897). Das Wesen der Grundrente. Ricardo. 489 Prämie für den landwirtschaftlichen Fortschritt. Dann aber, als infolge der wachsenden Bevölkerung, der einseitigen Handelspolitik, der mäßigen damaligen landwirtschaftlichen Fortschritte enorm wachsende Getreidepreise die Gewinne und Renten zumal in England wie fast nie früher hinauftrieben (1770 -1850), da erschien der eben aufblühenden Nationalökonomie (Malthus, Ricardo, Thünen, J. St. Mill) die Grundrente als ein nationales Unglück für die Konsumenten, als ein zu bekämpfendes Monopol. Ricardo stellte die Lehre auf, was der Landwirt und Grundeigentümer an Gewinn, resp. Grund— rente erziele, sei allerdings teilweise Bezahlung von Arbeit und Kapital, hauptsächlich aber Folge der ursprünglichen und unzerstörbaren Kräfte des Bodens; nur diesen letzteren Teil nennt er „Grundrente“; er nimmt an, ursprünglich sei nur der beste und der dem Markt nächstliegende Boden angebaut worden; es gebe, so lange er ausreiche, keine Grundrente in seinem Sinne. Erst wenn mit dem Wachsen der Bevölkerung schlechterer und entfernterer Boden angebaut werde, erhielten die näheren und besseren Boöden eine steigende Grundrente in seinem Sinne. Die Grundrente stellt sich ihm so dar als eine Folge der Kargheit der Natur, als ein Monopolgewinn der Grundeigen— rümer, welcher die Gewinne der Unternehmer, zumal der gewerblichen und den Arbeits- sohn immer mehr aufzehre. Im Getreidepreise stecke an sich keine Grundrente, denn er werde bestimmt durch den Anbau auf dem schlechtesten und entferntesten Boden, dessen Produkte noch für den Markt notwendig seien. Wir lassen zunächst dahingestellt, ob Ricardo im ganzen recht habe; wir geben ihm aber darin jedenfalls recht, daß im landwirtschaftlichen Gewinn des selbst wirtschaftenden Eigentümers meist außer dem persönlichen Arbeitsverdienst und dem gewöhnlichen Kapitalgewinn (für frühere Arbeit, für Kapitalverwendung, Meliorationen u. s. w.) noch ein Extragewinn für seine monopolartige Stellung enthalten sei, und daß die beiden verschiedenen Elemente (gewöhnlicher Kapital- und Monopolgewinn) auch in der Pacht- rente des Grundeigentümers mit einander verbunden seien. Aller Streit über die Grundrente beschränkt sich sonach darauf, in welchem Verhältnis diese beiden Elemente ——— hre allgemein historische, dann ihre geographisch-ortliche Ausbildung prüfen. Die Unter⸗ suchung ist deswegen so schwierig, weil beide Elemente im Leben stets untrennbar ver— bunden sind, weil man die Zunahme der Grundrente (wir verstehen darunter die Ersatz⸗ plus der Monopolrente) meist nur aus der Höhe der Kauf⸗- und Pachtypreise erschließen zann, und auf diese auch andere Momente (wie Geldwert., Zinsfuß, zufällige Umstände, Ernten, Kriege u. s. w.) so stark wirken. a) Die historische Frage kann für den Unbefangenen nicht dahin gehen, ob über— haupt der stets beschränkte landwirtschaftliche Boden mit steigender Bevölkerung Extra— gewinne und Monopolrente nach und nach gebe; alle geschichtliche Agrarverfassung, aller steigende Wohlftand der Grundaristokratie, der freien Bauern zeigen das; es folgt aus der Beschränktheit alles Bodens, besonders des sehr fruchtbaren (vergl. J S. 134- 135, 188); sondern nut, in welchem Maße dies geschehen sei. Es fragt sich, wie stets wieder bessere Transportmittel, landwirtschaftliche Fortschritte, Stillstand und Rückgang der Bebolkerung der Monopolrentenbildung entgegengewirkt haben. Hauptsächlich eine richtige Einsicht in die Art, wie die Mehrverwendung von Arbeit und Kapital auf die Roh— und Reinerträge der intensiver werdenden Landwirtschaft wirke, ist die Voraussetzung eines klaren Urteils über die einschlägigen historischen Vorgänge. Daher schicken wir darüber einige Worte voraus. Man hat geglaubt, diese Frage mit einer einfachen Formel beantworten zu können, die man das Gesetz der abnehmenden Bodenerträge nannte. Es geht dahin: die Verdoppelung des Kapital- und Arbeitsaufwandes in der intensiven Landwirtschaft kann von einem bestimmten Punkte an die Ernten nicht mehr verdoppeln; sie steigen fuccessiv in geringerer Proportion. Die Lehre wird damit begründet, daß alles Eindringen von Licht, Wärme und Luft in den Boden eine bestimmte Grenze habe. Thünen zeigte, daß wenn das 4zöllige Pflügen eine Ernte von 100, das 8zöllige nur eine von 181. gebe; Liebig sagte, die doppelte Menge von Ammoniak kann nie die doppelte Ernte