbsten Taͤuschungen und Betrügereien. Die Börse oder das Gesetz bestimmen, in weschen Waren und Effekten überhaupt Termin— handel, d. h. ein groͤßer Spekulationshandel standfinde. — Die Börse ist heute der Markt aller Märkte, der Mittelpunkt alles großen Geschäftslebens geworden. Die Börsenmeinung an ihr ist die Destillation der Geschaäfis— kenntnisse aller leitenden wirtschaftenden Persoͤnlichkeiten. Indem sie den Kapitalmarkt beherrscht, verfügt sie darüber, ob und zu welchem Preis Kapital fürs Ausland, für die Regierungen, für bestimmte Geschäftszweige, für Neugründungen aller Art vorhanden sei; ihre Kurse sind der Baromeler fürs ganze nationale und internationale Geschäfts— leben. Sie ist gewissermaßen das Gehirn der Volkswirtschaft geworden. Die Böoͤrse zertrümmern, weil sie Auswüchse und Schäden hat, weil ihre Centralisation der Geschäfte einzelne riesenhaft bereichert, heißt doch das Infirument lahm legen, das die Vells wirtschaft leitet. Wo und soweit einzelne Geschäftszweige ihrer nicht bedürfen, machen sie schon