— 36 —

„An den Ufern des St. Lawrenzstromes, sagt er, giebt es mehrere
kleine Indianergemeinden. Sie besitzen eine ziemliche Strecke bereits
längst von Holz gesäuberten Landes und aufserdem viel Wald. Aber
es fällt ihnen nicht ein, dieses Land zu bebauen und den Wald auszuroden.
 Und doch ist der Boden fruchtbar, und wäre er dies nicht,
so liegt haufenweise Dünger bei ihren Wohnungen, den sie zur Verbesserung
 desselben verwenden könnten. Würde jede Haushaltung
nur einen halben Morgen einzäunen, bearbeiten und mit Kartoffeln
und Mais bepflanzen, so besäfse sie für 'reichlich ein halbes Jahr
Nahrung, während sie jetzt von Zeit zu Zeit den bittersten Mangel
leidet, mitunter der Unmäfsigkeit fröhnt und fast unausgesetzt ihre
Zahl hinschwinden sieht. Und doch sind die Bewohner nicht träge
oder arbeitsscheu. Im Gegenteil, sie arbeiten gern und emsig, sobald
die Belohnung für ihre Arbeit unmittelbar stattfindet, Unmittelbar
lohnt die Jagd, die Fischerei, das Rudern von den dort gebräuchlichen
grofsen Böten und die anstrengende Beförderung von Flöfsen durch
die Stromschnellen. Diesen Erwerbsarten liegen sie fleifsig ob. Nicht
also dem Ackerbau mit seinem entfernteren KErtrage. Wenn. auch
ein Vorurteil gegen diese Arbeit bei vielen vorhanden sein mag, SO
ist dieses doch zu beseitigen, denn einige kleine Inseln im St. Francis-See,
 nahe dem Indianerdorfe St. Regis, haben kleine Stücke Landes
mit Mais bepflanzt, eine Frucht, die einen hundertfältigen Ertrag
liefert und selbst, wenn erst halbreif, schon eine angenehme und nahrhafte
 Speise abgiebt. Doch auch hier zeigt sich der enge Blick, Der
bebaute Boden ist dem Vieh unzugänglich und daher keine Umzäunung
 erforderlich. Wäre auch dafür zu sorgen und eine Auslage
nötig, so würde vermutlich der Anbau unterbleiben. Die gewöhnlichen
Ländereien bei den Dörfern sind nämlich dem Vieh von benachbarten
Ansiedlern zugänglich und seitdem nicht mehr bebaut. Um so bemerkenswerter
 ist dies, weil die Bewohner Werkzeuge benutzen, die
ganz vollständig sind. Die kleinen Kornfelder sind durchaus von
Unkraut gereinigt und zerhackt. Keine Nachlässigkeit lassen sie sich
in dieser Hinsicht zu Schulden kommen. Das Hindernis für einen
ausgedehnteren Anbau liegt nicht in der dazu nötigen Arbeit, sondern
in dem entfernteren Ertrage derselben. Bei einigen der entfernteren
Stämme übertrifft sogar die angewendete Arbeit die durchschnittlichen
Leistungen der Weifßsen. Diese Stämme bestellen die nämlichen
Grundstücke ohne Unterlafs, machen von Dünger Gebrauch und bemühen
 sich aufs sorgfältigste, den Boden sowohl mit der Hacke als
mit der Hand aufzulockern und zu zerreiben. Ein Weifser aber hätte