50 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. 508 Das ganze Konkurrenzsystem in den Gebieten des vollendeten Verkehrs und des Großbetriebes erzeugt so neben höchster Anstrengung maßlose Verschwendung; es begunstigt aber auch durch die riesenhaften Interessen brutale Rückfichtslosigkeit, ja unehrliche Mittel, Erkaufung der Presse, unter Umständen der Parlamente und Gerichte, ja einzelner Minister. Die großen amerikanischen Gesellschaften zahlen jährlich an Partei— führer und Parteien Summen von 100 000-150 000 Dollars. Und zuletzt wird immer leicht die Folge sein, daß die Großbetriebe sich als Kartell vereinigen, oder daß einzelne Riesenbetriebe alle anderen aufsaugen und so zum Monopol kommen, das die Konkurrenz ganz aufhebt, wie die Preisverabredung es schon teilweise thut. Seit es Konkurrenz- und Marktkämpfe giebt, haben immer die klügsten Interessenten versucht, solche Verbindungen herzustellen. Die Zünfte waren dasselbe, was heute die Fabrikautenvereine, Trusts, Ringe und Kartelle sind. Es ist immer für die eine Gruppe auf dem Markt das Vorieilhasteste, wenn sie zu einer Art Monopol oder zu Preis⸗ verabredungen kommt, auf ihrer Seite die Konkurrenz ganz oder halb stillstellt, auf der entgegengesetzten Seite sie aber um so ungestörter wirken läßt. Die heutige Tendenz auf Moͤnopole uͤnd Ringe wäre nicht so stark, wenn nicht der Konkurrenzdruck ein so riesengroßer, für Jahre alle Gewinne in Frage stellender wäre. Auch die Arbeiter juchten nicht in den Gewerkvereinen und Gewerkschafsten so eifrig Hülfe, wenn nicht der Konkurrenzdruck ihre ganze Lebenshaltung und Erxistenz bedrohte. So oft die Gesetz- gebung Derartiges zu hindern suchte und thatsächlich auch hinderte, immer kam es ieder. Die Webbs konnten nicht mit Unrecht sagen, Konkurrenz hindernde Verab— redungen seien ebenso natürlich wie die Konkurrenz selbst. Aus ihnen gehen teilweise die Konkurrenzregulierungen hervor, die wir weiterhin zu betrachten haben. Unser vorlaͤufiges Resuliat ist einfach: Die Konkurrenz wächst mit der Dichtigkeit der Bevölkerung, den ausgebildeten Verkehrsmitteln, der wachsenden Abhängigkeit vom Markt. Sie hat heute einen Umsang und eine Kraft erreicht wie niemals früher. Wenn sie die alte Gemächlichkeit des wirtschastlichen Lebens aufhob, so belebte fie dafür die wirtschaftliche Anstrengung und Energie, beförderte ein dem Fortschritt günstiges Ausleseversahren. Aber wo die Konkurrenzkämpfe über ein gewisses Maß hinausgehen, wo sie, wie so vielfach heute, eine übermäßige Härte erreichen, wo fie zwischen zu ungleichen, zwischen weit getrennten socialen Klassen, zwischen zu verschieden focialen Organen, zwischen immer größeren Organisationen stattfinden, da üben sie nicht bloß für breite Schichten der Gesellschaft eine bedrohende, herabdrückende Wirkung aus, sondern schädigen auch durch mancherlei Nebenfolgen die Gesamtheit, verderben durch ruhelose Hast, durch vergiftende Selbstsucht die im Daseinskampf zunächst Gewinnenden innerlich, steigern die Konkurrenzkämpfe zu Klassenkämpfen, deren Beseitigung jeder weise Politiker erstreben muß. Wo sie zum wirtschaftlichen Monopol führen, ist Ausbeutung, Bewucherung, Klassenherrschaft oftmals die letzte Folge, wenn das Monopol nicht unter oͤffentliche Kontrolle oder Verwaltung gestellt wird. 180. Offentlichkeit und Konkurrenzregulierung; ihre ältere Form, ihre Beseitigung 1780 -1870. Von dem eben gewonnenen Standpunkt aus werden wir uns fragen, was gegen die Auswüchse der Konkurrenz durch die Offentlichkeit und durch die gesellschaftliche Regulierung der Konkurrenz, wie sie die Verbändẽ einerseits, Gesetze und Institutionen andererseits herbeiführen, geschehen könne. Alle Konkurrenz selbst hängt ab von der Berührung der Menschen, von dem Sich-Sehen und -Sprechen, von der Orientierung aller Beteiligten übereinander, über Preise, Vorräte, Warenqualität, von den Kenntnissen und Nachrichten, die die Beteiligten sich verschaffen können, oder die ihnen geboten werden. Reben der all gemeinen wirt— schaftlichen Erziehung ist es eine guͤte oder schlechte Organisation der Hffentlichkeit, eine anständige oder unanständige kausmännische Prefse, welche maßgebend, auf die Art der Konkurrenz wirkt. Vieles unterläßt der Geschäftsmann, wenn er weiß, daß es sofort bekannt wird. Die Unkenntnis von Angebot und Nachfrage kann leichter ausgebeutet werden, wo die eine Seite sehr viel schlechter orientiert ist. Eine möglichst gut, rasch und wahrheitsgetreu fungierende Hffentlichkeit ist das Lebenselement der guten Wir—