491] Der ältere Hausier- und ansässige stehende Handel. 33 geschaffen, welche durch internationale Geschäfts— und Marktkenntnis und großes Kapital anfingen, die Fürsten in ihrer Politik, die Märkte, die großen Compagnien, wie —DDDDODD großen Reeder und Händler der Seestädte mit Rohftoffen und Manufakten, die Getreide-, die Kohlen-, die Seiden-⸗, Baumwollgewebe- und Tuchhändler u. s. w. auf. War die Getreideansammlung, Vorratshaltung und Verteilung in Notzeiten, die Beherrschung der Getreidepreise n älteren Epochen mannigfach Sache der Regierungen, der städtischen Magazin⸗, der fiskalischen Annonarverwaltungen gewesen, mehr und mehr, besonders seit 1770 1880, überließ man Derartiges dem privaten Großhandel. Die Händler mit Eisenwaren, die Buchhändler und andere große Kaufleute kamen hinzu. Die Mäkler als lokale Ver— mittler des Großhandels waren aus ursprünglichen Wirten und Fremdenführern zu konzessionierten, kontrollierten halbamtlichen Vertrauenspersonen des Marktes, der Regierung und der Händler geworden, denen jedes eigene Geschäft untersagt war. Ihnen, wie allen am Geschäftsleben Beteiligten war durch korporatibe Verfassung, durch Sitte, Statuten und Rechtssatzung ein fester Rahmen der Thätigkeit, bestimmte Gewinn. chancen vorgeschrieben. Dem Handwerker war der Handel, dem Kaufmann, meist auch dem Verleger, die Thätigkeit des Heimarbeiters und alle gewerbliche Produktion ver boten; dem Bewohner des platten Landes, dem Haufierhändler wie deim Fremden standen Hinderniffe aller Art im Wege. Und setzte der Groß- und Kredithändler fich da und dort über die alten Schranken hinweg, verlangten von Peter de la Court, dem holländischen Großhändler des 17. Jahrhunderts, bis zu A. Smith viele Stimmen ihre Beseitigung, sie bestanden doch in weitem Umfang bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts. Noch existierten bis in die Zeil der Eisenbahnen große Gebiete der Volkswirtschaft, die der Hündler gar nicht berührte: die Eigenwirtschaft der Familie, besonders auf dem Lande, umfaßte noch 80 —80 Prozent aller Produktion, der alte Verkehr zwischen Stadt und Land lebte noch 1880—2 70 meist ohne Zwischenhändler. Soweit die große Masse des übrigen Volkes, soweit der Landmann, der staädtische Mittelstand, der Beamte, der Soldat, der Arbeiter der Händler bedurfte, stand er ihnen gewiß meift kenntnislos gegenüber. Das Händlertum hatte zwischen Konsument und Produzent eine meist sichere, ost monopolartige Stellung ; der Handel ging lange Zeiten seine gleichmäßigen Bahnen. Der Gewinn war ein im ganzen stetiger; er war im Kleinhandel und auch sonst vielsach ein mäßiger, aber doch auskömmlicher, im Großhandel meist ein erheblicher, ja sehr bedeutender; überall jedenfalls bewegte er sich, wie das ganze kaufmännische Gebaren, in den hergebrachten Bahnen von Sitte, Gewohnheit und Recht; die Markt— einrichtungen beherrschten und regulierten die Gewinnmöglichkeiten, legitimterten in den Augen des Publikums den kaufmännischen Erwerb, mochte er klein vder groß sein. Diese hergebrachte Ordnung des Groß- und Kleinhandels seit vielen Generationen hatte meist einen Zuftand geschaffen, wie ihn Fuchs und Elliffon von den sfämtlichen Gliedern des Liverpooler Baumwollhandels aus der Zeit von 1770 — 1860 rühmten: es herrschte allgemeines Vertrauen, allgemeine Ehrenhaftigkeit, allgemeine, die einzelnen kontrollierende Offentlichkeit, ein gewisser Grad von anständigem Wetteifer, aber keine Mißgunst, kein harter Konkurrenzkampf. Etwas spießbürgerliche, korporative Ehrbarkeit war die Signatur des europäischen Handels von 1800 I1850. Und daher ist auch seine optimistische Verherrlichung in der beginnenden volks— wirtschaftlichen Litteratur begreiflich. Die Dichter preisen ihn, wie die Politiker und Staatsmänner. Er gleicht Uberfluß und Mangel aus, schafft erst Brauchbarkeit und Wert, er erzeugt die höheren Bedürfnisse, bringt die Güter der höheren Kultur. Un— zweifelhafte Wahrheiten! die nur die Kehrfeite übersehen, die in seiner Machtstellung, in seiner beginnenden Beherrschung der übrigen Klafsen, in seiner teilweise unpvollkommenen Organisation, in dem bei ihm viel stärker als bet allen übrigen Klaffen ausgebildeten egoistischen Erwerbstrieb schon damals lagen. — 156. Der Handel und die Handelsorganisation. b) Der heutige GBroß-, Klein-⸗ und Wanderhandel, die Handelshülfsgewerbe, der Spekulationshandel, das Warenhaus. Die wesentlich andere Form und Schmoller, Grundriß der Volkswirtschaftslehre. II. 1.-26. Aufl. 9