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mit dem Vorsorgen für zukünftige Zeiten oder mit einem durch die
Aussicht auf späteren Gewinn inspirierten Sparen zu thun. Nicht die
Aussicht auf späteres Wohlleben, auf die Macht, die der zu erwerbende
Reichtum verleihen kann, treibt hier zum Sparen an, sondern ein angeborener
 Sparinstinkt; es ist die Freude am Sammeln an sich, die
Freude am Golde selbst, die hier zu Tage tritt. Der Durst nach
Gold (auri sacra fames) ist nicht das Verlangen nach den Genufsund
 Machtgütern, die indirekt durch das Gold erworben werden,
sondern es ist die Freude am Golde selbst, es ist die Leidenschaft
des Sammlers, die sich hier offenbart. Auch in anderen Fällen kann
liese Leidenschaft des Sammelns einen uns anderen Menschen unvernünftig
 erscheinenden hohen Grad erreichen, und wir pflegen, besonders
 wenn uns die Wahl des Objekts der Sammlung unverständlich
ist, diese Sammelsucht als eine Einseitigkeit des menschlichen Geistes
anzusehen, Aber wohl keine Sammelwut erreicht je den Höhepunkt,
zu welchem der Golddurst gesteigert werden kann, und da Gold,
wenn es nicht als Herrschafts- oder Genufsmittel, sondern um seiner
selbst willen gesammelt wird, uns als Sammelobjekt ebenso unverständlich
 oder noch unverständlicher erscheint wie das Sammeln von
Pfeifenköpfen und Spazierstöcken, so hat man diese Sucht nach Gold
um seiner selbst willen, die Abneigung, sich vom Golde zu trennen,
überall dort, wo sie in übermäfsig gesteigertem Mafse zum Ausdrucke
kommt, stets als etwas Krankhaftes und Verwerfliches angesehen. *)
Drückt sich diese Leidenschaft mehr aktiv in dem Wunsche nach
Mehrerwerben aus, so nennen wir sie Habsucht, drückt sie sich mehr
passiv in der Abneigung, sich vom Golde zu trennen, aus, so nennen
wir sie Geiz. Freilich brauchen wir den Ausdruck Geiz — aber wie
ich glaube nicht ganz korrekterweise — auch in anderen Fällen, überall
dort, wo wir eine übergrofse, uns übertrieben scheinende Sparsamkeit
bezeichnen wollen. Einen Mann, der sich die nötigsten Bedürfnisse,
um sparen zu können, versagt, nennen wir geizig, °) bei näherer Unter-1)

 Roscher, 8 218.
2) So sagt z. B. Lexis in Schönbergs Handbuch der politischen Ökonomie
Tübingen 1896) Artikel „Die volkswirtschaftliche Konsumtion“ $ 18: „Die Spar-:amkeit.
 artet zum Geiz aus, wenn der Wirtschaftende aus eigener Neigung, um
möglichst grofse Überschüsse zu sammeln, weit unter der Lebenshaltung zurückbleibt,
 die der herrschenden Sitte nach seinem Einkommen entsprechen würde.‘
Hier ist also mehr das rein äufserliche Mafls des Sparens als entscheidendes
Merkmal hingestellt, nicht der innerliche Beweggrund, der doch eigentlich das
allein Mafsgebende sein müfste. Justi (Johann Heinrich von) setzt in seinem
Werke „Staatswirtschaft oder systematische Abhandlung aller ökonomischen und