5071 Konkurrenz verschiedener Klassen und Betriebsarten. 49 können nicht die Absicht haben, sie zu erschöpfen. Nur das sei noch betont: die steigende Ungleichheit der socialen Klassen an persönlichen Eigenschaften und an Besitz muß nicht bloß die Dringlichkeit der Geschäfte für die Glieder der verschiedenen Klassen sehr ver— schieden gestalten, sondern auch die Folgen der Konkurrenz. Jeder Wetilauf relativ gleicher Menschen erscheint uns überwiegend als eine Kräftebelebung, jeder Weltlauf jehr ungleicher aber leicht als eine Barbarei, wobei der Schwächere unterliegen muß. Freilich nicht bloß die Ungleichheit der Klassen, auch sonstige Ungleichheiten kommen da in Frage, z. B. die der Raͤfse und die des Geschlechtes. Wenn der polnische und russische Arbeiter den deutschen, der chinesische den amerikanischen Arbeiter unterbietet, so entsteht dadurch nicht leicht eine Hebung der schwächeren Rafse, sondern eine Herab— drückung der Lebenshaltung in ganzen Gebieten. Wenn an Stelle der Männer- die billigere Frauen- und Kinderarbei bevorzugt wird, so wird damit weder die Maͤnnere, aoch die Frauenarbeit an sich angespornt, wohl aber unter Umständen in weiten Kreisen die ganze körperliche und geistige Zukunft der heranwachsenden Generation bedroht. Die gesteigerte Ungleichheit der konkurrierenden Kräfte bedeutet es, wenn nicht mehr bloß Personen, sondern auch Personenorganisationen neben⸗ und gegeneinander in der Konkurrenz stehen. So lange ersteres nur der Fall ist, — so lange nur Arbeiter oder Handwerksmeister, auch so lange nur Hausfrauen auf dem Markte nebeneinander stehen, wird die Konkurrenz derselben untereinander wohl stets eine mäßige bleiben; auch im schlimmsten Falle, wenn ein Arbeiter oder Handwerksmeister in seinem Beruf keine Stelle mehr findet, so sucht und findet er einen Arbeitsplatz, für den seine Kraft genügt; der brotlose Schuster wird Portier oder Diener einer Lesegesellschaft. Selbst das Aufgeben eines Ladens, einer kleinen Werkstatt, so hart das für den Inhaber fein mag, ist für die Gefellschaft kein großes Unglück. Die Konkurrenz zwischen Personen und kleinen Geschäften bedeutet im ganzen nur die richtige Abstufung ihres Einkommens nach ihrem Könuen, ihrer Geschicklichkeit. Fast nur einen jolchen Wettbewerb gab es in den Tagen Turgots und Adam Smiths. Ganz anders wird die Wirkung, wenn neben Personen und kleine Geschäfte große Magazine, Fabriken, Groß-⸗ und Riesenbetriebe treten. Die persönlichen Kräfte sind nun durch eine weite sociale, geistige und Vermögenskluft getrennt. Das große Geschäft kann durch seine Mittel, seinen Kredit, seinen groößeren Verdienst von Jahr zu Jahr sich ausdehnen und so dem kleinen die Kunden wegnehmen. Eine Wirkung der Kou— kurrenz im Sinne des Anspornens, der Kräftebelebung der Kleinbetriebe ist von Anfang an meist ausgeschlossen. Der Großbetrieb vernichtet vielfach den kleinen; man mag das für ihn beklagen; wenn das Ganze dabei gewinnt, muß es hingenommen werden Aber das ist eben die Frage, ob und in wieweit das Gauze nur Vorte habe, wenn mit wpachsendem Verkehr alle Geschäfte und besonders die großen einen unmer stärkeren Wettbewerb sich untereinander machen. An Anspornung fehlt es dabei nicht; aber auch nicht an ungeheuerer Verschwendung von Kapital und Arbeit, die eben für den Reibungsprozeß der Konkurrenz nölig wird Ich führe nach den Mitteilungen von Jenks aus der neuesten amerikanischen Trust⸗ enquete folgendes an:c in vielen Gewerbszweigen find die Reklamekosten heute so groß, daß man, sie sparend, die Waren um den halben Preis geben könute. Hunderte und Tausende von Reisenden besuchen alle paar Wochen die Abnehmer, um sich den Absatz streitig zu machen; die überflüssigen derartigen Ausgaben im nordamerikanischen Wiskey⸗ geschäft werden auf 40 Mill Dellat, jährlich geschätzt. Wo in großen Sitaaten di— einzelnen Geschäfte ihre Abnehmer uüberalt zerstrent haben, werden Millivnen fur Fracht ausgegeben, die gespart würden, wen jeder Käufer bei dem ihm nächsten Geschäft aufte · Große Anlagen an ungeeigneten Drinn unfähigen Händen vergeuben Kraft had Kapital: in den Vereinigten Staaten machten sich 40 große Zuckerraffinerien Konkurrenz; als 18 mit enormen Verlusten Bankeroll gemacht, wurde der Trust gebildet, er schloß noch viele Betriebe und lieferte mit den Rest leicht den ganzen Bedarf Konkurriennde Eisen bahnen und Verkehrsanstalten überhaupt haben manchen Landern Milliarden unnötig gekostet. Schmoller, Grundriß der Volkswirtschaftslehre. I1I. 1.-6. Aufl.