Sparen im privatwirtschaftlichen Sinne heifst weniger ausgeben als
sinnehmen.!) Wenn wir einen Teil der uns täglich zum Gebrauche
zufallenden Güter nicht verzehren, sondern zu künftigem Gebrauche
beiseite legen, so nennen wir diese Handlung im privatwirtschaftlichen
Sinne Sparen. Am klarsten ist dies natürlich dort, wo die Ersparnis
in Geld angelegt wird, aber da wir heutzutage sowieso alle Güter in
Geld umzurechnen pflegen,?) so ist es dadurch überhaupt leicht, bei
ler. Privatwirtschaft festzustellen, ob ein Mehr an Werten angesammelt
worden ist. Ob wir diese Güter selbst produziert haben, ob sie uns
Jurch Zufall, durch Tausch, aus Renten oder aus Kapitalzinsen zugefallen
 sind, ist zur Bestimmung, ob privatwirtschaftlich eine Ersparnis
vorliegt, durchaus belanglos.
Aber nicht jede privatwirtschaftliche Ersparnis . ist zugleich eine
volkswirtschaftliche. Das Aufstapeln von Gütern, die aus einer reinen
fortgesetzten Vermögensübertragung herstammen, kann im privatwirtachaftlichen
 Sinne sehr wohl Sparen genannt werden, nicht aber im
rolkswirtschaftlichen, denn in der Volkswirtschaft hat ja hierdurch
eine Vermehrung der vorhandenen Gütermenge gar nicht stattgefunden.
Der Spieler, der seinen Gewinn nicht verzehrt sondern aufhäuft, spart
privatwirtschaftlich, indem er weniger ausgiebt als einnimmt, volkswirtschaftlich
 wird aber durch seine Thätigkeit kein Mehr an Gütern
zeschaffen, da seine Ersparnisse sich ja nur aus fremden Vermögensteilen
 zusammensetzen, sodafs dem Plus auf seiner Seite das Minus
auf Seiten derer, die an ihn verloren haben, gegenübersteht, ®)

1) Siehe Lexis, Die volkswirtschaftliche Konsumtion (in Schönbergs Handbuch
 der politischen Ökonomie, Tübingen 1896) 8 18: „Wer dagegen in seiner
Wirtschaft einen Überflufs am Jahresende erzielt, ist sparsam zu nennen, wenn
auch die Summe seiner Ausgaben an sich sehr grofs sein und einen bedeutenden
Luxusaufwand mit umfassen mag.‘“
? Die Merkantilisten hielten nur die in Geld angelegten Ersparnisse für
solche, Broggia: „Trattato delle monete, considerate n6 rapporti di legittima
:iduzione di eirculazione e di deposito 1743,“ Sammlung Custodi, Milano 1801;
ebenso Serra: „Breve trattato della cause che possono far abbondare li regni
d’oro e d’argenti, dove non sono miniere“, Sammlung Custodi; ferner Galiani:
„Delle monete“, Sammlung Custodi VII. — Wohl wird die Ersparnis in Geld
oerechnet, zeitweilig in Geld angelegt, aber Geld bleibt meistens doch nur die
Vermittelungsform.
®) Domela :S. 84 sagt hierüber folgendes: „Die Sparsamkeit mufs vollständig
 getrennt gedacht werden von einem Sichbereichern auf Kosten anderer.
Sie darf nicht verwechselt werden mit einer Anhäufung von Schätzen bei einigen
wenigen, die eine zufällig vorhandene günstige Lage ausnutzen, um einen Zustand
 des brutalen Reichtums zu erzeugen, der sich einerseits durch Luxus und