diesem Motive hervorgehenden Sparsinns einen unersetzlichen Verlust
für Staat und Volk bedeuten würde.
Ist es schon schwer, die begrifflichen Grenzlinien dieser drei Sparmotive
 zu ziehen, so wird es im einzelnen Falle um so schwerer sein
festzustellen, welches Sparmotiv diesen oder jenen Sparakt veranlalst
hat, umsomehr als fast nie ein Sparmotiv allein, oft alle drei gemeinsam
 wirksam gewesen sein werden. Wie weit das einzelne Sparmotiv
bei gegebenen Individuen und Völkern mitspielt, wird stets der Gegenstand
 einer besonderen Untersuchung sein müssen, im grofsen und
zanzen aber wird stets das Sparmotiv, das wir das wirtschaftliche
nannten, das mafsgebende sein, sowohl seiner wirtschaftlichen Bedeutung
 wegen als weil es psychologisch weitaus am häufigsten und einschneidendsten
 mitspielt, so dafs wir es als ausschlaggebendes Sparmotiv
 auch dieser Untersuchung zu Grunde legen können, umsomehr
als, wie wir sahen, bei der Betrachtung der Sparbedingungen, zu welcher
wir nun schreiten müssen, nur das aus diesem Sparmotive hervorgegangene
 Sparen in Betracht kommt.

IL.

varbedingun- Von welchen Bedingungen ist nun das Vorhandensein und die
Entwicklung des Sparsinns bei einzelnen Individuen sowie bei ganzen
Völkern abhängig?
Angeborener Aus der gegebenen Charakteristik der Sparmotive geht hervor,
Sparsinn. x « x .
dafs das Vorhandensein des Sparsinns teilweise von angeborenen
Eigenschaften abhängt. Das wirtschaftliche Sparmotiv, das wir auf
die Fähigkeit, sich zukünftige Dinge vorzustellen, zurückgeführt haben,
war dadurch ja schon ebenfalls von der ursprünglichen Naturanlage
beeinflulst, „Wie es verschwenderische und sparsame Individuen giebt,
so auch Völker“, Dem Schweizer z. B. mufs nach Roscher eine
grofse Sparsamkeit zugeschrieben werden, ebenso wie auch dem Hol-‘:änder.
 In der Schweiz sei es in vielen wohlhabenden Familien Sitte,
nach Kaffeegesellschaften im Beisein der Gäste die Krumen zusammenzukehren,
 von denen nachher Suppe gekocht werden soll.!) So will
1) Roscher $ 222, Die anderen hier von Roscher angeführten Beispiele,
dafs dort die erwachsenen Töchter an Stelle des Taschengeldes auf den Ertrag
ihrer Weifsstickerei angewiesen werden, dafs dort die Söhne bei Lebzeiten ihrer
Eltern nur wenig von Hause unterstützt werden und ihr Vermögen selbst begründen
 müssen, so dafs sie des eingezogenen Lebens gewohnt, wenn sie später
durch Erbschaft reich geworden, schon aus Bequemlichkeit ein anderes nicht
mehr anfangen. Diese Beispiele sprechen nicht so sehr, wie Roscher meint, für
len Geiz des Schweizers als für das dort übliche Prinzip, die Kinder schon früh