einen edlen Luxus in ihren Häusern zu pflegen, ihre Rathäuser und
Kirchen zeigen, dafs sie auch für Kunstzwecke Geld übrig hatten.
Ein treffendes individuelles Beispiel hierzu liefert auch die bekannte
grofse Sparsamkeit der beiden preufsischen Könige Friedrich Wilhelm I
and Friedrichs des Grofsen, ebenfalls nicht aus dem Bestreben Geld
anzusammeln sondern aus ihrer Vorsorge für die Zukunft des Staates
entspringend, artete ihre Sparsamkeit demgemäfs nie in Geiz aus;
während sie ihren eigenen Haushalt beschränkten, waren sie stets
bereit, die gröfsten Summen für Wohlfahrtszwecke des Staates oder
ihrer Unterthanen zu opfern.
3. Das Bewufstsein, diese ersparten Güter durch strenge an-Aauernde
 Selbstüberwindung durch eigene Kraft erübrigt zu haben,
seinen Wohlstand sich selbst geschaffen zu haben, giebt dem einzelnen
Individuum, dem ganzen Volke wie dem einzelnen Stande ein erhöhtes
Selbstbewulstsein und eine gesunde Lebensfreudigkeit, zwei Züge, die
wir wiederum bei allen den Ständen und Personen finden, die ihren
Wohlstand einem auf die Zukunft gerichteten Sparsinn verdanken, die
aber überall dort fehlen, wo der Reichtum aus dem Sparmotive erwachsen
 ist, welches dazu antreibt, Geld um seiner ‚selbst willen anzusammeln.
 Wer durch Geiz reich geworden ist, dem fehlt jenes
Selbstbewulstsein, jene Lebensfreudigkeit, wie sie z. B. der Städter
des Mittelalters und der reiche Bauer besitzen. Hierin zeigt sich ein
weiterer in der Natur der beiden Sparmotive begründeter Unterschied.
4. Am klarsten zeigt sich aber dieser Unterschied bei einer Untersuchung
 über den Einfluls, den die äufseren Bedingungen auf die
Entwicklung. des Sparens haben, wir kommen auf die durch die
äußeren Bedingungen auf das Sparen geübte Einwirkung noch des
breiteren zurück, hier nur folgendes: Für den, der aus ethischen
Motiven, aus Mäfsigkeitsgründen spart, spielen die äulseren Bedingungen
gar keine Rolle; da für ihn die Mäfsigkeit an sich der Zweck ist,
so sorgt er wenig darum, ob er das ersparte Geld sicher und nutzbringend
 anlegen kann oder nicht, Ebenso haben die äufseren Bedingungen
 für den, der aus angebornem Sparsinn spart, wenig Bedeutung.
 Er wird es vorziehen, sein Geld möglichst sicher anzulegen,
möglichst viel Zinsen von seinen Ersparnissen zu erzielen, aber da
ihn nicht die Berechnung des Vorteils sondern ein innerer Trieb zum
Sparen anhält, so wird er auch dort sparen, wo er keine Zinsen erhält
 und wo die Anlage seines Geldes eine durchaus unsichere ist.
Ganz anders dagegen ist der Einflufs der äufseren Bedingungen auf
Jenjenigen, der aus Vorsorge für die Zukunft, auf einen späteren