Zweites Kapitel.

Sparmotive und Sparbedingungen.

I. Sparmotive:; KEinleitung. — Unfreiwilliges Sparen, — Drei Sparmotive:
1. Sparen aus Mäfsigkeit (ethisches Motiv), 2. Sparen aus angeborenem Sparinstinkte,
3. Sparen um Vorteile halber (wirtschaftliches Motiv). — Weitere Unterschiede
zwischen den drei Sparmotiven. — Nochmalige Zusammenfassung.
IL Sparbedingungen: A. Angeborener Sparsinn. — B. Erziehung zum
Sparen: 1. indirekte (Klima, Geschichte, Beruf, Kultur); 2. direkte (individuelle
 Erziehung, Erziehung zum Sparen durch den Staat). — C, Aufsere, wechselnde,
 das Sparen beeinflussende Bedingungen: 1. soziale Lage, 2. Sicherheit der
Anlage, 3, Zinsfuls. — Schlulßs.

Einleitung.

Warum sparen wir? Die Natur selbst legt uns das Sparen nahe; !)
dadurch dafs viele der wichtigsten menschlichen Bedürfnisse von ihr
nicht voll oder nur unregelmäfsig befriedigt werden, erzieht sie uns
dazu, die Früchte des Sommers für den Winter aufzuheben und giebt
damit zugleich dem Sparen seine moralische Berechtigung, Das Sparen
vollzieht sich aber nicht gleichmäfsig, sondern ist zu verschiedenen
Zeiten und bei verschiedenen Personen durchaus verschieden,
In Kriegszeiten, in Zeiten der Revolution und öffentlichen Unsicherheit
 gehen die Ersparnisse im grofsen und ganzen erheblich
zurück ,”) um dann in Zeiten der Ruhe wieder zu steigen; aber daneben
giebt es Personen, auf die diese äufßseren Bedingungen scheinbar

1) Siehe Domela 8. 63.
*) Siehe Roscher, Grundlagen $ 45: „Freilich kann sich der Kapitalisierungstrieb
 nur da recht entfalten, wo Rechtssicherheit besteht“, und Anm, 4: „So
finden wir auch in sehr gefährlichen Berufsarten wie dem Kriegs- und Seedienste
wenig Sparsamkeit, desgleichen in Pestzeiten.“ Siehe J. Rae: New prineiples
on the subject of political economy 1834.