216 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. —1674 Kapital in Geldform dahin zu schicken, so wird durch eine entsprechende Erhöhung des Diskonts der Centralbank eine Gegenbewegung erzeugt. Man meinte früher, es geschehe dadurch, daß mit der Diskontoerhöhung und der damit gegebenen geringeren Diskontierung und Notenausgabe eine Kottakticn der Cirkulationsmittel, ein Sinken der Preife und durch dieses eine Vermehrung der Waren— ausfuhr, eine Verminderung der Einfuhr und des Geldabflusses einirete Heute legt nan nach den Ausführungen Goschens den Nachdruck auf etwas anderes: man sagt: erhöhter Diskonto oder Versteifung des Geldmarktes bewirken viel rascher, als sie Warenwertsänderungen und Veränderungen im Gange des Warenhandels erzeugen, eine Reihe von Kreditoperationen bezüglich der inneren und der international vorhandenen Werte und Gelder. Die Erhöhung ermäßigt die Nachfrage nach Kredit und Geld und lockt alles mögliche Kapital und Geld aus seinen Winkeln nach den Banken, sie bewirkt dapital- und Geldübertragungen aus dem Ausland und erzeugt damit wieder ein normales Verhältnis zwischen Nachfrage und Angebot, zwischen den Anforderungen der Wechseldiskontierung und den verfügbaren Milleln der Banken. Wenn die Diskontpolitik und damit da, wo die Centralbank die Diskonthöhe überhaupt beherrscht, die ganze Bewegung des kaufmännischen Zinsfußes nicht bloß von der Menge des disponiblen Kapitals und der Nachfrage nach ihm, sondern auch von den allgemeinen Ursachen der Zahlungsbilanz, der Edelmetallbewegung und ⸗menge beherrscht wird, so pflegen kurzsichtige Geschäftsleute und Spekulanten, sowie deren Advokaten in Parlament' und Presse darüber zu klagen. Aber vom Standpunkt des Besamtinteresses mit Unrecht. Die Zahlungsbilanz ift eine der wesentlichsten Ursachen auch des Angebots von kaufmännischem Kapital; und die Sorge für ausreichende Zahl⸗ mittel ist eine notwendige Voraussetzung ausreichenden Wechselkredites. Eine gute Diskontopolitik besteht eben darin, bei Zeiten für Füllung der Kasse der großen Centralbanken und für genügende Zahlmitlel im ganzen Lande zu sorgen. Vorüber— gehende Verteuerung des Kredites durch sie bedeutet bessere Lage in den folgenden Monaten. Gute Diskontpolitik ist bewußte Preisbildung, die in Erkenntnis von Angebot und Nachfrage doch von höheren Gesichtspunkten aus diese selbst in gewissem Sinne meistern und leiten will und kann. Wir werden das im folgenden Kapitel, bei der Betrachtung der Notenbanken noch deutlicher sehen. z. Die Kreditorgane und ihre neuere Entwickelung. Das Vankwesen. Alteres Kreditwesen, Girobanken: Nafse, Das venetianische Bankwesen im 14., 15. und 16. Jahrhundert. J. f. N. J. 34. 1879. — Gothein, die deutschen Kreditverhältuifse und der Dreißigjährige Krieg. (Ein Neu: Nutzlich und lustiges Colloquium von etlichen Reichstags-Punkten.) 1893. — Ehrenberg, Das Zeilaller der Fugger. Geldkapital und Kreditverkehr im 16 Jahr⸗ — 2 Bde. 1896. — Sieveking, Genueser Finanawesen II. 1899. 6. Halle, Die Ham— urger Girobank und ihr Ausgang. 1891. Allgemeines Bankwesen, Notenbanken: Büsch, Sämtliche Schriften über Bank- und Münz⸗ wesen. 1801. — Gilbart, The history and principles of Bankinge 1887. Nec edit. 1871. - M. Niebuhx) Geschichte der K. Bant in Berlin bis 1945. 1834 Hübnex, Die Banken. 1854. — Macleod, Theory and practice of banking. 2 Vol. 1855, 1892. X. Wagner, Zur Lehre von den Banken. 1857. Ders., Zettelbankpolitik 2. Aufl. 1878. Ders., Der Kredit und das Bank— wesen in Schönberg, H. d. p. S. 4. Aufl. 1. 1896. — Wolows Ki, La question des banques 1864. Ders, La Banque“ de TVngleterre. 1867. — 0. Michaelis, Noten und Deposilen. VJ.s. VB.W. u. K.G. 1865 jetzt Schriften, 2. Bd. — Bagehot, Lombardetreet. 1872; deutsch 1874, 1890. — v. Poschinger, Die Vanten im Deutschen Reiche, J. Bayern, Sachsen. 1874. Ders., Bankwesen und Bantpolitik in Preußen. 8 Bde. 1879 ff. — Cobrtois, Netoeire de la Banque de France ect. 1878. Soetbeer, Deutsche Bankversassung. 1878. — Coœurcellé-Séneuil, Traité théorique et pratique des opérat. de banques. 6. àd4. 1876. — Hecht, Bankwesen und Bankpolitit in den füddeutschen Staaten. 1819 75, 1880 m Wirth, Handbuch des Bankwesens. S Vo h, Die deichohesetgebrcig abe Münge und Bantusengen Aufl. 1800. Sirne, Studien über den englischen Geldmarkt. J. f. GB. 1886. — Ströll, Gegenwart und Zukunft des deutschen NotenbankwesengeJ f. G VB. 1886. — Lotz, Geschichte und Krikik des deutschen Bankgeseßes von 1875. 1888. Ders., Ber Steit um die Verstaatlichung der Reichsbank. 1898.. Lumm, Die Entwickelung des Bankwesens in Elsaß-Lothringen seit der Annexion. 1891. — Breckenrideé'