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es auch heute noch bei den meisten Menschen unserer heutigen Kultur
mit. Übertriebener Luxus gilt bis zu einem gewissen Grade auch bei
uns noch für verwerflich, die Besitzer der Riesenvermögen unserer Zeit
finden keine ungeteilte Anerkennung, wenn sie den Luxus römischer
Zeiten nachzuahmen versuchen, und es läfst sich nicht leugnen, dafs
unter dem Einflusse unserer christlichen Kultur bei gleich grofsen Vermögen
 heutzutage eine im Vergleiche zu römischer Zeit verhältnismäflsig
 grofse Einschränkung beobachtet wird. Alle sittlich starken
Individuen unter uns werden, wenn nicht aus religiös sittlichen, so
doch aus Vernunftsgründen ihre Bedürfnisse einschränken, nicht nur
um zu sparen, sondern weil ein mäfsiges Leben sittlicher, gesünder
und vornehmer ist. Die Sparsamkeit der Schweizer z. B. würden wir
mit Unrecht blofs auf die Freude am Goldsammeln oder die Hoffnung
auf den durch das Sparen zu erzielenden Gewinn zurückführen, bei
einem so religiösen und sittlichen Volke wird man den Sinn für
Sparsamkeit zum grofsen Teile auch von Mäfsigkeitsgründen ableiten
müssen, Dieses Motiv spielt auch bestimmend bei der Lebensführung
einzelner Stände mit, in ländlichen Kreisen, beim kleinen Bürgerstande
wird oft gespart, weil die Leute, wiewohl sie reich geworden sind,
nicht mit den guten Sitten ihrer Väter brechen wollen, kleine Handwerker,
 die sich ein beträchtliches Vermögen erworben haben, pflegen
teils freilich aus Gewohnheit und weil ihre Luxusbedürfnisse unentwickelt
 geblieben sind (siehe oben), teilweise aber auch um der guten
alten Sitte wegen ihre Lebensweise nicht zu ändern. (Deswegen
täuscht der äufsere Anschein ihrer Lebenshaltung so oft.) Ahnliches
wird in Richesse de Hollande!) von Bauern berichtet, die mit 120 000
Gulden Einkommen nur 1000 jährlich ausgeben. Wo dies Sparmotiv
ausschlaggebend ist, dort werden die äufseren Bedingungen, unter
denen sich das Sparen vollzieht, keine Rolle spielen, Ob seine Ersparnisse
 viel Zinsen oder gar keine bringen, wird für den, der nicht
um des Gewinnes willen sondern aus sittlichen Gründen, aus Mäfsigkeit
spart, nicht ausschlaggebend sein. Bei diesem ersten Sparmotive ist
Selbstzweck die Mäfsigkeit; dafs dadurch gespart wird, ist nur der
indirekte, nicht ausdrücklich gewollte, mehr accidentelle Erfolg der
Mäfsigkeit. Bei den beiden folgenden Motiven fehlt dieser ethische
Charakter, sie sind mehr wirtschaftlicher Natur.
Zweites Motiv: Hier kommt zunächst das Sparen aus angebornem Sparsinn, das
ungeborenem Sparen um seiner selbst willen in Betracht. Dieses Sparen hat nichts

\ Richesse de Hollande (I, 305) und Roscher, Grundlagen 8 229, 1.