568 Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen. [(1026 Karthago) ebenso wie der nach Spanien und den Säulen des Herkules verboten. Fünf Jahre später setzt ein dritter Vertrag dasselbe für das von Rom einderleibte Kampanien fest. Ein vierter (etwa 806 v. Chr.) hat nach Meltzer im ganzen Ähnliches enthalten, macht aber doch dem römischen, seither gestiegenen Handel etwas mehr Zugeständnisse: Rom soll nicht in sizilische, Karthago nicht in die italischen Verhältnisse eingreifen, Korfika von keinem der beiden Kontrahenten besetzt werden. Wir sehen, es ist eine auf maritime Macht gestützte, die Konkurrenten beseitigende oder einschnürende Handelspolitik: Karthago will seinen Stapel vermehren; es will billig allein in Spanien und sonst einkaufen; seine Kunden sollen teuer allein in Karthago, nicht etwa in Utika und andern Bundesstädten einkaufen. Eratosthenes, der Vater der Geographie (278—-194 v. Chr.), erzählt, daß die Karthager jeden fremden Schiffer, den sie auf verbotener Straße trafen, ins Meer stürzten. In Karthago war jeder fremde Händler stets, wie später in Venedig, streng kontrolliert. Mominsen ver— mutet, daß Karthago seine Bundesstädte — mit Ausnahme Utikas — handelspolitisch schlecht behandelt habe, und daß deshalb dieselben so viel weniger treu gewesen seien als die Roms. Es war die Klippe aller antiken bundesgenössischen Handelspolitik, auch der attischen, und im Mittelalter der hansischen. — b. Aus der Entwickelung der griechischen Handelspolitik treten uns, so weit wir sie zu erkennen vermögen, die zwei entgegengesetzten Züge aller älteren Fremden— politik entgegen. Wir sehen einerseits, daß Stammes- und Religionsgemeinschaft, Bündniffe und liberale Verwaltungspolitik in der Aufnahme der Fremden zur Niederlassung in den blühenden jonischen Staaten, hauptsächlich in Athen, einen modernen, humanen Zug der griechischen Handelspolitik erzeugen. Aber daneben entsteht auch ein brutaler Handelsneid der konkurrierenden, reich gewordenen Städte untereinander. Die Faktoreien, die Milet, Samos, ÄAgina in Agypten erwarben, wurden den übrigen griechischen Städten verschlossen. Das Märchen von der Freiheit griechischen Handels und Verkehrs, das Heeren im Geiste A. Smiths sich erdacht, hat schon A. Böoͤckh zerstört. Er sagt, die Athener scheuten keinen Handelszwang, sobald er ihnen vorteilhaft schien. Wo Attika an fremder Küste Niederlassungen und Märkte gründet, hat die Stadt den dortigen Handel ebenso ausschließlich ihren Bürgern vorbehalten, wie später die Portugiesen, die Holländer, die Engländer. In einem Vertrag mit Keos bedingt sich Alhen aus, die Rötelausfuhr ganz allein betreiben zu dürsen. Mit dem bosporischen Fürsten Leukon verabredet Athen Befreiung der attischen Kaufleute von Ausfuhrzöllen und andere Begünstigungen. Die Getreideausfuhr aus dem Schwarzen Meer sucht es ganz in seine Gewalt zu bringen; neben der Zolffreiheit, die die anderen nicht haben, ver—⸗ langt es das Recht, seine Schiffe stets zuerst laden, auch in Hungerjahren ausführen zu dürfen. Von allem nach Athen kommenden Getreide mußte Zweidritiel der Ladung in Athen bleiben; attische Bürger dursten Getreide nur nach Athen führen. Häufige und lange Handelssperren kommen vor, spielen bei Ausbruch des peloponnesischen Krieges eine Rolle. Im Jahre 445 v. Chr. muß Athen in dem es demütigenden Frieden ver— sprechen, Sparta und dessen Bündner (also hauptsächlich Korinths nicht mehr vom freien Verkehr auszuschließen. Bei der Expedition nach Sizilien scheint es sich wesentlich um Zulassung und Nichtzulassung der einzelnen Städte zu dem wichtigen Industrie— absatz nach und Kornbezug aus dem Westen gehandelt zu haben. Was die Gleich— stellung der attischen Bundesgenossen in Handelssachen betrifft, so läßt Thukydides den attischen Gesfandten in Sparta gegenüber den Klagen der Bündner naiv erklären, es sei recht und sei würdig, daß der Schwächere von dem Stärkeren eingeschränkt werde. Xenophon sagt, die attische Demokratie scheint es vorzuziehen, daß die Bundesgenossen nicht wohlhabend werden, sondern nur so viel behalten, um zu leben und zu arbeiten, und damit außer stande sind, an Aufstände zu denken. Über die Fremdenbehandlung sagt derselbe Autor, Athen würde sehr gewinnen, wenn man die fremden Handelsleute, die ihrer Geschäfte wegen nach Athen kommen, auf eine ehrenvollere und gaftfreiere Weise behandelte. Mag die spätere Zeit, in der Xenophon lebte, Athen längst zurückging, eng—