verstanden werden. Von der Zerstörung zurückgehalten, „angesammelt“
mus aber jeder Wert werden, der Vermögen bilden soll, und in diesem
Sinne kann überall dort, wo sich Werte nicht durch einmalige Okkupation,
 sondern allmählich aus Einkommenssteigerung ansammeln, dies
nur durch Sparen geschehen sein.
Wir sehen also, dafs Ad. Smith hier vollständig im Rechte ist. Es
ist ebenso notwendig zur Vermögensbildung, dafs die Güter produziert,
wie weiterhin, dafs sie nicht konsumiert‘ werden. Ohne die Quelle der
Arbeit würde das volkswirtschaftliche Vermögensbassin an Gütern leer
bleiben, aber ohne den Damm des Sparens würde sich das Bassin ebensowenig
 füllen, da der Zuflufs der Quelle Arbeit durch den Abfluls der
Konsumtion dann ganz absorbiert werden würde. Der Streit, ob Arbeit
oder Sparen das Vermögen schaffen, läuft also auf einen reinen Wortstreit
hinaus. Der Begriff des Sparens läfst sich aus dem Begriffe der
Vermögensbildung nicht eliminieren, solange der Fleils des Sparsamen
und der gleiche Fleifs des Verschwenders auf die Vermögensbildung
durchaus verschieden wirken. Wenn Rodbertus oder Lassalle das
Kapital allein auf die Arbeit im Bunde mit der Natur zurückführen,
so ist dies eine schöne Phrase, denn ohne das Sparen würde der
gröfste Fleils auch nicht einen einzigen bleibenden Vermögensteil schaffen
— eine Phrase aber, die gefährlich wird, wenn wir daran Folgerungen
knüpfen und das Sparen, weil es nicht vermögenbildend sei, verwerfen
oder seine Bedeutung für die Kapitalbildung abzuschwächen suchen.
Das Sparen ist ebenso eine Wertquelle wie die Arbeit. Damit soll
nicht gesagt sein, dafs man nicht im einzelnen Falle bei der Vermögensbildung
 unterscheiden kann, ob von Seiten des Sparers mehr
Fleilßs oder mehr Sparsinn aufgewandt worden ist, ob z. B. eine ersparte
 Summe von 50 Mk. das Resultat von 300 minus 250 oder von
110 minus 60 gewesen ist, und wir mögen sehr wohl den Fleifs
moralisch höher bewerten und es z, B, lieber sehen, wenn die gleiche
Ersparnis mit mehr Fleils und weniger Sparsamkeit erreicht würde.
Auch ich bin im ganzen dieser Ansicht und möchte das hier, da ich
später nicht darauf zurückkommen kann, hervorheben, dafs ich in der
That den Fleifs in seinen moralischen Wirkungen höher schätze als
die Sparsamkeit, aber man mufs auch hier nicht zu weit gehen und
immer bedenken, dafs auch bei dem gröfsten Fleilse ein wenig Sparsamkeit
 immer dazu gehört, damit Vermögen entsteht. Das Sparen
ist also die letzte, aber eine direkte Ursache der Vermögensbildung. !)
1) Siehe Conrad, Grundrifs, 1. Teil 8 10: „Die Grundlage der Kapitalbildung
 ist das Produzieren von Produktionsmitteln statt von Genufsgütern und