511)]. Die Konkurrenz der liberalen Wirtschaftspolitfki. 33 sich ausgebildet hatten, waren in den meisten Staaten bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts von staatlicher Konzesstonierung abhängig; ebenso allgemein die Aktiengesellschaften und andere Groß- und Riesenbetriebe, die neuen Verkehrsanftalten, die Versicherungs- und Bankgeschäfte. Staat und Polizei hatten damit die Entstehung — nöglichkeit die Konzession erteilen; sie beherrschten damit mehr oder weniger die Kon— kurrenz. Die Aufgabe war lästig, die Ausführung oft schwerfällig und parteiisch, die Sachkunde der Behörden nicht genügend. Bestechung und andere Kosten wurden beklagt; wo es sich um parlamentarische Konzessionen handelte, wie in England, war die Sache nicht besser, sondern teurer, langsamer, von Parteiinteressen beherrschter. Was war verständlicher, als daß mit dem Glauben an die natürliche und harmonische Volkswirt— schaft das ganze Konzessionssystem in Mißkredit kam und hier vollständig, dort teilweise beseitigt wurde. Und es wird sich nicht leugnen lassen, daß die Aufhebung vielfach, vielleicht sogar meist günstig wirkte, zumal wo es sich um kleinere Geschäfte handelte. Die Konkurrenz wuchs, Angebot und Nachfrage konnten in vielen Zweigen besser als die Polizei die Zahl der Geschäfte regeln; die selbstbewußte Unabhängigkeit des Unter⸗ rehmertums nahm zu. Aber auch große Mißstände entstanden da und dort: ein übermäßiges Anwachsen der Schankgewerbe, des Pfandleihgeschäfts, der Detailläden, der Tingeltangel und anderer, teilweise weniger wünschenswerter Betriebsarten. Man sah vielerorts, daß nur das Interesse der Kapitalanlage Unternehmungen vergrößerte oder schuf, deren Existenzberechtigung zweifelhaft war. Man griff nach längerer oder kürzerer Zeit auf eine Konzesfionierung nach dem Bedürfnis wenigstens für einzelne Geschäftsarten zurück. In Paris hat die Aufhebung der Bäckerkonzessionen und der Brottaxen von 1866—1880 die Zahl der Bäcker verdoppelt, die Geschäste verkleinert, das Brot verteuert, den technischen Fortschritt aufgehalten. Die Aufhebung der Kon⸗ zessionierung der gewöhnlichen Aktiengefellschaften hat die Konkurrenz in den meisten dändern zeitweise sieberhaft gesteigert, den Großbetrieb sehr begünstigt, dem Kapital in der Aufschwungsperiode freieste Vahn und, große Gründergewinne zugeführt, aber sie hat auch den Schwindel, den Betrug, die UÜberproduktion da und dort gefördert. Und bereits fragt man sich, ob nicht die Ringe und Kartelle mit ihrer Politik der Ver— hinderung neuer Konkurrenzgeschäfte thatsächlich eigentlich wieder auf eine Art von Kon⸗ zessionszwang zurückführen, der vielleicht sachkundiger, aber nicht unparteiischer sei als der alte, bureaukratisch gehandhabte. Auf manchen Gebieten, z. B. auf den der Ver— kehrs⸗, Versicherungs- und Notenbankanstalten, hat man auch nie das Konzessionsprincip beseitigt, nie das freie Spiel von Angebot und Nachfrage allein walten lasfen. Für Sroßbriiannien wird behauptet, ein Viertel alles englischen Kapitals sei heute in Betrieben (hauptfächlich Eisenbahnen) angelegt, welche der parlamentarischen Konzession bedürfen; ie seen die vor dem Druck der Konturrenz geschützten und daher in der Lage, Monopoldididenden zu zahlen. Die Freizügigkeit, Niederlassungs- und internationale Wan— derungsfreiheit' die sie 1800—1870 entstand, war ein unentbehrliches Mittel, die Bevoͤlkerung im Raume den neuen Verhältnissen entsprechend zu verteilen. Die Konkurrenz wuchs damit erheblich, die Löhne stiegen. Die Kehrseite ist, daß nicht bloß wirtschaftliche Zwecke, sondern auch Genußsucht und andere ungünstige Motive die Zu— und Abströmung beherrschen, daß das platte Land teilweise sich entvblkert, und daß daneben in den Fabrikdistrikten und Großstädten Arbeitermassen sich ansammeln, die beim kleinsten Ruckgang der Konjunktur der Armenunterstützung und der Notstands— arbeiten bedürfen, daß das Einströmen von Arbeitermassen niedriger Rasse und Lebenshaltung manchenorts alle Anstrengungen für die Hebung der unteren Klassen dernichtet. Gegenüber den maßlosen Überspannungen des alten Sperr- und Schutzsystems waren die Ansätze zu freierem internationalen Handel, wie sie 1780—1790, dann wieder 18181840 einsetzten, und der Sieg der Freihandelsideen von 18451875 ein großer Fortschritt. Damit erst wurde eine weitgehende internationale Teilung der