523) Die neueste Ordnung des Maß- und Gewichtswesens. 65 ist eine erhöhte Garantie für die dauernde Erhaltung der konventionellen Grundlage des Systems gegeben, und die Wahrscheinlichkeit weiterer inlernativnaler Ausdehnung desselben gewachsen. Die Ein- und Durchführung des metrischen Maß- und Gewichtsfystems in Deutschland hat in Zusammenhang mit den Forischritten der Präcistonstechnik und mit der Wirksamkeit der physikalisch-echnischen Reichsanstalt in Charlottenburg, welche gewisse seinere Meßinstrumente, z. B. elektrotechnische, prüft, dazu geführt, daß der heutige Zustand ein im ganzen befriedigender bei uns ist. Im einzelnen hängt er davon ab, wie die sogenannten Aichungsbehörden, welche die gewöhnlichen Maße, Gewichte und Wagen prüfen und stempeln, fungieren, wie weit ihre und der Polizeibehörden Kontrolle geht, wie weit der Zwang reicht, nur amtlich geaichte Maße, Gewichte und Gefäße zu brauchen, und wie mit der wachsenden Sicherheit und Ehrlichkeit des Verkehrs alle Handelsgebräuche und Sitten sich dem entsprechend verfeineru. Dahin gehört das Vordringen des Handels nach Gewicht an Stelle des Handels nach Hohlmaß, die steigende Anwendung von Meßinstrumenten für die Qualität, wie sie im Spiritus— handel bei uns schon rechtens ist; — dann die Ermächtigung, die durch Gesetz vom 27. Mai 1896 8 85 jetzt der Bundesrat hat, für einzelne Gebiete des Handels vor— zuschreiben, daß er nur in gewissen festen, konventionellen Mengen, 3. B. Kilogrammen, Litern stattfinden dürfe. Nach diesen Richtungen hin sind noch große Fortschritte möglich, vor allem auch im Verkehr der Arbeiter mit den Unternehmern; in England z. B. werden die Wagen, welche die durch die Arbeiter geförderten Kohlen verwiegen, durch diese selbst mit kontrolliert, was in Deutschland nicht stattfindet. Es handelt sich bei allen diesen Fortschritten um die Vereinheitlichung und Ethisierung der Verkehrstransaktionen, wodurch zugleich die Sicherheit und Raschheit der Geschäfte, die Gerechtigkeit in Handel und Waudel wächst. Stets müssen die öffent— liche Meinung und die Sitte ebenso mithelfen wie der staatliche Zwang, die staatlichen Einrichtungen und die Strafe. 163. Entstehung des Geldes und der Münze. So gering der Tausch— oerkehr primitiver Menschen sehr lange Zeiträume hindurch war, so hat er doch, wie wir sahen, nie ganz gesehlt. Und nicht bloß halten früh einzelne Häuptlinge mit Nachbarhäuptlingen Schmuck und Waffen, einzelue Stammesglieder mit anderen auf dem Markte Vich und anderes zu tauschen, es waren daneben und vielfach in großem Umfange Weiber zu kaufen, Bußen zu zahlen, Tribute an Fremde und Abgaben für Stammeszwecke zu entrichten. Jeder Naturaltausch mußte den größten Schwierigkeiten begegnen, sofern der eine wohl das Gut des andern, aber nicht leicht dieser das des ersten brauchen konnte, sofern viele Güter nicht teilbar, nicht aufzubewahren waren; man kam über die Hauptschwierigkeit nur hinweg, wenn der das Slück Vieh, den Sklaven, das Schwert des andern Begehrende bereit uüud fähig war, ein Gegengut zu geben, das allgemein beliebt, immer leicht wieder anzubringen, allgemein „gangbar und markt— fähig“ war. Und auch beim Weiberkauf, bei den Bußen und Abgaben, nahmen die Bezugsberechtigten nicht gern alles, sondern bevorzugten Vieh, Metalle, Felle, Muscheln, kurz Güter, die auch bei den Nachbarn Absatz sanden, die allgemein auf dem Markte begehrt wurden. So entstanden sehr früh gewisse Gruppen von vorzugsweise begehrten und beliebten Gütern als allgemeine Zahl- und Tauschmittel, Güter, die zunächst dem Bedürfnis noch ebenso direkt dienten, wie sie daneben von Hand zu Hand gingen, die aber doch nach und nach wegen ihrer Brauchbarkeit für den Markt und fuür audere Zahlungen eine eigentümliche Stellung, eine besondere Wertschätzung erhielten, bald auch wegen der Sitte, sie weiter zu geben, vorzugsweise in bestimmter Art, Form, Groöße hergestellt wurden, so weit dies möglich war, in bestimmter Qualität ausgelesen und zur Zahlung benutzt wurden, soweit he Leine Naturprodukte waren di Metalle wurden in bestimmter Schmuck- oder Nutzform, als Messer, Pflugschar, Ring, oder auch in Platten, Kugeln, Würfeln von gleicher oder ähnlicher Größe bevorzugt, die Felle mußten die Schnauze des Tieres noch haben, die Stücke Wollgench— mußten als Schmoller, Grundrißk der Volkswirtschaftslehre. II. I.26. Auf.