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unter gleichen Umständen schon längst ein frisches Stück Land urbar
yemacht. Dieses dürfte vielleicht im ersten Jahre die darauf verwendete
 Arbeit kaum vergüten und er würde seine Belohnung erst
von den darauf folgenden Jahren zu erwarten haben. Für die Indianer
liegen folgende Jahre zu fern. Um das zu erlangen, was die Erwerbsthätigkeit
 weniger Monate hervorbringen kann, strengen sie sich
mehr an als die Weilßsen. Jede Thätigkeit dagegen, die erst Erfolg
in einer späteren Zeit verspricht, macht auf den Indianer keinen Eindruck,
 geht einfach über sein Verständnis. Er vermag nicht, sich
eine entferntere Zukunft vorzustellen und steckt sich kein entfernteres
Ziel. Er ist deshalb auch weder intellektuell noch moralisch zum
Sparen fähig.
Die Erfahrung der Jesuiten in Paraguay bestätigt diese Auffassung.
 Der Kultivationsversuch der Ordensbrüder erstreckte sich
über ca. 150000 Seelen, die von ihren etwa 100 Lehrern in Ortschaften
 von mindestens 2500 und höchstens 7000 Personen untergebracht
 wurden. Sie gehörten dem Stamme der Guaranis an und
waren, wie die meisten Indianer, der Trunksucht ergeben. Doch es
gelang den Patres, sie an den Paraguaythee zu gewöhnen und von
ainem Übel zu heilen, das von vornherein jeden Erfolg in Frage stellte.
Die Jesuiten gewannen das Vertrauen der Eingeborenen und mit
Jiesem Vertrauen hinreichenden Einflufs, ihre Erwerbsthätigkeit und
ihre Lebensweise so zu gestalten, wie sie sich diese wünschten. Sie
brachten die Indianer vollständig zur Unterwürfigkeit und zum Gehorsam,
 stellten einen Friedenszustand. her und lehrten sie alle Verrichtungen
 der europäischen Landwirtschaft sowie viele der schwie«
rigsten Handwerke. Der Geschichtsforscher Charlevoix erwähnt Werkstätten
 von Vergoldern, Malern, Bildhauern, Goldschmieden, Uhrmachern,
 Zimmerleuten, Tischlern, Färbern etc. Es gelang den Ordensbrüdern,
 den Widerwillen gegen die Arbeit zu überwinden. Die
Leistungen entsprachen den Anforderungen und Wünschen der geistlichen
 Herren und Meister. Es gelang ihnen aber nicht, die Sorglosigkeit
 auszurotten. Die Unfähigkeit, sich eine entferntere Zukunft
vorzustellen und der Ungewifsheit aller künftigen Dinge Rechnung
zu tragen, blieb bestehen und zum Sparen waren sie also nicht zu
bewegen. Vom ersten bis zum letzten Tage der Missionsthätigkeit
brauchten die Eingeborenen die gleiche und genaueste Aufsicht der
Lehrer. Wollten letztere sicher sein, dafs das Fleisch gleichmälfsig
anter die Leute kam und nichts vergeudet ward, so mufsten sie stets
beim Schlachten zugegen sein und die Verteilung leiten. Wollten sie