Werkzeugen und Maschinen und dadurch indirekt in fast jedem Produkte
 menschlicher Arbeit stecken Ersparnisse; einem sich durch
Jahrtausende hindurch erstreckenden Sparen vieler einzelner verdanken
 wir die meisten Kulturgüter, unsere heutige Civilisation. Wie
viele Generationen haben sparen müssen, um allein die Gütermengen
erübrigen zu können, die z, B. heutzutage eine einzige grofse Stadt
in ihren Mauern beherbergt.!‘) Einer der gröfßsten Vorteile, die der
Kulturmensch vor dem Wilden voraus hat, besteht in dem Erbe
dieser von früheren Jahrhunderten mühsam ersparten, uns überlieferten
Güter. Zu unseren Zeiten hat die Bedeutung des Sparens im Verhältnisse
 zu jeder anderen volkswirtschaftlichen Vermögensbildung
nur noch zugenommen. Die Okkupation von bisher unbesetzten oder
unerkannten Naturgütern mul naturgemäfs mit der Zeit immer
schwieriger und seltener werden, während die Vermögensbildung
durch Sparen nicht nur dadurch relativ an Bedeutung ?) gewinnt,
sondern mit der steigenden Kultur auch positiv an Ausdehnung zuzunehmen
 scheint, so dafs eine Frage nach dem Wesen des Sparens
im grofsen mit der bedeutenden volkswirtschaftlichen Frage zusammenfällt,
 wie entsteht das Vermögen und wie vor allem entsteht das
Kapital? Wenn wir hier auch den Sparbegriff so fassen, dals wir
nicht nur die Bildung von Kapital, sondern auch die Bildung von
Vermögen, schlechthin also auch das Anhäufen von nicht produktiven
 Werten: Wie es z. B. im Thesaurieren geschieht, als Sparen

’) A. J. Domela-Nieuwenhuis, Dr. phil.: „Das Sparen ein ökonomischer und
sozialer Grundsatz, Halle a. S. 1889.“ S, 38, (Wo im folgenden „Domela“ eitiert
ist, ist immer dieses Werk gemeint.)
*) Wenn man wie Carey (Principles of political economy, Philadelphia
1837, zu deutsch „Lehrbuch der Volkswirtschaft und Sozialwissenschaft“ von
CO, Adler, München 1866) unter Sparen „Anhäufen“ versteht, so kann man diesem
Vorgange, der dann einem unwirtschaftlichen Thesaurieren gleichkommt, natürlich
keine Bedeutung zumessen, Carey setzt „Sparen“ als das Ergebnis eines stagnierenden
 Zustandes, wo man Wasser in den Cisternen aufspart, der Industrieontwicklung,
 wo man eine Wasserleitung anlegt, entgegen und vergifst dabei
zanz, dafs eben solch eine Wasserleitung eine Kapitalanlage darstellt, die das
Resultat vorhergehender Ersparnisse ist. Carey denkt offenbar bei Sparen nur
an Vermögensbildung, nicht an Kapitalbildung. Domela, der diese Stelle abdruckt,
 führt als Ergänzung dazu aus, „dafs sparsame Völker, wie die Llren, die
Lappen, die Hindu in der Entwicklung zurückblieben“ (S, 65), Demgegenüber
oraucht man wohl nur auf das bekannt sparsame Holland oder das alte Preufsen
hinzuweisen, das wenigstens bis jetzt wohl keineswegs hinter weniger sparsamen
Völkern, wie den Polen, in der Entwicklung zurückgeblieben ist.