4.2

Gewinn hin spart. Da dieses Sparen der rein verstandesmäfsigen
Beurteilung der in Zukunft zu erzielenden Vorteile entspringt, so ist
es natürlich von den äufseren Bedingungen ganz abhängig, bei Unsicherheit
 der Kapitalanlage, bei niedrigem Zinsfulse wird es zurückgehen,
 bei allgemeiner Sicherheit und hohem zu erwartendem Gewinne
werden die aus dem genannten Sparmotive hervorgehenden Ersparnisse
sofort bedeutend steigen.
5. Das letztgenannte Sparmotiv ist das wirtschaftlich bedeutsamste,
88 wirkt dort, wo es in Erscheinung tritt, produktiver als die beiden
erstgenannten Motive. Wer aus Mälsigkeitsgründen spart, wird oft
auf die Anlage seiner Ersparnisse nicht die nötige Sorgfalt verwenden
und zuweilen unproduktive Anlagen machen, wie wir das ja aus den
wirtschaftlichen Verhältnissen der ersten Christen und anderer religiöser
 Genossenschaften sehen, die sich wirtschaftlich lange nicht in
so blühender Lage zeigen, wie man es nach dem Fleilse und der
Sparsamkeit der Mitglieder annehmen könnte. Wer anderseits aus
angeborenem Sparsamkeitstrieb, aus Freude am Geldanhäufen spart,
wird ebenfalls nicht immer so produktiv vorgehen, als es wirtschaftlich
für ihn vorteilhaft wäre, weil er unwillkürlich mehr an einen momentanen
 Besitz als an den Ausbau einer ferner liegenden Zukunft denkt,
weswegen ein unproduktives Thesaurieren hauptsächlich unter dem
Impuls dieses Sparmotivs stattfinden wird. Er wird z. B. auf Kosten
seiner Gesundheit oder unrationeller Weise an Betriebsmitteln auf
Kosten der künftigen Produktivität sparen. Wer aber für die Zukunft
 auf einen zukünftigen Gewinn hin spart, der spart von vornherein
 in einer wirtschaftlichen Absicht, der legt naturgemäfs auf die
Art der Anlage das meiste Gewicht und sucht dieselbe so produktiv
wie möglich zu gestalten. Wir können dieses letztere Sparmotiv also
mit Recht als das wirtschaftliche Sparmotiv bezeichnen.
6. Und schließlich ist dies letztere Motiv der psychologisch
wichtigste, am häufigsten anzutreffende, bei fast jedem Sparakte mitspielende
 wenn nicht ausschlaggebende Faktor. Das Sparen aus ethischen
Beweggründen, wie das aus angeborenem Sparsinn, haben beide, wie
wir sahen, nur beschränkte Bedeutung, das Sparen aus Berechnung,
um Vorteile halber ist das allgemeinste. Seiner Natur nach kommt
88 mehr zur Geltung bei den Mittelklassen als bei den ganz
armen oder ganz reichen Ständen und findet sich demgemäfs am
häufigsten in den Ländern, wo der Mittelstand überwiegt, es steigt
und fällt mit der Kulturentwicklung eines Volkes (siehe unten), ‚wie
wir bei Betrachtung der Bedingungen, von denen das Sparen abhängt,